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Noch immer sind 1759 Lehrstellen unbesetzt. Die Nachvermittlung hat bereits begonnen.

Arbeitsmarkt : Ausbildung jetzt: Last minute in die Lehre

Auch wenn mit dem 1. August der Startschuss für das neue Ausbildungsjahr gefallen ist, so können junge Leute auch jetzt noch eine Lehrstelle finden und annehmen: Rund 1800 Stellen sind unbesetzt.

Auch jenseits des Datums 1. August und dem offiziellen Ausbildungsbeginn ist es möglich, Wochen später eine Ausbildung zu beginnen. Denn die Lage und das Angebot ist für Ausbildungswillige so gut wie noch nie. Ein Überblick:

Die Lage

„Auf dem Ausbildungsmarkt zeigt sich nach wie vor eine hohe Einstellungsbereitschaft der Unternehmen“, sagt Isabell Juchem, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Trier. Bis Juli haben die regionalen Betriebe 4123 Lehrstellen gemeldet. Das sind 116 Ausbildungsstellen mehr als im Vormonat, aber 354 weniger als zum gleichen Vorjahres-Zeitpunkt. Der Rückgang gemeldeter Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr liegt bei acht Prozent.

Aktuell sind noch 1759 Ausbildungsplätze unbesetzt. Die meisten Angebote gibt es im Bereich der Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung, etwa für Berufe der Energietechnik oder des Metallbaus, gefolgt von Berufen im kaufmännischen Bereich, dem Handel, Vertrieb oder Tourismus.

Aufseiten der Jugendlichen sind noch immer 690 unversorgt. Heribert Wilhelmi, Chef der Trierer Arbeitsagentur rät daher, Kontakt zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit Trier aufzunehmen: „Dort können der passende Ausbildungsberuf und die passende Stelle ermittelt werden.“ Und Isabell Juchem ergänzt: „Da durch die Corona-Pandemie der Einstellungsprozess vieler Betriebe ausgesetzt war, läuft derzeit die Vermittlung von Lehrstellen immer noch auf Hochtouren.“ Bis in den Herbst hinein gebe es deshalb gute Chancen, in den Traumberuf noch einsteigen zu können. „Die Jugendlichen sollten sich nicht kirre machen lassen.“

Das Handwerk

Im Handwerk liegt die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Juli um rund 100 oder elf Prozent unter der des Vorjahreszeitpunkts. Innerhalb der vergangenen vier Wochen hat sich die Situation bereits um rund zwei Prozent auf jetzt 928 oder minus neun Prozent verbessert. Damit steht die Region im Vergleich mit den anderen Kammern in Rheinland-Pfalz noch vergleichsweise gut da. Rund 600 Lehrstellen sind im Handwerk der Region noch offen.

„Wer in diesem Jahr noch in die Ausbildung starten möchte, hat gute Chancen“, sagt Carl-Ludwig Centner, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier. Er rechne weiter damit, dass es noch einige „Umschwenker“ geben werde, die in den kommenden Wochen von der Schule Richtung Ausbildung wechselten.

Gerade in den Bauhandwerken und bei Stuckateuren und Zimmerern verzeichnet die Kammer einen Zulauf. Allerdings gibt es laut Centner gerade bei einem der beliebtesten Handwerksberufe noch Steigerungsbedarf. „Dies betrifft die KFZ-Mechatroniker, vor allem die Fachrichtung Nutzfahrzeuge, aber auch Elektroniker, Anlagenmechaniker und Tischler. Auch im Bereich Kältetechnik fehlen uns Azubis“, sagt er.

Besonders hohe Rückgänge gibt es im Jahresvergleich zusätzlich bei den Friseuren (minus 72 Prozent), den Fleischern (minus 56 Prozent) und den Informationselektronikern (minus 50 Prozent). „Wir sehen gerade bei den Friseuren die Corona-Pandemie verantwortlich, die es den Friseuren nahezu unmöglich macht, mit mehr als mit einer Fachkraft am Kunden arbeiten zu dürfen“, sagt der HWK-Geschäftsführer.

