Mit dieser Aktion wollen Köche aus der Region junge Migranten für die Gastronomie gewinnen

Berufe : Mit dieser Aktion wollen Köche aus der Region junge Migranten für die Gastronomie gewinnen

Die Macher des Projekts versuchen, junge Migranten auf dem Weg in die Arbeitswelt für die Gastronomie zu begeistern. Und nebenbei hat das Projekt auch einen wissenschaftlichen Nutzen.

Essen muss schmecken – und gesund sein. Das gefällt den Menschen.“ Mit dieser Einstellung hat Nasim Alijan, 19 Jahre alt, bereits etwas Wichtiges auf dem Weg zum Beruf des Kochs begriffen. Nasim kam vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland und möchte gern später selbst in einem Restaurant den Kochlöffel schwingen.

Er hat Glück. Denn seine Berufsvorbereitungsklasse an der Berufsschule (BBS) Ernährung und Hauswirtschaft in Trier nimmt nach zwei Jahren intensiver Sprachförderung und Berufsorientierung an einem neuen Projekt teil, bei dem die BBS, die Uni Trier, die Stadt, regionale Köche und der Verein der Köche zusammenarbeiten und jungen Migranten Jobs in der Gastronomie im wahrsten Sinne schmackhaft machen wollen.

Denn neben der regulären Berufsschule testen die 16 Teilnehmer ihre Fähigkeiten in Praktika und lernen Woche für Woche unter Anleitung von Köchen aus der Region, wie eine leckere Bolognese-Soße entsteht, wie man Fleisch säubert, Gemüse schneidet oder für die Mitschüler die Portionsgrößen richtig ausrechnet.

Professionelles Gemüseschneiden muss Ali Hussein Afghanistan erst noch üben. Aber Spaß macht ihm das unter Anleitung von Koch Simon Zick auf jeden Fall. Foto: Sabine Schwadorf

Das Ziel: Neben dem Hauptschulabschluss sollen die jungen Leute Einblick in die Berufswelt erhalten. „In der Gastronomie und der Lebensmittelbranche herrscht massiver Fachkräftemangel. Wir können hier einen Anreiz für diese Berufe geben“, sagt Simon Zick, Koch im Trierer Traditionslokal „Aom Ecken“. „Die Schüler sind sehr aufgeschlossen, und alle sind motiviert“, ergänzt sein Kollege Max Roos. Haben denn die Migranten sprachlich eine Chance in der heimischen Gastronomie? „Auf jeden Fall“, sagt Zick. Gerade in Trier sei die Branche international.

Der Trierer Koch, der selbst in der BBS-Großküche gelernt hat, zeigt Ali Hussein, wie er den Sellerie für eine Bolognese-Soße mit dem Profi-Messer schneidet. Der 18-jährige Afghane ist hoch motiviert, hat in seinem Herkunftsland als Verkäufer gearbeitet und will später eine Ausbildung zum Krankenpfleger machen. „Ich muss noch viel Deutsch lernen“, sagt er, „denn ich brauche für meinen Traumjob mittlere Reife“.

Eine hohe Hürde, ist Ali doch erst vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. „Hier lerne ich, viel zu sprechen und die deutsche Arbeitsweise kennen.“ Die komplett anders als in den Herkunftsländern der Migranten ist. Aber Amina Burhan gefällt gerade das. Die 19-jährige Syrerin macht bald ein Praktikum in einem Trierer Hotel. „Hier in der Küche können wir vieles ausprobieren, genau wie im Praktikum. Das macht viel Spaß“, sagt sie. Ihr Traumjob: Hotelfachfrau.

Die große Motivation der Migranten freut die gebeutelte Gastro-Branche: „Unser Hauptproblem ist unser schlechtes Image“, sagt Andreas Becker. Der Küchenleiter der Vereinigten Hospitien in Trier und Präsident des Vereins der Köche Deutschland mit 10 000 Kollegen sieht zwar, dass die meisten Köche vorbildlich arbeiten, ihren Mitarbeitern geregelte Arbeitszeiten und viele Karrierewege bieten: „Doch das Thema Essen ist aktuell kein Genuss. Dabei arbeiten viele Menschen in Berufen bis spät in den Abend und am Wochenende“, sagt Becker.

Er unterstützt das Projekt an der BBS. „Wir müssen in kleinen Schritten unsere Branche verändern. Dabei müssen wir wie in anderen Ländern über ein anderes Ausbildungskonzept und verkürzte Lehrwege nachdenken“, plädiert der Koch. „Ein idealer Einstieg für Migranten. Wichtig ist, dass alle Wege offenstehen.“ Auch die Forschung an der Trierer Uni zieht ihren Nutzen aus dem Projekt. „Dies ist natürlich ein soziales Projekt, bei dem junge Leute über die Freude am Kochen in die Arbeitswelt und die Gesellschaft integriert werden sollen“, sagt Professorin Anke Wegner vom Fachbereich Deutsch als Zweit- und Fremdsprache.

Die Schüler bestückten allerdings auch das BBS-Bistro mit Mittagessen, lernten Verantwortungsbewusstsein und publizierten mit Hilfe des städtischen Beirats für Migration ein Kochbuch. „Und wir als Uni betreiben Begleitforschung zur Verzahnung der Schulentwicklung in Theorie und Praxis“, sagt die Expertin. Für Michael Schönich, Abteilungsleiter Berufsvorbereitung bei der BBS, ist das Projekt gerade in der Region Trier „eine wunderbare Sache. Wir haben eine große Tourismus- und Gastronomiebranche und eine Berufsschule, die Anreiz und Berufsalltag zugleich bieten können“, sagt er.

Davon kann sich auch Nasim Alijan überzeugen, wenn er in der Uni-Mensa ins Praktikum geht – mit dem Wissen, wie welche Nahrungsmittel und Kochwerkzeuge im Deutschen heißen. „Dann ist vieles einfacher.“