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Husten- und Spuckschutz ist derzeit gefragt: Regionale Unternehmen arbeiten auf Hochtouren

Unternehmen : Husten- und Spuckschutz ist derzeit gefragt – Regionale Unternehmen arbeiten auf Hochtouren

Krankenhäuser, Polizei, Behörden, Banken und Supermärkte: Alle wollen ihr Personal vor dem Coronavirus schützen. Eine Möglichkeit sind Hustenschutzscheiben und Spuckschutze. Ein Blick in die Region zeigt: Die Präventionsartikel sind gefragt wie nie.

Bei Euroline in Grevenmacher wird derzeit durchgearbeitet. Auch am Wochenende. Denn Erwin Kellendonk und sein 50 Mitarbeiter starkes Team erleben derzeit eine regelrechte Auftragswelle. Der Grund: Euroline, in Nicht-Corona-Zeiten einer der großen regionalen Betriebe für Werbetechnik, baut derzeit nur noch ausschließlich sogenannte Corona-Hustenschutzscheiben und -Kabinen. Ob in Krankenhäusern, in den Verhörräumen der Polizei oder kontaktlose Schüttsysteme für Bäckereien: „Überall ist der Bedarf groß. Denn überall, wo Kassen sind und Menschenkontakt herrscht, muss jetzt ein Schutz rein“, sagt Chef Kellendonk.

Und der hatte bereits früh ein Gespür für den Run auf seine Plexiglas-Produkte. Denn Kellendonk hat eine vierjährige Ausbildung zum Rettungssanitäter mit Schwerpunkt Seuchenprävention und chemische und nukleare Gefahrenabwehr bei der Bundeswehr hinter sich. Außerdem sitzt ein Mitarbeiter zusätzlich im Koblenzer Krisenstab des Deutschen Roten Kreuzes.

„Uns war schneller als vielen anderen klar, was gebraucht wird, wenn das öffentliche Leben nicht mehr funktioniert“, sagt der Unternehmer. Mit diesem Wissen kauft Euroline bereits im Januar ein paar tausend Quadratmeter Material in verschiedenen Größen und Stärken auf. „Material, das derzeit nicht mehr auf dem Markt zu haben ist“, weiß er (siehe Artikel unten).

Zudem schwört Kellendonk seine 50 Beschäftigten schon im Januar darauf ein, Vorräte einzulagern, Bargeld zu beschaffen und sich nur noch per WhatsApp und Videokonferenz zu besprechen. „Anfangs waren die Mitarbeiter verständnislos, und es war schwer, Abstand zu halten. Heute sind sie mir dankbar“, sagt Erwin Kellendonk.

Dankbar sind ihm auch die Krankenhäuser, Sicherheitsbeamten von Zoll, Feuerwehr und Polizei, Labore, Testzentren, Supermärkte, Banken und Behörden, die er teils bereits seit der Gründung von Euroline 1985 mit Leitsystemen, Beschriftungen, Leuchtwerbung oder Stelen ausstattet. „Solange die Schutzkabinen und -Scheiben benötigt werden, werden wir das machen“, sagt der Euroline-Chef.

Dass man nun mit Teams in Intervallen rund um die Uhr arbeite, dahinter stünden auch die Mitarbeiter, zumal er und seine drei Söhne ebenfalls in dem Familienbetrieb mit anpacken. Wo andere Betriebe in der Kurzarbeit arbeiten, wird bei Euroline durchgearbeitet. „Jetzt kommt es auf jede Sekunde an, auf jede Fußbodenfolie, jede Präventionskabine“, sagt Kellendonk. „Derzeit haben wir noch Kapazitäten frei sowie ausreichend Material an Lager, um Unternehmen im Kampf gegen Corona zu unterstützen.“ Dazu gehört für den Unternehmer auch, die Zollbeamten an den Grenzübergängen kostenlos mit Schutzkabinen auszustatten. Denn seit dem Schengener Abkommen vor 25 Jahren sind nach und nach alle Grenzhäuschen abgebaut worden, die Beamten stehen sprichwörtlich im Regen.

Noch ein bis zwei Jahre, so schätzt Kellendonk, könnten sich die Auswirkungen des Corona-Virus auf Wirtschaft und Gesellschaft zeigen, erst dann, so schätzt er, sind alle Bereiche auf Prävention eingestellt und ausgestattet. „Aber ich bin auch Unternehmer und sehe, dass ich derzeit ein Auftragsvolumen von rund 800 000 Euro vor mir herschiebe, das wir noch abarbeiten müssen“, sagt er.

Lieferung nur noch bis vors Tor: Für die Euroline-Mitarbeiter gelten eigene Schutzbestimmungen. Foto: Euroline

Neues Personal will der Chef jedoch für die Corona-Auftragswelle nicht einstellen. „Unsere Mitarbeiter sind alle gebrieft, wie sie hier arbeiten müssen und welche Regeln gelten. Da ist mir der Schutz der Belegschaft sehr wichtig“, sagt Kellendonk. So liefere man nur bis vors Tor, der eigentliche Montage-Trupp wird für die Arbeit an der Plexiglas-Fräse und anderen Geräten fit gemacht. „Etwa Plexiglas zu verkleben ist eine so spezielle Arbeit, die derzeit nur zwei Leute können.“ Auch habe man noch zu wenig Maschinen. „Wir müssen alle in dieser Krise lernen.“