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Wirtschaft
Extremsommer beschert Gerolsteiner sprudelnde Geschäfte

Mineralwasser am laufenden Band: Bein gerolsteiner Brunnen wurden in diesem Sommer Sonderschichten in Produktion, Logistik und Vertrieb gefahren, um die gestiegene Nachfrage zu decken.
Mineralwasser am laufenden Band: Bein gerolsteiner Brunnen wurden in diesem Sommer Sonderschichten in Produktion, Logistik und Vertrieb gefahren, um die gestiegene Nachfrage zu decken. FOTO: Gerolsteiner Brunnen
Gerolstein. Mehr Absatz, mehr Umsatz: Dank neuer Kapazitäten und Zusatzschichten gibt es keine Lieferengpässe. Die Unternehmensspitze bleibt vorerst vakant. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Der Sommer 2018 war in vielen Fällen ein Ausnahmesommer. Auch für den Gerolsteiner Brunnen. Das Unternehmen aus der Vulkaneifel hat wie die meisten deutschen Mineralwasserbrunnen von dem größeren Sprudeldurst der Deutschen profitiert und sich damit als meistgekaufte Mineralwassermarke Deutschlands etabliert. Zusätzlich zum Drei-Schicht-Betrieb wurden seit Mai auch samstags und sonntags Sonderschichten gefahren und zudem auch Beschäftigte aus der Verwaltung für Produktion, Logistik und Vertrieb eingesetzt. „Die mit den hohen Temperaturen einhergehenden Absatzspitzen haben uns vor große Herausforderungen gestellt“, sagt Joachim Schwarz, kaufmännischer Geschäftsführer des Gerolsteiner Brunnens. Allerdings sei durch den Einsatz der zusätzlichen Mitarbeiter die Lieferfähigkeit immer erhalten geblieben.

Dazu gehörten auch die fertiggestellte neue 8000 Quadratmeter große Abfüllhalle für Glas-Mehrweg, eine neue Anlage für Einweg-Gebinde sowie eine neue 4500 Quadratmeter große Lagerhalle, in die das Unternehmen einen höheren zweistelligen Millionenbetrag investiert hat (der TV berichtete). So konnte die wachsende Nachfrage aufgefangen werden.

Zusätzlich zum Sommerabsatz fährt Gerolsteiner in seiner Sieben-Monats-Bilanz die Ernte seiner langjährigen Strategie ein, für fast jede Gelegenheit ein passendes Produkt in passender Größe anbieten zu können. „Der Absatz ist in den vergangenen sieben Monaten auch ohne diesen Supersommer gewachsen“, sagt Schwarz. Mineralwasser und Erfrischungsgetränke haben zusammen um 4,7 Prozent auf 4,8 Millionen Hektoliter Absatz zugelegt, der Nettoumsatz ist um 6,1 Prozent auf 182,6 Millionen Euro gestiegen (siehe Info). „Wir liegen seit Jahren über der Absatz- und Umsatzentwicklung des Gesamtmarktes“, sagt der Gerolsteiner-Verkaufschef. Denn die Deutschen sind ein Volk von Wassertrinkern geworden. Immerhin bei rund 148 Litern Mineralwasser liegt aktuell der Pro-Kopf-Verbrauch, 1970 waren es gerade mal 12,5 Liter. Während der Gesamtmarkt in den vergangenen sieben Monaten allein bei Mineralwasser um vier Prozent zugelegt hat, liegt das Wachstum bei dem Eifeler Brunnen immerhin bei 7,3 Prozent.

Ein Erfolgsfaktor für Gerolsteiners Vorreiterrolle in der Branche ist für Joachim Schwarz gerade diese Gebindevielfalt: Ob Mehrwegflasche aus Kunststoff, Einwegpulle aus PET oder Glas-Mehrwegeinheit – sie sind auch in den vergangenen sieben Monaten der Wachstumstreiber gewesen. „Mit unseren Produkten orientieren wir uns konsequent an den Wünschen von Kunden und Konsumenten“, sagt er. Bei den Produkten wachsen vor allem Gerolsteiner Naturell (plus 16,9 Prozent) und Gerolsteiner Heilwasser (plus 23,2 Prozent) am schnellsten. Aber auch die Erfrischungsgetränke – allen voran die Apfelschorle – legen mit plus 1,2 Prozent zu. Beim Export wächst Gerolsteiner in den vergangenen sieben Monaten um 4,6 Prozent, Hauptabsatzmärkte sind die Benelux-Staaten, die USA und Südkorea. Damit ist Gerolsteiner größter Mineralwasser-Exporteur der deutschen Mineralwasserbranche.

Auch in der hart umkämpften Gastronomie sind die Eifeler erfolgreich. Mit einem Absatzwachstum von 3,1 Prozent hat das Wasser mit dem Stern seine Position als Nummer zwei unter den Gastronomie-Mineralwässern weiter ausgebaut – etwa durch neue Kunden in der Spitzengastronomie und -Hotellerie. „Wir haben die Kunden im Fokus, die zu uns passen“, sagt Geschäftsführer Schwarz selbstbewusst.

Die Spitze im eigenen Unternehmen ist beim Gerolsteiner Brunnen allerdings noch vakant. Vor knapp eineinhalb Jahren ist Robert Mähler als Sprecher der Geschäftsführung überraschend abgetreten. Ein Nachfolger auf dieser Position ist derzeit noch nicht in Sicht. Die Sondierungen durch den Unternehmensbeirat des Gerolsteiner Brunnens laufen.

Wann ein neuer Verantwortlicher für die Bereiche Strategie, Marketing, Vertrieb und International präsentiert werden kann, ist zurzeit noch unklar.