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Firmen müssen immer stärker Azubimarketing betreiben.

Ausbildung : Einiges im Köcher beim Kampf um Nachwuchs

Ausbildungsatlas, Botschafter oder Schulkooperationen: Die Kammern sowie die Agentur für Arbeit bieten Unternehmen zahlreiche Unterstützung für das erfolgreiche Azubimarketing.

Mehr offene Stellen als Bewerber, der Kampf um die Köpfe schon bei Azubis und speziell bei kleinen und mittleren Unternehmen, immer mehr Schüler wollen studieren und fallen daher für die klassische duale Ausbildung weg, auf der anderen Seite viele Schüler mit mangelnder Ausbildungsreife und Kernkompetenzen – wie findet man als Unternehmen in diesen Zeiten die passenden Auszubildenden?

Die aktuelle Corona-Pandemie macht die Suche nach Azubis und die Suche von Schülern nicht einfacher ­– speziell, da zahlreiche Ausbildungsmessen in diesem Jahr abgesagt wurden (der TV berichtete). Aber auch abseits der gemeinsam mit dem Volksfreund veranstalteten Messe „Dein Tag, deine Chance“  gehen die Industrie- und Handelskammer Trier (IHK), die Handwerkskammer Trier (HWK) und die Agentur für Arbeit für die Region Trier seit vielen Jahren gemeinsame Wege, was das Azubimarketing betrifft.

Solche Messen sind für die regionalen Firmen – egal ob IHK-Betriebe oder Handwerker – nur ein Puzzleteil, um Jugendliche als potenzielle Azubis zu gewinnen. „Die früheren klassischen Methoden, um Jugendliche für das Unternehmen zu gewinnen, funktionieren heute nicht mehr. Firmen müssen neue Wege gehen, müssen zudem teilweise ihre Ausbildung umstrukturieren und neue Angebote machen, um Schüler zu gewinnen“, sagt Anne Janeczek aus dem Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung bei der IHK Trier. Gemeinsam mit ihren Kollegen Alexander Oster und Petra Scholz sowie bei der HWK zum Beispiel Petra Kollmann ist Janeczek an vielen Projekten beteiligt, um Unternehmen fit in Sachen Azubimarketing zu machen.

„Firmen müssen nicht nur ihren Bekanntheitsgrad bei Jugendlichen erhöhen, sondern schon vor dem Ausbildungsstart langfristige Perspektiven wie Weiterbildung oder Karriere im Unternehmen anbieten können. Und die Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass alle Maßnahmen – auch wenn sie Geld kosten – immer auch Qualitäts- und Zukunftssicherung für die Firma sind“, sagt Janeczek.

Angebote und Projekte von IHK, HWK und Agentur für Arbeit in Sachen Azubi-Marketing:

Durchstarter.de: Ein besonderes Angebot für Unternehmen bietet die gemeinsame Initiative der rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern durchstarter.de. Sie begleitet Schüler auf dem Weg in den Beruf und zeigt ihnen dabei die Chancen einer dualen Ausbildung auf. In Azubi-Blogs berichten junge Menschen von ihrem Ausbildungsalltag. Jedes Unternehmen, das einen Azubi-Blogger stellt, erhält ein kostenloses Unternehmensporträt auf der duchstarter-Website mit Logo, Unternehmensdarstellung, Ausbildungsberufen, Fotos und Videos sowie eine Verlinkung auf die eigene (Karriere-)Webseite. Mittels Vernetzung in den Sozialen Medien (Instagram, Facebook und YouTube) können die Beiträge rund um Ausbildung, Berufe und Bewerbung geteilt und auf den Unternehmenskanälen gepostet werden. So gewinnen teilnehmende Ausbildungsbetriebe regelmäßig neue Inhalte für ihre Kanäle – mit minimalem Aufwand.

Gemeinsamer Ausbildungsatlas von HWK und IHK: Um die Ausbildungsbetriebe zu unterstützen, aktualisieren die beiden Kammern jährlich ihren Ausbildungsatlas, der auch in digitaler Version verfügbar ist. Mit einer interaktiven Anwendung können Schüler auf region-trier.de einsehen, welche Ausbildungsbetriebe es in ihrer Umgebung gibt und welche Berufe dort ausgebildet werden.

