Fast 1,5 Jahre ohne Tarifvertrag: Zwischen NGG und Dehoga herrscht Streit.

Tarifverhandlungen : Gewerkschaft sieht im Tarifstreit noch keine Chance auf Einigung

Seit fast anderthalb Jahren ist das Gastgewerbe im Land ohne Entgelttarifvertrag. Nun hat der Dehoga legt ein neues Angebot vorgelegt. Doch die NGG bleibt unzufrieden.

Glaubt man Gereon Haumann, dem Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Rheinland-Pfalz, dann könne die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) dem neuen Angebot des Dehoga für einen Tarifvertrag im Gastgewerbe des Landes nur noch zustimmen. „Denn mit unserem Angebot geben wir einen starken Anreiz zur Ausbildung im Gastgewerbe, da wir sowohl die Ausbildungsvergütungen um bis zu 36 Prozent als auch die Entgelte für Fachkräfte um bis zu 22 Prozent anheben werden“, sagt Haumann zum einstimmigen Beschluss seiner Mitglieder im Landesverband. Damit gehe man sogar noch deutlich über die von der NGG geforderte pauschale Erhöhung des Entgeltes hinaus. „Es gehe da um die Wertschätzung der Mitarbeiter.“

Ganz so rosa sieht es die Gewerkschaft naturgemäß nicht, „zumal der Dehoga sich die Zahlen schönrechnet“, sagt Klaus Schu, NGG Verhandlungsleiter und Geschäftsführer für die Region Trier. „Da lassen wir uns auch nicht erpressen.“

Fakt ist, dass die NGG den Entgelttarifvertrag Ende Februar 2018 wie angekündet gekündigt hat. Nach fast anderthalb Jahren und fünf ergebnislosen Verhandlungsrunden ist Rheinland-Pfalz damit derzeit bundesweit das einzige regionale Tarifgebiet von 18, das bislang noch nicht zu einem Ergebnis im Tarifstreit gekommen ist. „Damit gibt es auch innerhalb der Region keine Branche, die länger ohne Entgelttarifvertrag ist“, sagt der Gewerkschafter wenig stolz. Aber: „Wir müssen glaubwürdig bleiben und unseren Mitgliedern auch in die Augen schauen können.“

Worum geht es? Der Dehoga möchte Entgelt- und Manteltarifvertrag inhaltlich verknüpfen, um damit „Flexibilisierungen der Arbeitszeit“ voranzutreiben, wie Präsident Haumann formuliert: „Damit könnten viele befristete ganzjährige Dauerarbeitsplätze umgewandelt werden. Da geht es nicht um Mehrarbeit, sondern um die Anerkennung des Gastgewerbes als Saisonarbeitsbranche so wie Weinbau und Landwirtschaft auch.“

Dagegen hält die NGG mit der Begründung: „Mit uns wird es keine Ausweitung der Arbeitszeiten im Gastgewerbe auf zwölf oder 13 Stunden am Tag an bis zu sechs Tagen in der Woche geben“, sagt Klaus Schu. Denn es gebe bereits im Manteltarifvertrag eine flexible Handhabung der Arbeitszeiten auf bis zu 50 Stunden pro Woche, die angespart und im Winter abgefeiert werden könnten. „Doch das macht kaum ein Gastronom. Die Praxis ist eher: Nach Saisonschluss werden die Überstunden bezahlt, zum Herbst hin wird entlassen. Da ist also noch viel Luft nach oben.“ Was einigen vielleicht helfe, sei schlecht für die gesamte Branche. Der Dehoga will Mantel- und Entgelttarifvertrag ab Ende des Jahres gleichzeitig verhandeln.

Außerdem müsse man die Struktur der Gastgewerbebranche bedenken, sagt Schu. „Gerade in der Region Trier an der Mosel arbeiten viele un- und angelernte Mitarbeiter. Das sind wichtige Arbeitskräfte“, sagt er. Doch der Vorschlag des Dehoga führe gerade in den beiden untersten Tarifgruppen mit einer Lohnsteigerung von jeweils unter einem Prozent zu einem Reallohnverzicht. „Das zieht das Niveau nach unten. Da muss dringend noch nachgebessert werden“, sagt der NGG-Verhandlungsleiter.

Wenn man nämlich die vorgeschlagene Tariferhöhung auf die seit März 2018 geltende Vertragslosigkeit anwende, ergäbe sich bei einer Gültigkeit bis Ende Mai 2022 eine wesentlich geringere Lohnsteigerung. „Dadurch relativiert sich das Angebot des Dehoga deutlich. Und selbst bei den Fachkräften bewegt sich die Lohnsteigerung von 2,3 bis 3,2 Prozent dann im unteren Drittel der deutschen Tarifgebiete“, stellt Klaus Schu klar: „Das hat dann auch nichts mehr mit der Wertschätzung der Mitarbeiter zu tun.“

Wie es nun weitergeht, ist noch unklar. Die NGG-Geschäftsführer im Land wollen sich in diesen Tagen zusammensetzen und das Angebot besprechen.

„Aber es gibt auf beiden Seiten Druck, zum Ende zu kommen.“

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