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So beantragen Alleinerziehende den Entlastungsbetrag.

Steuer : Entlastung für Alleinerziehende

Steuerzahlung reduziert sich dank neuer Regelung.

() In Deutschland gibt es knapp zwei Millionen Mütter und Väter, die ihre Kinder allein ohne Partner erziehen. Da oft nur in Teilzeit gearbeitet werden kann, ist das zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen in der Regel überschaubar. Um die Alleinerziehenden bei ihrer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe zu unterstützen, wurde der Entlastungsbetrag eingeführt.

Verheiratete profitieren bei der Steuer vom Splittingtarif, aus dem sich bei unterschiedlichen Einkommenshöhen ein erheblicher Steuervorteil ergibt. Um einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen, wurde für Alleinerziehende die Steuerklasse II eingeführt. Darüber hinaus gibt es den sogenannten Entlastungsbetrag, der auf Grund des höheren Betreuungsaufwands durch die Corona-Krise von regulär 1908 Euro bis Ende 2021 auf 4008 Euro pro Kalenderjahr erhöht wird. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Betrag um 240 Euro. „Dabei handelt es sich um einen Steuerfreibetrag, der die betreffende Steuerlast reduziert“, erklärt Walter Sesterhenn, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz. „Allerdings wird er nicht automatisch berücksichtigt. Er muss aktiv beantragt werden.“

Dabei wird der Entlastungsbetrag nur dem Elternteil gewährt, bei dem das Kind lebt, gemeldet ist und der das Kindergeld erhält. Bei mehreren Kindern können beide Elternteile den Entlastungsbetrag in Anspruch nehmen, wenn sie sich abwechselnd um die Kinder kümmern. Dafür muss der Nachwuchs bei beiden Eltern gemeldet sein und jeder muss für ein Kind Kindergeld bekommen, bzw. vom Kinderfreibetrag profitieren. „Übrigens kann der Entlastungsbetrag auch über das 18. Lebensjahr hinaus in Anspruch genommen werden“, sagt Sesterhenn. „Dazu muss der Nachwuchs aber noch zu Hause wohnen und sich in einer Ausbildung befinden.“

Um in den Genuss des Entlastungsbetrags zu kommen, müssen neben dem Wohnsitz des Kindes und dem Anspruch auf Kindergeld noch zwei weitere Voraussetzungen erfüllt werden: Der Splittingtarif darf nicht mehr zum Tragen kommen, es sei denn, der Ehepartner ist verstorben. Und es darf keine Haushaltsgemeinschaft mit einer weiteren volljährigen Person vorliegen. Das gilt auch dann, wenn es sich dabei um die beste Freundin handelt. Ausnahmen werden nicht erteilt. So verweigert das Finanzamt den Entlastungsbetrag auch, wenn mehrere Alleinerziehende mit ihren Kindern eine Wohngemeinschaft bilden. Selbst dann, wenn jedes Elternteil für die Erziehung seines Kindes allein verantwortlich ist. Nach Ansicht der Finanzbehörde bringt eine Wohngemeinschaft wirtschaftliche Vorteile, die dem Sinn des Entlastungsbetrags entgegenstehen. Deshalb verwirken Alleinerziehende ebenso den Anspruch auf den Entlastungsbetrag, wenn sie wieder bei ihren Eltern einziehen.

Verändern sich die Lebensumstände, muss das dem Finanzamt unbedingt mitgeteilt werden. Etwa wenn die oder der Alleinerziehende einen neuen Partner hat und mit ihm zusammenzieht. Der Entlastungsbetrag fällt mit dem Monat weg, in dem beide zusammenziehen. Jeder volle Kalendermonat, in dem alle Voraussetzungen erfüllt sind, wird dann zu einem Zwölftel (= 334 Euro bis 2021, danach 159 Euro) gewährt.

„Für den Entlastungsbetrag wird die Steueridentifikationsnummer des Kindes benötigt. Sie wurde nach der Geburt des Kindes ausgestellt und zugesandt“, führt Sesterhenn aus. „Wenn diese nicht mehr auffindbar ist, kann sie bei der Finanzbehörde neu angefordert werden.“ Das entsprechende Lohnsteuerabzugsmerkmal wird dem Arbeitgeber durch das Finanzamt mitgeteilt, so dass sich die monatlichen Nettoverdienste der Alleinerziehenden erhöhen. Der Entlastungsbetrag kann aber auch in der Anlage Kind der Einkommensteuererklärung rückwirkend für das vergangene Steuerjahr beantragt werden. Daraus ergibt sich dann entsprechend eine Steuerrückzahlung.