Milchwirtschaft: Neue Strategie für Werk und Milchbauern

Milchwirtschaft : Neue Strategie für Werk und Milchbauern

Grundstück gekauft, Umsatz gesteigert, Landwirte höher ausgebezahlt: Hochwald Foods zieht Bilanz für 2017.

Das Jahr 2017 wird in der nun 86-jährigen Geschichte der Genossenschaftsmolkerei Hochwald Foods wohl als eines derjenigen eingehen, in dem vor allem die Weichen für die Zukunft gestellt worden sind. Denn angesichts von immer weniger Milchbauern – allein in Rheinland-Pfalz beträgt ihre Zahl nur noch ein Zehntel von vor 20 Jahren – und gleichzeitig immer stärker schwankenden Preisen für Fett (Butter) und Eiweiß (Konsummilch) muss das Unternehmen stärker planen und gleichzeitig flexibler auf Verbraucherwünsche reagieren.

Mit einem Umsatzplus von zwölf Prozent im vergangenen Jahr auf nun 1,53 Milliarden Euro (siehe Grafik) und einem überdurchschnittlichen Milchauszahlungspreis Anfang 2018 von 33,9 Cent je Kilogramm angelieferter Milch (plus 7,8 Cent gegenüber dem Vorjahr) stehen die Weichen dafür günstig. Die Genossenschaft hat rund 4000 Mitglieder beziehungsweise Eigentümer, von denen etwa 3000 aktive Milchlieferanten sind. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag mit 48,3 Millionen Euro um 5,4 Millionen unter dem Vorjahresniveau. Allerdings schüttete die Genossenschaft laut einer Sprecherin einen weiteren, nicht genau bezifferten Millionengewinn als Milchpreis an die Mitglieder aus: „Das entspricht einer Dividende. Was bei uns erwirtschaftet wird, wird auch ausgezahlt.“

Auch in diesem Jahr rechnet die Molkerei mit einem Milchpreis über dem Bundesdurchschnitt: „Im Vergleich der ersten fünf Monate dieses Jahres liegt Hochwald über dem Bundesschnitt. Sowohl die Marktentwicklung als auch die ersten Ergebnisse aus Hochwald 2020 sind hierfür ursächlich“, sagt Detlef Latka, Vorstand der Hochwald Foods GmbH bei der Vorstellung der Geschäftsbilanz.

Hochwald 2020: Das ist die Strategie, die Genossenschaft fit zu machen und dabei rund 300 Millionen Euro in ihre Werke zu investieren. So will Hochwald im Frühjahr 2019 den Spatenstich für ein neues Werk im nordrhein-westfälischen Mechernich feiern (der TV berichtete), der Grundstückskauf dazu wurde gestern besiegelt. Dort im Werk Greenfield sollen H-Milch und Milchmischgetränke in verschiedenen Verpackungsformen und Größen produziert werden. 

Gleichzeitig entsteht mit Start 2019 am Standort der Firmenzentrale in Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich) eine vierte Produktionslinie für Dosenmilch. Dort laufen zurzeit die Bauarbeiten für den Lageranbau, während parallel dazu die Fließbänder und Abfüllstraßen im Werk installiert werden. Hintergrund dafür ist, dass Hochwald sich beim Export (Anteil 45,5 Prozent) vor allem auf den ostasiatischen Raum und China sowie die arabische Welt und Afrika konzentriert und dorthin vor allem Endverbraucherprodukte wie Kondensmilch in der Dose oder Milchmischgetränke liefert.

„Milch als hochwertiges Nahrungsmittel wird auch in Zukunft von den Verbrauchern geschätzt sein. Sicherlich in mehr Varianten als heute, aber immer unter dem Gesichtspunkt der Qualität“, ist Firmenchef Latka überzeugt. Und so wundert es kaum, dass Hochwald Foods einen Großteil seiner Produktion im Trinkmilchbereich hat. „Dort haben sich die Preise 2017 positiv entwickelt, was sich auch auf den Umsatz ausgewirkt hat“, sagt eine Unternehmenssprecherin: „Handel und Verbraucher fordern mehr Milchsorten. Wir richten unsere Technologie darauf aus, auf solche Trends wie etwa gentechnikfrei hergestellte Milch schnell reagieren zu können.“

Doch nicht nur die Verbraucher sollen von der neuen Strategie profitieren. Für die rund 3000 Milchlieferanten führt das Unternehmen Ende dieses Jahres ein Festpreismodell ein. Heißt: Landwirte können auf freiwilliger Basis zum Festpreis einen Teil ihrer Milchmenge absichern und daraus eine bessere Planung ihrer Einnahmen auch in Milchpreiskrisen erzielen. Grundlage sind die Notierungen an der Warenterminbörse. Über eine Online-Plattform soll der Milchbauer dann etwa im Dezember 2018 für das zweite Quartal 2019 seine Milch zum Festpreis absichern können. Weitere Neuerung: eine Entkoppelung von Andienpflicht und Kündigung. Demnach wird die Kündigungsfrist für Lieferanten von zwei auf ein Jahr gekürzt, so dass Milchbauern weniger lang an das Unternehmen gebunden sein müssen. Für Hochwald Foods ein Zeichen für „eine moderne Genossenschaft“, sagt Latka: „Wir entwickeln uns mit modernen Instrumenten und innovativen Ideen weiter.“

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