AzubiCard: Mit der AzubiCard erhalten Auszubildende viele Vergünstigungen, alle Unternehmen können dort kostenlos ihre Angebote einstellen und auch so als Ausbildungsbetrieb auf sich aufmerksam machen. Weitere Infos unter www.azubicard.de/trier

Lehrstellenbörse im Internet: Die bundesweite Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern bietet Tausende von Ausbildungschancen, aber auch wertvolle Infos rund um Berufswahl oder Bewerbung: Unter www.ihk-lehrstellenboerse.de sind ständig rund 40 000 offene Ausbildungsplätze und duale Studiengänge gelistet, die gezielt nach Regionen recherchiert werden können.

Bildungs- und Lernpatenschaften/Schulkooperationen: Eine Bildungs- und Lernpartnerschaft ist für Unternehmen die Möglichkeit, eine langfristig angelegte Kooperation mit einer Schule einzugehen und sich so als Ausbildungsbetrieb kontinuierlich ins Spiel zu bringen. Unternehmen können zum Beispiel Teile des Berufsorientierungsunterrichts gestalten, ihr ökonomisches Wissen in den Unterricht einbringen, sich an Berufsorientierungsmessen der Partnerschule beteiligen oder Schüler und Eltern zu Betriebserkundungen einladen. Weitere Optionen sind zum Beispiel die Bereitschaft, als Praktikumsbetrieb oder für den „Girls Day/Boys Day“ zur Verfügung zu stehen oder Schülern Ferienjobs anzubieten.

Ausbildungsbotschafter:  Auszubildende werben auf Augenhöhe in allgemeinbildenden Schulen für die duale Ausbildung und geben dabei direkte und authentische Einblicke in ihre jeweiligen Ausbildungsberufe. Der Kontakt zum wirklichen Arbeitsleben baut bei Schülern Unsicherheiten ab. Im Rahmen der Azubi-Akademie bildet die IHK Trier kontinuierlich und kostenfrei interessierte Azubis zu Ausbildungsbotschaftern aus.

Informationen vorhalten: Sei es auf der firmeneigenen Website, in den sozialen Netzwerken (auch mit von Azubis gedrehten Videos), durch Anzeigen in Print- und Onlinemedien sowie durch Flyer und anderes Infomaterial können Unternehmen ihren Bekanntheitsgrad als Ausbildungsunternehmen erhöhen.

Passgenaue Besetzung: Kleine und mittelgroße Unternehmen erhalten Unterstützung, um ihre Ausbildungsstellen passgenau zu besetzen. Die Kammern helfen Unternehmen bei der Formulierung des Anforderungsprofils an potenzielle Azubis, durch kostenlose Stellenanzeigen in Lehrstellenbörsen und der Begleitung des gesamten Bewerbungsvorgangs (Unterlagen sichten, Vorgespräche führen, Vorauswahl treffen). Verantwortlich für diese passgenaue Besetzung sind Petra Scholz/Linda Helfen (IHK Trier) und Petra Kollmann (HWK Trier).

Attraktivität und Qualität der eigenen Ausbildung erhöhen: Um die eigene Ausbildung gerade auch für leistungsstarke Schüler und Studienzweifler interessant zu machen, bieten sich Zusatzangebote während der Ausbildung an. Egal ob kontinuierliche Weiterbildungsangebote im Rahmen der IHK Azubi-Akademie, durch das Angebot von Auslandsaufenthalten oder durch die Möglichkeit von Zusatzqualifikationen, die IHK Trier und das Team Bildungsprojekte steht beratend und unterstützend zur Verfügung. Unter www.ihk-trier.de finden Unternehmen weiterführende Informationen und die Kontaktdaten aller Ansprechpartner. Auch Schüler, Lehrer, Eltern und Auszubildende finden hier umfangreiche Angebote zur Unterstützung.