Interview mit der Post-Chefin für die Region Anke Podewin

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : „Auch in Zukunft wird es Briefkästen geben“

Die Post-Chefin für die Region über den Wandel vom Brief zum Paket, die Lage im Briefzentrum Trier und Schneeketten in der Eifel.

„Aus Berlin-Schöneberg in die schöne Eifel“ – so charakterisiert Anke Podewin ihren Umzug aus der Hauptstadt mitten hinein in ihr neues berufliches Umfeld. Die 47-Jährige ist seit Januar 2019 Niederlassungsleiterin der Deutschen Post für die Postleitzahlenbereiche 54 (Trier) und 56 (Koblenz) in Koblenz und lebt in der Nähe von Mayen. Im TV-Interview äußert sich die Chefin von über 3600 Mitarbeitern zum Wandel in der Zustellung, was die Zahl der zugestellten Briefe und Pakete betrifft, ob in der Eifel die Post bald per Drohne kommt, dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft und der Post als Arbeitgeber.

Wie wird man Chefin einer Post-Niederlassung dieser Größe?

Anke Podewin Für eine Post-Niederlassung ist Koblenz vergleichsweise klein. Ich bin 2011 als Quereinsteigerin zum Konzern gekommen und bin bereits nach zehn Monaten aus der Zentrale in eine Niederlassung gewechselt, zunächst als Personalleiterin. 2014 ist meine damalige Chefin in die Zentrale gewechselt und ich konnte ihren Job als Niederlassungsleiterin übernehmen.

War die Post so etwas wie ein Traumberuf?

Podewin Bei der Post hat mich gereizt, dass der Konzern viele verschiedene Tätigkeitsfelder bietet. So kann man sich immer weiter entwickeln und auch mal etwas ganz anderes machen.

Mehr Bürojob oder eher unterwegs: Wie muss man sich Ihre Aufgaben vorstellen?

Podewin Als Niederlassungsleiterin koordiniere ich die Aufgaben meiner unterschiedlichen Betriebsabteilungen, also der Briefzentren, des Paketzentrums, des Transports und der Zustellung. Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital und unser Aushängeschild nach außen. Um eine solide Basis zu haben, muss ich immer die Qualität im Auge behalten, den Bedürfnissen unserer Mitarbeiter Rechnung tragen und gleichzeitig wirtschaftlich handeln. Ich bin sehr froh, dass es uns in der Niederlassung Koblenz sehr gut gelingt, diese drei Grundprinzipien im Gleichgewicht zu halten.

Hat man angesichts der Größe Ihres Bereichs noch genügend Kontakt zu den Mitarbeitern vor Ort?

Podewin Ich versuche in jeder Woche vor Ort zu sein, also in der Zustellung im Brief- oder im Paketzentrum. Ich führe auch Personalgespräche, ich finde es wichtig, nah beim Mitarbeiter zu sein, in angenehmen genauso wie in weniger angenehmen Situationen. Es gibt immer Zeiten, in denen ich mehr unterwegs bin als in anderen. Im Weihnachtsgeschäft packe ich natürlich auch selber mit an und lege zum Beispiel im Paketzentrum Pakete auf.

Sie waren zuvor Niederlassungsleiterin in Berlin, ihr neuer Bereich – speziell die Region Trier – ist eher ländlich geprägt. Was sind die Unterschiede und die besonderen Herausforderungen „auf dem Land“?

Podewin Ich war in Berlin auch schon für Brandenburg zuständig – das ist auch ländlich geprägt. Aber ich musste mir speziell in Berlin zum Beispiel keine Gedanken machen, welcher Zustellstützpunkt mit Schneeketten ausgestattet sein muss, das ist gerade in der Eifel schon anders. Besondere Herausforderungen sind auch die großen Entfernungen, die zurückgelegt werden müssen, dabei eine sehr gute Qualität zu liefern und trotzdem eine hohe Produktivität zu erreichen. Im Gegensatz zum städtischen Raum werden Briefe und Pakete auf dem Land im Verbund zugestellt, also der Zusteller stellt sowohl Briefe als auch Pakete zu.

Mit den E-Scootern ist die Post klimaneutral unterwegs – wie sind im ländlichen Bereich mit langen Distanzen die Erfahrungen mit den neuen Fahrzeugen?

Podewin Aktuell sind wir im Niederlassungsbereich mit einer Flotte von 1300 Fahrzeugen unterwegs. Rund 240 davon sind Streetscooter. Die Batterien und die Fahrzeuge an sich werden immer leistungsfähiger. Auch im ländlichen Raum haben wir aktuell Tageshöchstlaufleistungen von bis zu 150 Kilometern.

