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Prüfungen für Azubis werden verschoben: Was bedeutet das?

Ausbildung : IHK verschiebt Prüfungen für Azubis

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) verschieben die für April und Mai geplanten schriftlichen Azubi-Abschlussprüfungen in den Sommer 2020. Hiervon sind bundesweit rund 210 000 Auszubildende betroffen.

Bis einschließlich Mai finden auch keine IHK-Weiterbildungsprüfungen statt. Diese werden zwischen Juni und August nachgeholt. Darauf haben sich die zuständigen IHK-Gremien verständigt. Was bedeutet das für die Auszubildenden in der Region. TV-Redakteur Heribert Waschbüsch sprach mit Ulrich Schneider, IHK-Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung.


Gibt es schon Termine, um die Prüfungen nachzuholen?
Schneider: Nachholtermine werden für alle Prüfungen angeboten, deren Ergebnisse in die Note der Abschlusszeugnisse einfließen. Für die ausgefallenen Zwischenprüfungen im Frühjahr werden somit keine neuen Prüfungstermine angesetzt. Die Zwischenprüfungen dienen im wesentlichen der Feststellung des aktuellen Ausbildungsstandes und müssen zur Entlastung der Prüfungsausschüsse ausfallen. Denn diese müssen jetzt in kürzerer Zeit deutlich mehr Abschlussprüfungen bearbeiten. Alle Abschlussprüfungen, Teil1 oder Teil 2, werden nachgeholt.

Wie viele junge Menschen sind davon betroffen und in wie vielen Ausbildungsberufen?

Schneider: Im Bereich der IHK sind über 3000 Prüflinge in ca. 140 Berufen von den Absagen und Verschiebungen der Zwischen- und Abschlussprüfungen betroffen. Davon sind etwa 1500 Prüflinge von der Verschiebung der schriftlichen Abschlussprüfung betroffen.

Bleiben die Azubis im Unternehmen angestellt, wirkt der Arbeitsvertrag weiter?

Schneider: Ausbildungsverhältnisse haben grundsätzlich einen höheren Kündigungsschutz als normale Arbeitsverhältnisse. Der Ausbildungsvertrag läuft weiter, solange der Ausbildungsbetrieb weiter besteht. Ist die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Ausbildungszeit abgelaufen, kann der Vertag auf Verlangen der Auszubildenden bis zur nächsten Prüfung verlängert werden. Nur in Fällen, in denen der Ausbildungsvertrag bereits um ein Jahr verlängert wurde, besteht kein weiterer Anspruch auf Verlängerung.

Wie werden die Azubis bezahlt? Schneider: Wenn ein Azubi zu Hause ist, weil der Betrieb geschlossen ist und dadurch die Ausbildung nicht fortgesetzt werden kann und er sich weiterhin für die Berufsausbildung bereithält, ist die Vergütung bis zur Dauer von sechs Wochen weiter zu zahlen (§19 BBiG 1 Abs. 2).


Was, wenn ein Betrieb insgesamt Kurzarbeit angemeldet hat? Welche Zahlungen bekommen Azubis und wie lange?

Schneider: Ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld für Auszubildende ist grundsätzlich möglich. Allerdings sollte im Betrieb alles Zumutbare versucht werden, um die Ausbildung fortzusetzen. Ist dennoch die Kurzarbeit für Auszubildende unvermeidbar, hat der Auszubildende zunächst für die Dauer von 6 Wochen Anspruch auf Fortzahlung der Vergütung (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG - Berufsbildungsgesetz ). Im Anschluss daran kann Kurzarbeitergeld gezahlt werden.

Gibt es seitens der IHK Angebote und Programme, damit sich Azubis in der vielleicht „freien“ Zeit auf die Prüfung vorzubereiten?
Schneider: Der Berufsschulstoff wird von den Lehrkräften weiter vermittelt. Dazu treten sie mit den Auszubildenden und gegebenenfalls Ausbildungsbetrieben beispielsweise per Mail, per Telefon, per Post und in anderer Form, die für die Auszubildenden geeignet ist, in Kontakt. Insbesondere werden Lernplattformen für die Bereitstellung von Lernaufgaben und Lernmaterialien genutzt.

Darüber hinaus ist jeder Einzelfall zu betrachten. Die IHK Trier berät über die Corona-Telefon Hotline Betrieb, Azubi und Berufsschule über individuelle Möglichkeiten zur Umsetzung der Ausbildungsinhalte sowie zur Vorbereitung auf die anstehenden Prüfungstermine. Ebenso wird auf Hilfestellungen zum Einsatz von digitalen Lernplattformen hingewiesen.


Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten oder muss gar Insolvenz gehen, was passiert dann mit den Azubis?

Schneider: Muss ein Betrieb komplett schließen, verpflichtet sich der Ausbildende mit Hilfe der Berufsberatung des zuständigen Arbeitsamtes rechtzeitig um eine weitere Ausbildung im bisherigen Ausbildungsberuf in einer geeigneten Ausbildungsstätte zu bemühen (§8 Abs. 6 Berufsausbildungsvertrag). Hierbei unterstützt aber auch die IHK Trier durch die passgenaue Ausbildungsplatzvermittlung.

Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens alleine stellt noch keinen Kündigungsgrund dar. Dazu bedarf es der tatsächlichen Betriebsstilllegung. Eine solche Kündigung kann fristlos erfolgen.