Schwimmbad, App und Sport-Tipps: Wie Betriebe sich fit fürs Gesundheitsmanagement machen.

Unternehmen : Es geht um mehr als die Wurst

Mitarbeiter dauerhaft halten und neue gewinnen: Betriebliches Gesundheitsmanagement kann dazu beitragen. Gute Beispiele aus der Region sind gefragt, um den ersten Gesundheitspreis der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg zu gewinnen.

Wenn Heike Meisenburg nach Feierabend aufs Laufband geht oder einige Runden im Becken schwimmt, dann tut sie das nicht, weil ihre Krankenkasse ihr das finanziert oder ihr das Fitnessstudio so gut gefällt. Die Mitarbeiterin ist sportlich aktiv, weil ihr Chef Peter Klassen ihr und den anderen gut 20 Mitarbeitern seines Betriebs diese Möglichkeit dazu bietet.

Denn der Metzgermeister aus Temmels hat für seine Angestellte mehr übrig als den reinen Lohn. „Für uns ist es wichtig, unsere Mitarbeiter mehr als 20 Jahre zu halten. Und da gibt es immer mal Höhen und Tiefen – auch gesundheitlich“, sagt der 57-Jährige. „Und wenn der Fitnessraum und das Schwimmbad den Menschen helfen, wieder auf die Beine zu kommen, dann hat sich das für beide Seiten gelohnt.“

Das, was Peter Klassen für selbstverständlich hält, nämlich Beschäftigte nicht nur als reines Produktionsfaktoren zu verstehen, kommt unter dem Begriff „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM) in immer mehr Unternehmen an. Ob das nun ein Schwimmbad sein muss oder ob eine gemeinsame Wanderung für mehr Energie ausreicht, muss jeder Chef selbst – auch nach Größe seines Betriebes – entscheiden. „Hauptsache, man tut etwas“, ist Klassen überzeugt. Gerade im Handwerk, wo viele Betriebe in der Region um jede Fachkraft ringen und die Abwanderungstendenzen ins benachbarte Luxemburg besonders groß seien.

„Wir sehen in diesem Bereich großen Nachholbedarf“, sagt Professor Jörg Loth, Vorstand der Krankenkasse IKK Südwest. So hätten sich laut aktuellen Studien erst 15 Prozent der Betriebe in Deutschland mit dem Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement beschäftigt. „Ob Bewegung, Ernährung, psychische Belastungen oder Suchtfragen: Selbst in Betrieben mit drei Mitarbeitern lassen sich individuelle Lösungen für jeden finden“, ist der Dozent der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken überzeugt.

Und so hat die IKK Südwest gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg für ihre 1100 Betriebe einen Gesundheitspreis ausgelobt, der das BGM bei Chefs und Mitarbeitern voranbringen möchte. „Für uns zählt nicht die Höhe der Investition, sondern die Idee“, sagt Bärbel Schädlich, Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg. Dabei gehe es auch darum, sich als attraktiver Arbeitgeber in der Region in Szene zu setzen und damit von anderen abzuheben. Denn junge Menschen könnten sich zunehmend aussuchen, wo und unter welchen Bedingungen sie arbeiten wollten. Und dazu gehöre auch eine gesunde Arbeitsatmosphäre.

Das weiß auch das Saarburger Unternehmen Autohaus Werner. Denn die gut 40 Mitarbeiter müssen nicht nur technisch fit sein, was ihre Autos und Dienstleistungen angeht, sondern auch gesundheitlich. Der Chef Heiner Behr hat deshalb für die Mitarbeiter über die Firma Comotion eine eigene Gesundheits-App installieren lassen. Über den Gewinner des saarländischen Gesundheitspreises gibt es dann Ernährungs- und Bewegungstipps für zu Hause – und das Büro. Zusätzlich werden die Mitarbeiter durch einen Physiotherapeuten, eine Ergonomieberatung und Gesundheitsworkshops geschult. Denn das Ziel von Heiner Behr ist klar: den Krankenstand zu reduzieren, dauerhaft Mitarbeiter zu halten und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Im Autohaus Werner in Saarburg gibt es für Mitarbeiter eine Gesundheits-App: Überzeugt davon haben sich Georg Becker (IKK Südwest), Bärbel Schädlich (Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg), Jörg Loth (IKK Südwest), Heiner Behr (Autohaus Werner) und Gesundheitsberater Florian Liebscher (von links). Foto: IKK Südwest

Dass ein gutes Betriebsklima und ein BGM ein Wettbewerbsvorteil sein kann, das hat Heike Meisenburg bereits erlebt. „Am Anfang dachten wir schon, dass der Chef etwas verrückt ist, ein Schwimmbad zu bauen“, sagt die Metzgerei-Mitarbeiterin. Mittlerweile seien die Freunde ein wenig neidisch, gesteht sie. Denn jeder Beschäftigte hat einen Schlüssel zum Sportbereich, der Eintritt ist jederzeit, auch am Wochenende oder im Krankheitsfall möglich. „Es tut gut, sich nach der Arbeit noch mal auszupowern, und das Arbeitsklima profitiert davon.“

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