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Medizin
So kann die Laboranalyse Leben retten

Karin Göbel arbeitet bei Synlab in der Labordiagnostik und überprüft den Probenverteiler.
Karin Göbel arbeitet bei Synlab in der Labordiagnostik und überprüft den Probenverteiler. FOTO: Sabine Schwadorf
Trier. Bis zu 4000 Aufträge erreichen das Trierer Unternehmen Synlab MVZ täglich: Ergebnisse im Notfall innerhalb einer Stunde.

Wer mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt ins Krankenhaus kommt, für den können schon wenige Minuten über Leben und Tod entscheiden. Damit der Arzt schnell mit der richtigen Therapie beginnen kann, ist er auf Unterstützung durch die Labordiagnostik angewiesen. Das Trierer Laboranalyse-Unternehmen Synlab MVZ ist ein solcher Spezialist und kann bereits  innerhalb einer Stunde im Falle des Herzinfarktverdachts bestimmte Troponin-Marker als Kennzeichen eines Herzinfarkts ermitteln und damit Ärzten, Patient und Angehörigen Klarheit verschaffen.

„Diese Speziallaborarbeit leisten wir im eigenen Labor im Mutterhaus in Trier“, sagt Synlab-Geschäftsführerin Elisabeth Schneider.  Und der ärztliche Leiter, Dr. Thomas Voitz, ergänzt: „In der Krankenhausmedizin ist das Labor inzwischen zu zwei Dritteln an allen Diagnosen beteiligt. Wir sind zwar nicht in der Kette das erste Glied, aber ohne uns geht es auch nicht.“ Darüber hinaus leistet das Unternehmen als Experte für Labordiagnostik und Mikrobiologie (siehe Info) solche Spezialuntersuchungen auch für die übrigen Kliniken in der Region Trier und sogar bis ins Saarland und nach Frankfurt in Hessen. „Wir arbeiten in einem Umkreis von 200 Kilometern“, sagt Schneider.

Synlab gehört am Standort Trier zu einem von Europas größten Laboranbietern. Schwerpunkt ist das Krankenhausgeschäft. Was das Trierer Labor von seinen Partner-Häusern in Deutschland abhebt, ist der Schwerpunkt Analytik und die deutschlandweit seltene Leukämie-Diagnostik. Von den etwa 120 Trierer Mitarbeitern – überwiegend Ärzte, Biologen und medizinisch-technische Assistenten – sind rund 30 im Labor des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier aktiv. Und dieses ist  24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr besetzt – eine Herausforderung für Personal und Teamleitung. „Der Stellenwert der Labordiagnostik ist hoch und wird sich tendenziell noch erhöhen“, sagt Thomas Voitz. Da eine Probe Zeit zur Untersuchung brauche, setze sich Synlab vor allem durch seine schnelle elektronische Rückübermittlung von Daten von den Konkurrenten ab.

Darüber hinaus zählt Synlab viele niedergelassene Ärzte zu seinen Kunden, teils von Beginn des Bestehens an. „Wir wurden gegründet als Labor für niedergelassene Ärzte und waren hier lange Zeit auch führend“, sagt Geschäftsführerin Schneider. Wer folglich Blut, Urin oder Stuhl in seiner Arztpraxis abgeben soll, dessen Röhrchen mit Zellen, Säuren, Hormonen und Bakterien landet in vielen Fällen bei Synlab in Trier. Bis zu 4000 Aufträge pro Tag erreichen so das Labor.

Schon mit dem Eintreffen des Proben-Röhrchens kann sein Weg mitverfolgt werden; bis zu sieben Tage werden die Daten archiviert,  bei Proben aus Kinderarztpraxen, bei bestimmten Krankheitsbildern und Krankheitsverläufen oder langfristigen Proben wie in einer Schwangerschaft und etwa bei Ausbruch von Toxoplasmose auch länger. „Wir sind in ständigem Dialog mit den Ärzten, um auch über Therapien zu sprechen“, sagt Laborarzt Voitz.

Ein auffällig häufig auftretendes Problem gerade im Klinikalltag ist das Auftreten multiresistenter Erreger. Hier heißt es noch schneller und valider zu reagieren. Neben dem ärztlichen Leiter und vier Laborärzten gibt es bei Synlab mit Ernst Kühnen auch einen Mikrobiologen, dessen Spezialgebiet Hygiene ist. „Wir haben täglich Befunde zu solchen Erregern, von daher ist Hygiene enorm wichtig, und eine Ausbreitung muss in jedem Fall verhindert werden“, sagt er.

Als neue Klientel neben den Kliniken und Arztpraxen hat das Laborunternehmen nun auch den Patienten unter die Lupe genommen: „Ob es der HIV-Test nach Aschermittwoch ist oder auch die Fahrtüchtigkeitsüberprüfung: Wir wollen uns künftig stärker als privater Dienstleister mit unseren Kompetenzen anbieten“, sagt der ärztliche Synlab-Leiter Thomas Voitz. Schon heute würden beim Hausarzt viele Leistungen als sogenannte Igel-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) angeboten, die privat gezahlt werden müssten. „Da können wir auch gleich auf den Markt treten und von Ursachen des Haarausfalls bis zur Reisemedizin unsere Kompetenzen und Analysen anbieten.“

Karin Göbel arbeitet bei Synlab in der Labordiagnostik und überprüft den Probenverteiler. Foto: Sabine Schwadorf
Karin Göbel arbeitet bei Synlab in der Labordiagnostik und überprüft den Probenverteiler. Foto: Sabine Schwadorf FOTO: Sabine Schwadorf
Alexandra Röhr, medizinisch-technische Angestellte bei Synlab, ermittelt anhand eines selbstlernenenden Computersystems über Blutbilder Zellabweichungen und kann so auch Krankheiten erkennen.
Alexandra Röhr, medizinisch-technische Angestellte bei Synlab, ermittelt anhand eines selbstlernenenden Computersystems über Blutbilder Zellabweichungen und kann so auch Krankheiten erkennen. FOTO: Sabine Schwadorf