Nach TV-Informationen trennt sich Olaf Hornfeck nicht freiwillig von seiner Position im Vorstand der Stadtwerke Trier.

Personalie : Kampfabstimmung um Stadtwerke-Chef

Nach TV-Informationen trennt sich Olaf Hornfeck nicht freiwillig von seiner Position im Vorstand des Trierer Versorgungskonzerns.

Die Stadtwerke Trier (SWT) versorgen mehr als 500 000 Haushalte in der Großregion Trier mit Wasser und Energie. Nach 14 Jahren in der Führungsebene wird Olaf Hornfeck (53) den Konzern  2019 verlassen, sein dann auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Der Doktor der Staatswissenschaften und Diplom-Kaufmann möchte sich „beruflich neu orientieren“ – das hatten die Stadtwerke am Dienstag mitgeteilt (der TV berichtete).

Doch nach TV-Informationen ist nicht der Wunsch nach Veränderung der Grund für die Trennung, sondern eine geheime Abstimmung im Verwaltungsrat der Konzernmuttergesellschaft SWT-AÖR (Anstalt öffentlichen Rechts).

Die in diesem Gremium sitzenden Mitglieder der Trierer Stadtratsfraktionen haben demnach in einer nicht-öffentlichen Sitzung über die berufliche Zukunft von Olaf Horn­feck entschieden. Die Abstimmung um die Vertragsverlängerung des Vorstandssprechers wurde laut Darstellung des TV-Informanten zum Drama. Die Fraktionen der CDU, SPD, UBT, Grünen und Linken sind in diesem Gremium der Stadtwerke vertreten. Die Entscheidung sei erst mit der letzten Stimme gefallen – gegen Hornfeck.

„Es stand Unentschieden, und nur noch zwei Stimmzettel waren übrig“, verrät der Informant. „Zettel Nummer eins war leer, also eine Enthaltung. Nummer zwei stimmte gegen die Vertragsverlängerung.“ Damit hatten Hornfecks Gegner eine Stimme Vorsprung. Bei einer Stimmengleichheit hätte sein Vertrag verlängert werden müssen. „Aber so stand es 7 zu 6 gegen ihn“, sagt der Informant.

Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sei in diesem Gremium  stimmberechtigt. Leibe ist Aufsichtsratsvorsitzender der SWT. „Es ist natürlich nur eine Theorie“, sagt der Insider. „Aber wenn der leere Stimmzettel und damit die Enthaltung von OB Leibe gekommen sein sollte, dann hatte er es selbst in der Hand, Hornfecks Vertrag zu retten, hat es aber nicht getan.“

Olaf Hornfeck selbst ist zurzeit verreist und für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch der Konzern gibt keinen Kommentar ab. „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns zu dieser Personalentscheidung in der Öffentlichkeit nicht weiter äußern möchten“, sagt SWT-Sprecherin Anne Paris.

Die Stadt Trier hält sich ebenfalls zurück. „Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat die Pressemeldung der Stadtwerke zur Kenntnis genommen“, sagt Michael Schmitz vom Presseamt am Mittwochnachmittag. „Er ist sicher, dass die gute Zusammenarbeit mit Herrn Horn­feck auch in dessen verbleibender Zeit noch fortgesetzt wird.“ Weitere Aussagen zur Sitzung eines nicht-städtischen Gremiums „können und dürfen wir nicht machen“.

Gründe für die Abstimmung gegen Hornfeck sind zurzeit natürlich reine Spekulation. Weder der CDU-Kreisvorsitzende Max Monzel noch sein Stellvertreter Udo Köhler sind am Mittwoch für Stellungnahmen erreichbar, ebensowenig wie Petra Kewes, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat Trier, und SPD-Chef Sven Teuber. So bleibt die Information unkommentiert, es seien die CDU und die Grünen gewesen, die sich im Verwaltungsrat gegen eine Vertragsverlängerung Hornfecks ausgesprochen hätten.

Wer jedoch generell nach öffentlicher Kritik an der Energiepolitik der SWT sucht, landet schnell einen Treffer. Die Beteiligung der Stadtwerke am Gemeinschaftskohlekraftwerk Gekko im westfälischen Hamm, 2007 vom Stadtrat beschlossen und 2008 besiegelt, geriet zur Millionenpleite. Der Trierer Konzern war einer von 23 kommunalen Versorgern und steckte 12,6 Millionen Euro in das Projekt. Doch die Kosten explodierten, die Fertigstellung verzögerte sich um Jahre.

2015 stimmte der Trierer Stadtrat in einer Sondersitzung für den kompletten Ausstieg aus dem Projekt und folgte damit einer Empfehlung des SWT-Vorstands.

„Es geht um Millionen, der Verlust tut richtig weh“, sagte damals Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. „Die gebildeten 7,5 Millionen Euro an Rücklagen reichen bei weitem nicht aus.“

Kommentar: Diese Pleite hat viele Väter

Von Jörg Pistorius

Olaf Hornfeck gehört zu den Verantwortungsträgern der Beteiligungspleite am Gemeinschaftskohlekraftwerk in Hamm. Klar und eindeutig. Aber selbstverständlich ist er nicht der einzige. Zur Erinnerung: Der damalige Trierer Stadtrat hat diese Beteiligung 2007 mehrheitlich beschlossen. Die CDU, die Freien Wähler (heute UBT, damals noch UBM) und die FDP setzten die Beteiligung durch. Daran sollte sich vor allem die CDU erinnern, wenn sie im Verwaltungsrat tatsächlich geschlossen gegen eine Vertragsverlängerung von Horn­feck gestimmt haben sollte.

Die Kommunikationsstrategie der Stadtwerke über diese wichtige Personalentscheidung ist ebenso gescheitert wie das Kohlekraftwerk in Hamm. Es mag ja Standard sein, auch den dicksten Konflikt positiv darzustellen und von neuen Herausforderungen zu sprechen, selbst wenn es hinter den Kulissen noch so laut gekracht hat. Doch diese Methode ist riskant, denn je größer der Konflikt, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

j.pistorius@volksfreund.de

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