"Projekt Ich" startet: An 72 Schulen der Region wird die Berufsberatung ausgeweitet.

Arbeitsmarkt : Hürden vor der Berufswahl abbauen

Mit diesem Schuljahr startet deutschlandweit das „Projekt Ich – Lebensbegleitende Berufsberatung“. In 72 Schulen der Region berät die Arbeitsagentur nur früher, regelmäßiger und intensiver zur Arbeitswelt.

Für viele Schüler taucht mit Beginn des neuen Schuljahres in dieser Woche auch die Frage nach der beruflichen Orientierung auf. Was will ich einmal werden? Wo möchte ich arbeiten? Wozu bin ich geeignet? Was sind meine Stärken und Schwächen? Was bislang vor allem zum – verpflichtenden – Thema in den Abschlussklassen der einzelnen Schulen geworden ist, wird mit diesem Schuljahr auch auf alle Vorvor-Abgangsklassen der allgemeinbildenden Regelschulen und Gymnasien sowie gymnasialen Oberstufen der Gesamtschulen ausgeweitet. „Projekt Ich – Lebensbegleitende Berufsberatung“ nennt sich die Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf die veränderten Bedingungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Wo Menschen immer länger arbeiten, viele Prozesse zunehmend digital ablaufen, es immer individuellere Antworten braucht und es gleichzeitig immer komplizierter wird, mithalten zu können, da will auch die Berufsberatung ansetzen. „Wir wollen auf alle Fragen der Berufsberatung und Berufsorientierung eine Antwort geben – früher, schneller und neutral“, fasst Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur in Trier, das „Projekt Ich“ zusammen. „Wir stellen nämlich fest, dass wir mit unserer Berufsberatung häufig zu spät dran sind.“

Die Fakten: Seit zehn Jahren überstiegt im Agenturbezirk Trier die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen die der gemeldeten Bewerber. Und die Lage spitzt sich weiter zu. Aktuell gibt es noch 1800 offene Ausbildungsstellen in der Region Trier. Gleichzeitig haben knapp 70 Prozent aller Arbeitslosen unter 26 Jahren in der Region keinen abgeschlossenen Berufsabschluss.

Hier früher anzusetzen und einen nahtloseren Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu vollziehen, ist Kern der neuen Berufsberatung. „Dazu wollen wir auch deutlich präsenter in den Schulen sein“, erklärt Wilhelmi. So wird das Berufsberater-Team von 27 Mitarbeitern (plus drei Stellen) in der Region Trier an allen 72 allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen nicht nur feste Sprechzeiten in festen Büros oder Schulräumen anbieten, sondern auch dauerhafte Zuständigkeiten festlegen nach dem Motto: Hinein in die Schule. „Unsere Berater werden also nicht nur früher, sondern auch intensiver und konstanter beraten. Dazu wurden mit allen Schulträgern und Schulleitern Info-Veranstaltungen gemacht“, sagt der Agenturchef, der das Angebot bis 2021 auf alle Schularten wie Berufsschulen und Hochschulen ausbauen will.

„Der Inhalt und was wir tun, hat sich nicht geändert. Aber wir können regelmäßig bis zur Schulentlassung beraten und den Jugendlichen Hilfe zur Selbsthilfe geben“, sagt Wilhelmi. So sieht er die Beratung dazu geeignet, etwa Mädchen stärker zu Mintberufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) hinzuführen und die Jugendlichen statt der ewigen Top-Ten-Berufe die Breite der Berufswelt aufzuzeigen. So könnten Barrieren abgebaut und ein leichterer Zugang ohne Angst zur Berufsberatung und der Arbeitswelt geschaffen werden.

Denn wer eine Entscheidung für die Berufswelt in dem Wissen trifft, dass es das richtige Ausbildungs- und Arbeitsverhältnis ist, ist für die Zukunft besser abgesichert. „Das garentiert uns einerseits weniger Berufs- und Studienabbrecher. Andererseits können wir dem Fachkräftemangel dadurch langfristig entgegenwirken“, sagt der Trierer Agenturchef.

Denn das Angebot betrifft nicht nur die Schüler, sondern auch ihre Eltern. Zunächst in der Funktion als Stütze für ihre Kinder: „Viele Handwerksberufe sind heute Hightech-Berufe. Der Wandel in der Arbeitswelt ist für viele Eltern vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erkenntnisse nicht nachzuvollziehen“, weiß der Trierer Agenturchef. das Wissen der Eltern sei nicht immer „up to date“.

Andererseits soll das „Projekt Ich – Lebensbegleitende Berufsberatung“ später auch auf die Phase im Erwerbsleben der Menschen ausgeweitet werden. „Viele äußere Faktoren haben dazu geführt, dass wir uns auch als Agentur verändern müssen“, erklärt Heribert Wilhelmi. Ob häufige Arbeitsplatzwechsel, berufliche Neuorientierung, betriebliche Veränderungen oder ein neue Berufsbild: „Lebenslanges Lernen wir einen immer höheren Stellen wert im Berufsleben einnehmen“, sagt er. Deshalb sei es wichtig, das gesamte Berufsleben in den Blick zu nehmen. Und hier zähle bereits der Anfang. „Schon den Schülern wollen wir mit den auf den Weg geben, sich über Online-Tests zu prüfen und Stärken zu entwickeln für das gesamte Arbeitsleben. Und wir lotsen Euch dabei.“

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