Ausbildungsvermittlerin Petra Kollmann verweist darauf, dass die Handwerkskammer Lehrstellensuchende dabei unterstütze, unter den 65 Handwerksberufen in der Region den passenden zu finden. „Der Zug für eine Handwerkslehre ist noch nicht abgefahren. Ein Einstieg ist auch später noch möglich, etwa zum 1. September oder 1. Oktober. Für eine gute Ausbildung im Handwerk ist es nie zu spät“, sagt sie.

Industrie, Handel und Dienstleistung

Zum 1. August 2020 haben im Ausbildungsbereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier 1373 junge Menschen eine Ausbildung begonnen. 2019 waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 1567 Neuverträge. Das entspricht einem Rückgang von 12,4 Prozent. Besonders schwach waren die Lockdown-Monate März und April mit einem Minus von bis zu 18 Prozent. „Seit Mai haben sich die Neuabschlüsse wieder etwas stabilisiert“, sagt IHK-Geschäftsführer Ausbildung Ulrich Schneider. Interessant würden die kommenden drei Monate werden. „Wir versuchen die aktuelle Lücke bis zum Jahresende zu verkleinern“, sagt er zum Auftakt der Nachvermittlungsphase.

Von den Rückgängen sind das Gastgewerbe, der Handel und die Baubranche besonders betroffen. Der Rückgang im Handel bezieht sich vor allem auf den Beruf „Kaufmann im Groß- und Außenhandelsmanagement“.

Schneider sieht in der ausgefallenen Berufsorientierung in den Schulen und den fehlenden Ausbildungsmessen mit vormals mehreren Hundert Teilnehmern die Hauptgründe für die Rückgänge. „Bei Schülern und auch Eltern herrscht eine große Unsicherheit. Schüler verbleiben im sogenannten Übergangsbereich, wiederholen teilweise Klassen freiwillig, um länger im schulischen System bleiben zu können oder ziehen doch das Studium vor, obwohl das nicht ihre erste Wahl gewesen ist“, ist der IHK-Geschäftsführer überzeugt.

Während viele Schüler und Eltern nicht wüssten, dass es noch freie Ausbildungsstellen gebe und dass eine Ausbildung auch nach dem 1. August begonnen werden könne, bliebe die Fachkräftesicherung „eine der größten Herausforderungen für Betriebe – auch nach Corona. Eine Umfrage unter den Ausbildungsbetrieben hat ergeben, dass nur wenige Ausbildungsplätze wegen der Corona-Pandemie weggefallen sind. Es gibt also weiterhin ein Überangebot.“

Die Nachvermittlungsphase

Weil die Corona-Pandemie den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt durcheinandergewirbelt hat, haben sich die Agentur für Arbeit und die Kammern nun vor allem für eine digitale Nachvermittlung entschieden. Die Agentur für Arbeit Trier hat die Info- und Ausbildungsmesse „Future – Blick in deine Zukunft geht online!“ am 8. Oktober als virtuelle Ausbildungsmesse für die Region Trier konzipiert. Die Arbeitgeber profitieren dabei vom kostenlosen Messeauftritt auf der Plattform, die Jugendlichen können unkompliziert mit den Betrieben ins Gespräch zu kommen.

Unter dem Dach der Initiative Region Trier betonen IHK, HWK und Agentur für Arbeit Trier das Ausbildungsengagement und versuchen, mit der Kampagne „Ausbildung kennt keine Auszeit“ alle, die an der Suche nach Ausbildungsplätzen beteiligt sind, zusammenzubringen. In der dritten Phase vom 1. September an werden online über eine App Unternehmen und Ausbildungsplatzsuchende virtuell zusammengebracht. Den Abschluss dieser Phase bietet der „Matching-Day“ am 2. Oktober. Für diesen Tag können Kurz-Bewerbungsgespräche per Video- Chat vereinbart werden.

Weitere Infos:

www.future-ausbildung.de

 https://t1p.de/wh6p

 www.ihk-lehrstellenboerse.de;

www.ausbildung-trier.jetzt