Macht zum Beispiel in entlegenen Gebieten in der Eifel und im Hunsrück eine Zustellung per Drohne Sinn?

Podewin So abgelegen ist die Eifel ja auch nicht, das kann ich als Neu-Eifelerin bestätigen! Drohnen haben wir schon immer nur als eine sehr spezifische Sonderlösung betrachtet. Im regulären Lieferbetrieb setzen wir Drohnen in Deutschland nicht ein. Bis auf weiteres ist das für uns ein reines Forschungsprojekt. In China hingegen hat DHL Express im Mai die erste innerstädtische Route eingeweiht. In Guangzhou transportieren Drohnen zweimal täglich Express-Sendungen zwischen zwei Packstationen.

Weniger Briefe, mehr Pakete: Der Postmarkt ist im Wandel. Wie macht sich das in Ihrem Bereich bemerkbar, zum Beispiel an den Mitarbeiterzahlen oder den Aufgaben?

Podewin In den letzten zwei Jahren haben wir in der Zustellung im Bereich der Region Trier rund 30 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Im Briefzentrum Trier kamen neue internationale Aufgaben hinzu. Dort wird zum Beispiel die eingehende und ausgehende Briefpost von und nach Luxemburg, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien bearbeitet. Und ich bin mir sicher, dass es auch künftig Briefpost geben wird – im Gegensatz zu Telefonzellen oder Telefonen mit Wählscheibe – wird es den klassischen Briefkasten an den Häusern weiterhin geben.

In den vergangenen Wochen sorgte das Thema „keine Zustellung an Montagen“ für Schlagzeilen. Wie ist da der Stand in der Region Trier?

Podewin Wir stellen werktäglich an sechs Tagen zu, stehen montags aber vor der Problematik, dass dort nur etwa zwei Prozent der gesamten Wochenmenge anfallen. Denn samstags geben Geschäftskunden keine Post auf – können sie aber auch nicht entgegennehmen.

Wird es künftig mehr alternative Zustellformen, wie Packstationen, in der Region geben?

Podewin Wir werden unser Angebot an Packstationen bundesweit in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. Wir liefern bisher nur drei Prozent unserer Pakete in Packstationen aus. Wir gehen davon aus, dass diese Menge ansteigen wird, auf fünf, vielleicht zehn Prozent. Das gilt auch für die Region Trier. Für unsere Kunden macht diese Form absolut Sinn, denn die Packstationen stehen ihnen 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche zur Verfügung. Aber die Hauptzustellungsform wird die Zustellung an der Haustür bleiben. Generell arbeiten wir immer an Logistikkonzepten für Städte – und das sind nicht nur Modelle für Berlin oder Hamburg, sondern auch für Mittelzentren wie Trier.

Mit zahlreichen Kampagnen sucht die Post bundesweit nach Mitarbeitern – auch in Ihrem Bereich?

Podewin Die Personalsuche in unserem Bereich ist anspruchsvoll, aber erfolgreich. Durch ein neu eingeführtes elektronisches Bewerbermanagement-System können wir schnell und effektiv auf Bewerbungen reagieren. Allein in den letzten vier Monaten haben wir vorbereitend für das Geschäft vor Weihnachten 90 neue Mitarbeiter im Bereich der Zustellstützpunkte Trier und Wittlich eingestellt. Auch unsere Mitarbeiter sind aktiv in das Personalrecruiting eingebunden und machen Werbung für das Unternehmen.

Sie sprechen das Weihnachtsgeschäft an – wie viel mehr Pakete und Päckchen müssen dann allein in der Region Trier ausgeliefert werden?

Podewin An den starken Tagen im Dezember werden im Paketzentrum Neuwied für die Standorte unserer Niederlassung täglich rund 100 000 Sendungen mehr im Vergleich zum jetzigen Stand (300 000) erwartet. Dafür werden zusätzliche Bezirke eingerichtet, Fahrzeuge bereitgestellt und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Durch die frühe Planung des Weihnachtsverkehrs haben wir schon frühzeitig begonnen, Mitarbeiter zu rekrutieren. Wir freuen uns aber immer über Bewerbungen.

Wie viele Ausbildungsstellen bietet die Post aktuell in der Region an?

Podewin Für das Jahr 2020 bieten wir niederlassungsweit folgende Ausbildungsplätze an: 16 Fachkräfte für Express-, Kurier- und Postdienstleistungen (Zusteller), ein Kaufmann/Kauffrau für Express-, Kurier- und Postdienstleistungen, zwei Mechatroniker, zwei Berufskraftfahrer, zwei Kaufleute für Büromanagement und zwei Studenten im Dualen Hochschulstudium.