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Tourismus
Mehr Betriebe, weniger Arbeitskräfte

In der Region Trier ist die Zahl der touristischen Betriebe im vergangenen Jahr erstmals wieder gestiegen. Allerdings fehlt den Unternehmen zunehmend das Fachpersonal.
In der Region Trier ist die Zahl der touristischen Betriebe im vergangenen Jahr erstmals wieder gestiegen. Allerdings fehlt den Unternehmen zunehmend das Fachpersonal. FOTO: dpa / Swen Pförtner
Trier. Der Tourismus in der Region Trier boomt weiterhin. Aber der Fachkräftemangel hemmt die Branche immer mehr. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Bei Annette Westermann vom Hotel Römerbrücke in Trier klingelt das Telefon derzeit Sturm. Nicht nur, dass „wir im Sommer immer ausgebucht sind“, sagt sie und freut sich darüber. Weil Personal fehle, könnten Bestellungen allerdings auch nicht abgeschickt und manche Aufgaben nur von ihr selbst übernommen werden.

70 Prozent der Tourismus-Unternehmen in der Region Trier verzeichnen derzeit einen Fachkräftemangel, belegt der neueste Branchenreport Tourismus, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier nun herausgegeben hat. „Der Tourismus in der Region läuft weiter auf Hochtouren“, sagt Anne Kathrin Morbach, Tourismusexpertin der IHK, mit Blick auf das Jahr 2017. Auch das erste Halbjahr 2018 zeige sich gut, die Stimmung in den Betrieben sei positiv. Und die Tourismusintensität, also das Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und Übernachtungen durch Gäste liege mit 12 973 weit über dem Landes- und Bundeswert (5568). Vor allem die Landkreise Bernkastel-Wittlich (22 786) und der Vulkaneifelkreis (26 213) können hier punkten.

Allerdings bringt der Personalmangel manche Betriebe an den Rand seiner Möglichkeiten. „Man muss vor allem bei Qualität und Service den Gästen etwas bieten“, sagt Westermann, die seit 14 Jahren das Hotel Römerbrücke mit 46 Zimmern führt. Und so fehle ihr stets etwa ein Viertel an Personal bei derzeit 20 Mitarbeitern. Dabei sei das Hauptproblem nicht unbedingt, dass sie gar kein Personal fände: „Hätten wir stets Arbeitszeiten zwischen 9 und 17 Uhr, könnte ich auch Personal finden. Aber abends und am Wochenende will keiner mehr arbeiten“, sagt die erfahrene Hotelwirtin, die seit mehreren Jahrzehnten in der Branche tätig ist. „Flexibilität ist nun mal das A und O im Tourismus.“

Dabei ist die Region Trier ein Anziehungsmagnet sowohl für deutsche wie für ausländische Gäste. Auch wenn die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2017 mit 6,86 Millionen mit 0,6 Prozent leicht gegenüber 2016 zurückgegangen ist, so erwirtschaftet die Tourismus-Branche im Jahr immerhin einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Und 1,9 Millionen Übernachtungen fallen allein auf ausländische Gäste, die Hälfte davon aus den Niederlanden – so viele wie nirgendwo sonst in Rheinland-Pfalz.

„Die meisten Besucher kommen aber immer noch aus Deutschland. Hierbei zählt das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle“, sagt IHK-Expertin Morbach. Von der politisch angespannten Lage in klassischen Urlaubsländern wie der Türkei oder Ägypten könne auch die Region Trier profitieren.

Zwar scheint die Marktbereinigung mit der Schließung einer Vielzahl von touristischen Betrieben inzwischen gestoppt zu sein – im vergangenen Jahr ist die Zahl der touristischen Betriebe erstmals wieder um drei Prozent auf 891 gestiegen (siehe Info) –, allerdings gibt es einen neuen Trend hin zu mehr Pensionen. „Das gibt uns den Hinweis darauf, dass viele Hoteliers ihren Betrieb für die letzten Jahre bis zur Aufgabe nur noch als Pension führen“, sagt Morbach.

Ein Phänomen, das auch Annette Westermann nicht fremd ist. „Nicht weil die Bezahlung so schlecht ist, sondern weil ich das Personal nicht finde, habe ich bereits darüber nachgedacht, das Restaurant zu schließen“, sagt sie. Doch sie habe viele Stammgäste, die häufig ihr Hotel besuchten. „Man muss immer nah am Gast sein und nie mit seiner Leistung nachlassen.“