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Ausbildung
Junge Leute helfen jungen Leuten

Die Azubi-Botschafter der Firma Natus, Jakob Olk und Jannik Kirst (Zweiter und Dritter von links), zeigen, was sie gelernt haben.
Die Azubi-Botschafter der Firma Natus, Jakob Olk und Jannik Kirst (Zweiter und Dritter von links), zeigen, was sie gelernt haben. FOTO: Sabine Schwadorf
Trier. Mit Azubi-Botschaftern senken die Industrie- und Handelskammern die Hemmschwelle für eine duale Ausbildung. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Wer wenn nicht Gleichaltrige könnten jungen Leuten dabei helfen, den richtigen Weg in die Arbeitswelt einzuschlagen. Denn obwohl Eltern immer noch die Entscheidungshilfe Nummer eins sind und die Schulen zunehmend in der Berufsorientierung aktiv sind, sind Auszubildende heimischer Betriebe ein Aushängeschild der regionalen Wirtschaft. Ein Modell sind die Azubi-Botschafter, die die Industrie- und Handelskammern (IHK) mit ihren Mitgliedsbetrieben in die Schulen entsenden. Ein Beispiel:

Die Schule

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) in Trier ist seit Beginn 2015 mit von der Partie. Darüberhinaus gibt es neben dem monatlichen Beratungsangebot einer Berufsorientierung auch ein halbes Jahr lang die Möglichkeit eines Praxistages in der Woche, an dem die Schüler in einem Betrieb arbeiten können. „Uns gefällt an den Azubi-Botschaftern der etwas andere Ansatz, nämlich, dass junge Leute auf Augenhöhe über Berufe und die Arbeitswelt reden“, sagt Pia Zeimet, Koordinatorin der Berufs- und Studienberatung. „Einerseits wird es für die Schulen immer wichtiger, einen Fokus auf die Berufs- und Studienorientierung zu legen, andererseits ist es für die Schüler immer schwieriger, einen Überblick zu bekommen.“

Die Azubi-Botschafter besuchen alle Schulformen der Region Trier von Hauptschulklassen bis zu Gymnasien. „Bei vielen Schülern gibt es viele Fragen und Ängste, was sich hinter einem Beruf verbirgt. Diese können wir mit den Azubi-Botschaftern bearbeiten“, sagt Heike Düpre vom Geschäftsbereich Ausbildung bei der IHK Trier.

 

Die Betriebe

Als Jakob Olk und Jannik Kirst ihr Modell einer Roboteranlage anstellen und Transportbänder Holzklötze über die von ihnen konzipierte Schaltanlage befördern, sind die Neuntklässler von der IGS beeindruckt. „Das ist das Modell einer Abschlussprüfung“, sagt Jannik Kirst, der selbst im Dezember seinen Abschluss als Elektroniker für Betriebstechnik bei der Trierer Firma Natus macht. „Mir macht vor allem die Abwechslung Spaß, wir schauen in jede Abteilung, dürfen auch Werke unserer Kunden besuchen und unsere Anlagen arbeiten sehen“, sagt er. Mit seinem Azubi-Kollegen Jakob Olk schildert er, was das Unternehmen in der Ausbildung zusätzlich bietet: Grillfest, Azubi-Reise, Messe-Beteiligung und eine einjährige Anstellung im Anschluss. Auch die Stadtwerke Trier (SWT) – neben Natus Teilnehmer bei der Ausbildungsmesse „Dein Tag, Deine Chance“ (siehe Info) – präsentieren sich neben sechs weiteren Unternehmen in der IGS und mit Azubis aus fünf verschiedenen Berufen. „An meinem Beruf gefällt mir, dass ich mich mal dreckig machen kann, aber auch in der Elektronik vom Kopf her gefordert bin“, sagt Markus Hegner, Azubi im dritten Lehrjahr als KFZ-Mechatroniker. Rund 40 Betriebe hat die IHK in ihrem Azubi-Botschafter-Pool, Tendenz steigend. „Die Notwendigkeit ist da, es kommen immer mehr Firmen dazu“, sagt IHK-Expertin Heike Düpre. Der Vorteil des Projekts: „Azubis aus den Betrieben sind authentischer und bauen Hemmungen schneller ab.“

Die Schüler

Die rund 120 Schüler der neunten Klasse an der IGS in Trier können von der Berufsreife bis zum Abitur alle Schulabschlüsse machen. Folglich reichen die vorgestellten Berufe von der zweijährigen Fachkraftausbildung bis zum Bankkaufmann und dem Dualen Studium. „Ich finde toll, dass so viele Berufe vorgestellt werden und die Azubis uns die Infos geben, die wir als Schüler brauchen“, sagt Laura Götten. Von vielen Berufen habe man kaum eine Vorstellung, sagt die 14-Jährige, die selbst gern Polizistin werden möchte. Ihr Schulkamerad Raphael Brendel hat ebenfalls schon klare Vorstellungen: „Ich möchte Architekt werden. Aber der Beruf des technischen Systemplaners hat mich auch neugierig gemacht“, sagt der 14-Jährige. Schon bald wird er in die Berufswelt schnuppern, als Praktikant im Bauamt der Stadt Trier.

Berufskoordinatorin Pia Zeimet ist froh über den guten Kontakt der IGS zu den Betrieben. Auch wenn sie nicht alle Berufswege ihrer Schüler verfolgen kann: „Wir hoffen auf Erfolge. Aber klar ist: Schule wird immer stärker zum Bindeglied zwischen Elternhaus und Wirtschaft.“