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Jahresbericht 2019: Hochwald Foods mit weniger Umsatz und höherem Milchpreis.

Lebensmittel : Mehr Rahm im Milchmarkt abgeschöpft

Die Hochwald Foods GmbH in Thalfang ist nicht nur Deutschlands Molkerei Nummer drei im Markt. Das Unternehmen kann einen überdurchschnittlichen Milchpreis auszahlen. Selbst in der Corona-Krise ist es weniger als andere von den Folgen der Pandemie beeinträchtigt.

Wenn eine Molkerei wie Hochwald Foods ihren Jahresbericht vorlegt, schauen die einen auf die Umsatzentwicklung und die Folgen für die Eigenkapitalquote sowie die Investitionsbereitschaft in der Zukunft, die anderen schauen auf den Milchauszahlungspreis für die knapp 3000 liefernden Landwirte. Doch die Genossenschaft mit Stammsitz in Thalfang kann mit ihren Zahlen von 2019 in allen Bereichen punkten. Vor dem Hintergrund von stabileren Milchmärkten, einem weltweit geringeren Milchaufkommen und einem gewachsenen Welthandel ist auch Deutschlands Nummer drei unter den Molkereien stabil in Umsatz und Milchpreis. Hinzukommen massive Investitionen und eine Erhöhung des Eigenkapitals.

Die Details: Der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr beläuft sich mit 1,53 Milliarden Euro leicht unter der Vorjahressumme. Während der Umsatz mit Milch und Milchprodukten im Inland und innerhalb der EU rückläufig war, haben die Exporte zugenommen – auf nun 209 Millionen Euro. Tendenz steigend. Auch die Exportquote ist leicht gewachsen auf einen Anteil von nun 45,9 Prozent. Mehr Geschäfte wurden demnach in Süd-Ost-Asien und in der arabischen Welt getätigt.

Dies hat das Unternehmen auch in der Corona-Krise seit dem Frühjahr vor größeren Einbrüchen bewahrt. „Der Export entwickelt sich trotz des internationalen Shutdowns positiv. Aktuell vermarkten wir die gesamte Anlieferungsmenge, so dass eine Drosselung für unser Unternehmen derzeit nicht notwendig ist“, erklärte das Unternehmen bereits im Mai.

Die Geschäftsausrichtung der Hochwald-Gruppe sei hauptsächlich auf den weltweiten Handel fokussiert, erklären die Verantwortlichen. Denn gerade die Einschränkungen der weltweiten Transporte, die Grenzschließungen und die Sperrung der Gastronomie haben dazu geführt, dass viele Milchmengen nicht verarbeitet oder verwertet werden konnten. „Die Ausgewogenheit in der Vermarktungsstruktur – zwischen Handel national und international einerseits sowie Industrieprodukten andererseits – sowie unser breites Sortiment an Molkereiprodukten führen dazu, dass die Hochwald-Gruppe sich nach heutigem Kenntnisstand trotz der Pandemie-Krise annähernd stabil entwickeln wird“, sagt Detlef Latka, Geschäftsführer von Hochwald Foods.

Der Vorteil: „Mit unseren Pulvertürmen haben wir die Möglichkeit, in eventuellen Überschusssituationen Milch lagerfähig zu machen“, heißt es bei Hochwald. Aber auch „der für den globalen Handel erforderliche unbegrenzte Verkehr von Seecontainern läuft wieder reibungsloser“. Die Versorgung der Produktionswerke, aber auch die Auslieferung der Fertigwaren ist demnach kaum beeiträchtigt.

Das Geld: Mit einem Milchauszahlungspreis von 34,2 Cent je Kilogramm Milch haben die Milchlieferanten der Muttergesellschaft gegenüber dem deutschlandweiten Preis von 33,7 Cent je Kilogramm höhere Einnahmen erzielt.

Das Eigenkapital erhöht sich um knapp 30 Millionen Euro auf nun rund 219 Millionen Euro. Die Quote liegt leicht erhöht bei 34,2 Prozent. Zugleich braucht das Unternehmen weiter frisches Geld von Geldgebern, es wurden erneut Genussscheine ausgegeben. So sollen Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter das Wachstum der Genossenschaft fördern helfen – und selbst von Wertsteigerungen profitieren. Immerhin wurden im vergangenen Jahr bei Hochwald gut 100 Millionen Euro investiert, der Löwenanteil ist in den Neubau des Molkereistandorts Mechernich, die Installation einer vierten Kondensmilchlinie in Thalfang sowie in den Ausbau der Kapazitäten im Werk Hünfeld investiert worden.

 Die Umsatzentwicklung bei Hochwald Foods zeigt nur leichte Bewegungen.
Die Umsatzentwicklung bei Hochwald Foods zeigt nur leichte Bewegungen. Foto: Hochwald Foods

Die Zukunft: Mit dem Neubau einer neuen Molkerei am Standort Mechernich will Hochwald bis zum kommenden Jahr das größte Investitionsprojekt in der Unternehmensgeschichte für rund 200 Millionen Euro fertigstellen (der TV berichtete). Und auch die vierte Kondensmilchlinie passt in die Expansionsstrategie für Asien und den Nahen Osten. Strategie 2020 heißt der Rahmen, in dem sich das Unternehmen diese Ziele gesetzt hat. Da passt auch die Übernahme der Almil-Gruppe aus Oberursel im Taunus, Hessen, ins Bild, mit dem sich Hochwald eine größere Milchmenge sichern will, um „eine höhere Flexibilität bei den Rohstoffströmen sicherzustellen“, wie die Molkerei mittelt. Unternehmenschef Latka sagt: „Die Pandemie hat gezeigt: Als Lebensmittelunternehmen sind wir vom Landwirt bis zur Molkerei nicht nur systemrelevant, wir sind auch verantwortlich für eine große Anzahl an Kunden und Verbrauchern.“