Monzeler Weinrechtstag: Folgen des Klimawandels für Weinbau riesig.

Weinbau : Stoßgebete um Niederschlag reichen nicht

Der achte Monzeler Weinrechtstag steht im Zeichen des Klimawandels. Zentrales Thema: die Wasserversorgung.

Wahrscheinlich ist die Darstellung (noch) etwas übertrieben. Es gab Zeiten, und die sind noch nicht lange vorbei, da wussten Winzer, wann im Jahr welche Handgriffe und technischen Einsätze in den Weinbergen nötig waren.

Das hat sich geändert, und das wird in Zukunft einer gewaltigen Veränderung unterworfen sein. Die Winzerinnen und Winzer werden verstärkt auf die Natur hören und schnell auf Veränderungen reagieren müssen.

Es gibt ja immer noch Leute, die den Klimawandel leugnen oder seine Bedeutung für Menschen, Fauna und Flora herunterreden. Der Monzeler Weinrechtstag, den das Institut für Landwirtschaftsrecht der Georg-August-Universität Göttingen zum achten Mal im Moselort Osann-Monzel organisiert, beschränkt sich auf den Weinbau. Doch was für ihn gilt, gilt für die ganze Erde. Menschgemachte Emissionen, in erster Linie das Kohlenmonoxid, haben die  Welt an den Rand des Kollapses geführt. Ein Verharren im Ist-Zustand wäre schon ein Erfolg. Doch danach sieht es nicht aus.

Am Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau der Hochschule Geisenheim University wird über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Weinbau geforscht. Institutsleiter Professor Dr. Manfred Stoll gibt den mehr als 100 Teilnehmern des Weinrechtstages Einblicke in die Arbeit.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel für die Weinberge? Stoll zählt sie auf: Trockenstress, Erosion, mehr und andere Schädlinge, Probleme mit der Nährstoffversorgung. Die Winzer müssen reagieren. Ein Beispiel: Die Praxis einen Teil des Laubwerkes zu entfernen, um mehr Sonne und Luft an die Trauben heranzulassen, muss in den exponierten Lagen, zum Beispiel den Steillagen der Mosel, überdacht werden. Denn im zweiten Jahr hintereinander tritt bei Trauben vermehrt Sonnenbrand auf. Er kann zum Eintrocknen der Beeren führen. Eine Patentlösung gebe es, so Stoll,  aber nicht. Je nach Standort und Machbarkeit könne auch darüber nachgedacht werden, wie die Reben angeordnet werden: von oben nach unten, quer oder gar versetzt.

Für Stoll ist die Wasserversorgung das „zentrale Thema“. Ein Stoßgebet wie „Oh, leever Jott, jev uns Wasser, un helf uns en d’r Nut“ der Kölner Band Bläck Fööss wird nicht helfen. Hier gilt erst einmal weiter. „Ältere Reben sind besser gegen Trockenstress gewappnet, weil sie tiefer wurzeln“, sagt Stoll. Doch was ist, wenn die Temperaturen weiter steigen und der Niederschlag weniger wird? Auch hier fehlt die Patentlösung. „Die Winzer müssen flexibel reagieren. Nicht nach Schema.“ Wo es möglich ist, biete es sich an höhere stillgelegte Flächen wieder zu reaktivieren

Die künstliche Bewässerung dürfte tatsächlich zu einem zentralen Thema werden. Ansätze gebe es bereits im Raum Koblenz, sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes,  im Gespräch mit dem TV.  Dabei sei aber vor allem die Politik gefordert. „Die muss das angehen“, sagt Knebel.

Eine Möglichkeit: Regenwasser in großen Becken sammeln und bei Bedarf für die Bewässerung nutzen. Die Entnahme von Moselwasser dürfte problematisch sein. Der Einsatz von Trinkwasser könne nicht die Lösung sein. Außerdem müsse nach einer Lösung gesucht werden, wie Schäden so versichert werden können, dass die Landwirte und Winzer nicht an den Beiträgen ersticken.

Winzer und Naturschützer Theo Haart (Piesport) sieht gerade die jungen Winzer ganz gut gewappnet. Sie verfügten über ein breites Wissen, um auch extreme Bedingungen zu meistern. Die zunehmende Begrünung des Bodens der Weinberge sei ein Schritt, um Erosion schwerer zu machen und gleichzeitig Wasser zu halten. In die weitere Zukunft kann auch nicht schauen. „Aber es wird auch in vielen Jahren noch Riesling an der Mosel geben“, sagt er.

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