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Online Arbeit vermitteln: So funktioniert's bei der Arbeitsagentur Trier.

Arbeitsmarkt : Vom Sofa aus bequem zum neuen Job

Arbeitsvermittlung ohne Kontakt? Geht das? Ja, zeigt die Arbeitsagentur Trier. Denn in Corona-Zeiten sind die Kontakte eingeschränkt. Neue Wege online zeigen, dass manches gar nicht schlechter sein muss, sondern sogar für beide Seiten angenehm sein kann.

Als Jeff Doemer kurz vor Ende seines Rechtsreferendariats in diesem Herbst steht, weiß er: „Wenn ich nicht gleich im Anschluss an das zweite Staatsexamen einen Job habe, muss ich mich zum 1. Dezember arbeitslos melden“, sagt der Jurastudent. Denn der 29-Jährige weiß auch: „Jeder träumt davon, dass man gleich am Tag nach der mündlichen Prüfung in seinen ersten Job starten kann. Das sind aber selbst für Akademiker wohl eher Idealvorstellungen.“

Also schreibt er Bewerbungen und meldet sich parallel arbeitssuchend bei der Arbeitsagentur Trier, zunächst online über die Internetseite der Behörde (siehe Info). „Ich war ganz erstaunt. Erstens konnte ich alle Online-Formulare einfach und ohne Schwierigkeiten ausfüllen. Zweitens hatte ich einen Tag nach dem Online-Ausfüllen bereits einen Anruf, wie es für mich weitergehen könnte“, erzählt Doemer. „Und dann haben wir eine Online-Beratung per Video vereinbart.“

„Wir“, dazu gehört in der Beratung mit dem jungen Mann Arbeitsvermittler Andreas Boneberg von der Agentur für Arbeit in Trier. Schon vor der Corona-Krise hat die Behörde auf freiwilliger Basis das Beratungsangebot auf Video angeboten. „Wir sind ein Flächenbezirk von Gerolstein bis Saarburg. Da spielt es schon eine Rolle, ob man einen Termin ansetzen und zum Berater nach Trier fahren muss“, sagt Boneberg, der seit 3,5 Jahren in dieser Funktion tätig ist und auch als stellvertretender Teamleiter der Arbeitsvermittler agiert. Allein die Zeitersparnis spiele eine wichtige Rolle – sowohl für die Arbeitssuchenden wie für den Vermittler.

Zweitens kann laut Boneberg per Video oft viel schneller ein Kontakt ermöglicht werden. „Per Video ist zwar der Kontakt innerhalb eines Raumes weg. Aber der Kontakt ist dennoch persönlicher als nur per Telefon oder Mail. So können wir für die Arbeitssuchenden frühzeitig die Weichen für eine Jobberatung stellen“, weiß Boneberg. „Man kennt sich dann besser.“

Für Jeff Doemer ist die Video-Beratung mit der Arbeitsagentur „ein Glücksfall. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen Wochen das Bedürfnis, persönlich in die Arbeitsagentur gehen zu müssen“, sagt er. „Zwar würde ich nun, nach einigen Gesprächen, gern mal einen Kaffee mit Herrn Boneberg trinken wollen. Aber nur, weil er mir so gut geholfen und mich optimal beraten hat und nicht, weil mir der direkte Kontakt fehlt“, scherzt der Agentur-Kunde. Er habe über die E-Services der Arbeitsagentur zudem Zeit und Papier gespart, weil der Dokumente nicht erst ausdrucken und zur Behörde habe bringen müssen. Selbst als Einwohner Triers hätte ihn das sonst Zeit und Geld gekostet. Aber dank einer guten Beschreibung und Anleitung per Internet habe er alle Dokumente leicht hochladen können.

Für Vermittler Andreas Boneberg steht vor allem auch aktuell während der Corona-Krise das Anliegen im Vordergrund, so schnell wie möglich Fragen zu beantworten. Selbst wenn der Kunde die deutsche Sprache nicht so gut beherrsche, „finden wir dafür eine Lösung. Ich habe auch schon auf Englisch beraten. Ich könnte sogar online über eine Hotline einen Dolmetscher zuschalten“, erklärt der Arbeitsvermittler und verweist auf die verschiedenen Agentur-Angebote als Online-Lotse bei der Arbeitsvermittlung sowie der Berufsberatung für junge Leute und der Reha-Antragsbearbeitung.

Lediglich technische Ängste bei den Kunden sieht Boneberg als Hürde für die Kunden, nicht auf eine Online-Beratung zurückzugreifen. „Manche Kunden trauen sich die Online-Beratung nicht zu. Aber man merkt spätestens beim zweiten Versuch, dass die Ängste unbegründet sind“, sagt Boneberg. „Natürlich wäre es mir auch lieber, jeden Kunden einmal live zu sehen. Aber die Angebote sind sehr niedrigschwellig.“ Und falls der Beratungsbedarf doch größer ist, so ist auch ein persönlicher Kontakt weiterhin nicht ausgeschlossen.

Und wie geht es nun für Jeff Doemer weiter? Inzwischen hat der 29-Jährige sein zweites Staatsexamen abgelegt und einige Bewerbungen geschrieben. Doemer weiß: „Ich bin realistisch und muss erst mal Erfahrung sammeln. Da bin ich auch offen, möchte aber umgekehrt auch erfahrene Kollegen an meiner Seite haben, die mir etwas beibringen können“, sagt der frischgebackene Volljurist.

„Er hat gute Chancen, schon bald eine Stelle zu bekommen“, ist Vermittler Boneberg überzeugt. Außerdem steht Doemer ein Bildungsgutschein offen, mit dem er sich zum Fachanwalt für Versicherungsrecht weiterqualifizieren kann. „Damit kann er seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt weiter verbessern.“