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Persönlich Peter Gauweiler
Lieber CSU als APO

1968 ging er nicht auf die Straße, sondern in die Politik. Auch in seiner Partei galt der konservative Intellektuelle als Querdenker.

1968 ging er nicht auf die Straße, sondern in die Politik. Auch in seiner Partei galt der konservative Intellektuelle als Querdenker.

Im Jahr 1968 setzte Peter Gauweiler (68) den Linken ein "Ich nicht!" entgegen und trat in die CSU ein. Mitglied und später Vorsitzender des Rings Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) an der Uni seiner Heimatstadt München wurde er 1969. Gauweiler: "Der RCDS war für die Linken der APO das Allerletzte." Der Jura-Student empfand die aufsässigen 68er als zu mainstreamhaft. Links zu sein bedurfte es damals wenig.

Sich als junger Akademiker dagegen zu positionieren, erforderte Mut. Jahrzehnte später, als Gauweiler ein etwas randständiges Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war, besetzte der konservative Intellektuelle ebenfalls die Lebensrolle des Widerspenstigen, der schwer zu zähmen ist: gegen das Ja seiner Fraktion zum Irakkrieg, gegen den Eurorettungs-Kurs, gegen die liberalen Minnesänger der Globalisierung und Entgrenzung.

Die CSU-Legende Franz Josef Strauß förderte den jungen, gebildeten Feuerkopf mit der Begabung zum Florett- und Säbelgefecht. Rudi Dutschke hob 1974 am offenen Grab des RAF-Terroristen Holger Meins die Faust: "Holger, der Kampf geht weiter." Peter Gauweiler salutierte 1988 vor dem Sarg von Strauß still in Gebirgsjägertracht. Unter den Strauß-Nachfolgern Edmund Stoiber und Horst Seehofer blieb der zeitweilige CSU-Vize, der auch öffentlich Gutes über Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine sagt, gelitten, benutzt, ins Abseits befördert.

Man wüsste zu gerne, zu wem der Wirtschaftsanwalt, Ehemann, Vater, Goethe-Kenner und Resident am Starnberger See mehr innere Distanz wahrt: ideologisch fixierten 68ern oder politisch Korrekten unserer Zeit. REINHOLD MICHELS/FOTO: DPA

(RP)