Mitarbeiter aus 19 verschiedenen Länder: das Hotel Deutscher Hof in Trier

Ausbildung : Zur Ausbildung über den Atlantik

Isabelle Dohle aus Brasilien macht ihre Lehre im Hotel Deutscher Hof – mit Menschen aus 19 Ländern.

Isabelle Dohle hat Glück: Die 19-Jährige hat ihren Traumjob gefunden. Ab August macht sie eine duale Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Deutscher Hof in Trier. Das Besondere ist: Sie kommt von weit, weit her: Aus Florianópolis, einer Stadt auf der Insel Ilha de Santa Catarina vor der Küste Südbrasiliens.

„Mein Vater stammt aus Deutschland und ist vor 25 Jahren nach Brasilien ausgewandert“, erzählt Dohle in fehlerfreiem Deutsch im Gespräch mit dem TV. Während der Schulzeit war Dohle für ein Auslandsjahr in Deutschland, außerdem besucht sie einmal im Jahr ihre deutschen Großeltern, die in Düsseldorf leben.

„Die sprachliche Kompetenz ist eine der größten Herausforderungen bei Auszubildenden aus dem Ausland“, sagt Andrea Weber. Sie ist Chefin des Hotels und außerdem Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Trier. Die junge Brasilianerin ist nicht die erste Ausländerin, die im Hotel ihre Ausbildung macht: „Bei uns haben schon junge Leute aus Ungarn, Spanien, Schweden und Kroatien gelernt“, erzählt Weber. Demnächst beginnt eine Frau aus Italien ihre Ausbildung, eine Praktikantin kommt aus Südafrika nach Trier. „Für uns als Hotel ist die Internationalität besonders wichtig“, meint die Hotelchefin.

Insgesamt beschäftigt der Deutsche Hof 55 Mitarbeiter und 15 Azubis aus 19 verschiedenen Ländern. Zum Teil werden auch Deutschkurse für Mitarbeiter angeboten. Die Zahl der Auszubildenden aus dem Ausland hat laut Weber in den vergangenen Jahren zugenommen. Sie glaubt aber nicht, dass dies viel mit dem überall in Deutschland beklagten Fachkräftemangel zu tun hat: „Ich denke nicht, dass man sich beispielsweise in Südafrika viele Gedanken über den Fachkräftemangel in Deutschland macht“, sagt Weber. „Ich glaube eher, dass es die Globalisierung an sich ist, die bewirkt, dass man mehr Bewerber aus anderen Ländern bekommt.“

Isabelle Dohle wurde von ihrem Vater auf den Deutschen Hof aufmerksam gemacht, der bei einer Geschäftsreise nach Trier dort übernachtete. „Ein duales Studium oder eine duale Ausbildung zur Hotelkauffrau gibt es in Brasilien nicht“, erzählt die junge Frau. „Dort wird man an der technischen Hochschule zum Hotelier ausgebildet. Das ist vor allem viel Theorie. Mir gefällt die Ausbildung in Deutschland besser, weil sie viel mehr Praxis umfasst.“

Nach der ersten Kontaktaufnahme absolvierte sie ein zweiwöchiges Praktikum im Hotel. Danach wurde ihr ein Ausbildungsplatz zugesagt. „Besonders gut gefallen hat mir, dass ich im Praktikum überall eingesetzt wurde und viele verschiedene Arbeitsbereiche kennengelernt habe – die Arbeit in der Küche genauso wie die an der Rezeption, außerdem den Service und das Putzen“, erzählt sie. Nicht viele junge Leute aus Brasilien würden ins Ausland gehen. Die meisten wären zu arm, um einen Auslandsaufenthalt zu bezahlen. „In Deutschland ist alles viel strenger organisiert“, erzählt Dohle, auf die Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien angesprochen.

Isabelle Dohle, 19, kommt aus Brasilien und lernt im Trierer Hotel Deutscher Hof. Ihr Vater ist Deutscher und vor 25 Jahren ausgewandert. Foto: TV/David Falkner
Lucky. Foto: TV/Eltges, Stefanie

„Unsere Anforderungen an Bewerber aus dem Ausland sind dieselben wie an deutsche Bewerber auch“, sagt Andrea Weber. „Wir fordern Engagement, Motivation, Lernwillen. Und die Motivation ist bei diesen Menschen meiner Erfahrung nach nie ein Problem, aber das ist ja auch klar: Wer sich von so weit weg her hier bei uns bewirbt, ist natürlich enorm motiviert.“

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