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Steuererklärung 2017: Das ändert sich

Finanzen : Steuererklärung 2017: Das ändert sich

Schwerpunkt Steuern: Für Verbraucher und Unternehmen gibt es 2017 einige Änderungen.

Beim Finanzamt Trier kommen jährlich rund 110 000 Einkommensteuererklärungen an. Eine Mammutaufgabe, diese zu erfassen und zu prüfen. Darüberhinaus sind auch rund 8000 Steuerbürger erfasst, die entweder aktuelle Grenzgänger in Luxemburg sind,  die nun Rentner sind oder die aus Eigentum, Mieten oder Lebensversicherungen Einkommen aus dem Großherzogtum erhalten. Wichtig ist es daher für alle Steuerbürger, sich über die wichtigsten Änderungen zum Jahr 2018 zu informieren.

„Auch wenn die meisten Arbeitnehmer nicht verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, sichern sich viele eine Steuererstattung“, teilt die Landessteuerbehörde mit. Spätestens vier Jahre nach Ende des Kalenderjahres ist Ende der Abgabefrist. Die Erklärung für 2014 muss also bis 31. Dezember beim Finanzamt sein. Laut Landesamt bekommen immerhin 90 Prozent aller Rheinland-Pfälzer eine Steuererstattung, der Durchschnitt liegt bei rund 900 Euro.

Erhöhung von Grundfreibetrag und Abzugsbeträgen bei Unterhalt

Der Grundfreibetrag stieg 2017 um 168 Euro auf 8820 Euro (für zusammen veranlagte Paare 17 640 Euro). Parallel dazu wurde auch der Höchstbetrag für den Abzug von Unterhaltsleistungen für bedürftige Personen in gleicher Höhe angehoben. Zusätzlich dazu können Beiträge zur Krankenversicherung und gesetzlichen Pflegeversicherung, die übernommen wurden, abgezogen werden.

Abbau der „kalten Progression“

Zum Abbau der sogenannten Kalten Progression wurden die Grenzwerte des progressiven Steuertarifs in 2017 um 0,73 Prozant analog zur geschätzten Inflationsrate 2016 erhöht. Dies wirkt sich für jeden Bürger steuerentlastend aus, teilt das Landesamt für Steuern mit. Von Kalter Progression spricht man immer dann, wenn trotz einer Lohnerhöhung nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben das Nettogehalt sinkt.

Erhöhung der Kinderfreibeträge und des Kindergeldes

Auch der Kinderfreibetrag wurde angehoben – auf 2358 Euro für ein Elternteil/4716 Euro für ein Elternpaar. Das Kindergeld wurde ab Januar 2017 um monatlich 2 Euro auf 192 Euro für das erste und zweite Kind, auf 198 Euro für das dritte Kind und auf 223 Euro ab dem vierten Kind angehoben. „Ob der Anspruch auf Kindergeld oder der Abzug der Freibeträge im Einzelfall günstiger ist, wird vom Finanzamt geprüft“, teilt das Landesamt für Steuern mit. Das jeweils günstigere Modell werde automatisch vom Finanzamt berücksichtigt. Unabhängig von dieser Günstigerprüfung würden die erhöhten Kinderfreibeträge stets bei der Berechnung des Solidaritätszuschlags sowie der Kirchensteuer berücksichtigt.

Haushaltnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen

Weiterhin können Handwerkerleistungen im eigenen Haushalt oder die Wartung der Heizungsanlage in der Steuererklärung angegeben werden. Begünstigt sind stets nur Lohnkosten, einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten. Gefördert werden 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens 1200 Euro. Außerdem muss eine Rechnung vorliegen und die Zahlung auf ein Konto des Handwerkers oder Dienstleisters erfolgen. Der Betrag wird direkt von der Einkommensteuer abgezogen.

Ähnliches gilt für haushaltsnahe Dienstleistungen, einschließlich Pflege- und Betreuungsleistungen. Hier gilt eine gesonderte jährliche Höchstgrenze von 4000 Euro für den steuerlichen Abzug. Für die Beschäftigung von Minijobbern im Privathaushalt wie die Putzhilfe können ebenfalls 20 Prozent der Zahlungen steuermindernd berücksichtigt werden, die Höchstgrenze beträgt 510 Euro.

Altersvorsorge und Rentenbesteuerung

Für 2017 können Steuerzahler erneut mehr Ausgaben fürs Alter als Sonderausgaben geltend machen: Maximal 23 362 Euro für Alleinstehende und 46 724 Euro für Ehepaare gelten steuermindernd. Aber diese Beiträge wirken sich wegen einer gesetzlichen Übergangsregelung derzeit „nur“ in Höhe von 84 Prozent aus. Die Förderhöchstgrenze steigt bis 2025 an. Zu den absetzbaren Kosten zählen vor allem Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Im Gegenzug steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente: Für neue Rentenjahrgänge ist er von 72 auf 74 Prozent gestiegen. Somit bleiben 26 Prozent der Bruttojahresrente steuerfrei. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bestehen.

Verlängerte Abgabefrist bereits 2018

Bürger, die ihre Steuererklärung selbst machen, haben im Land bereits ab diesem Jahr zwei Monate mehr Zeit, diese abzugeben: Die Einkommensteuererklärung für 2017 kann bis zum 31. Juli abgegeben werden. Hintergrund ist das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens.

Elektronische Steuererklärung

Bei der elektronischen Steuererklärung (Elster) gibt es zwei Verfahren zur Übermittlung von Steuererklärungen an das Finanzamt: eine komprimierte Erklärung mit nachgereichter schriftlicher Unterschrift und der Datenversand mittels elektronischem Nachweis. Umsatz- und Gewerbesteuererklärungen können nur noch per Nachweis, also „authentifiziert“, übermittelt werden. Hierfür wird ein Sicherheitszertifikat benötigt, für das man sich vorher registrieren muss. „Da der Prozess bis zu zwei Wochen dauert, sollte die Registrierung rechtzeitig erfolgen“, empfiehlt das Landesamt für Steuern.

Andere Arbeitsweise

Neben der Tatsache, dass seit Oktober alle Unterlagen nur noch in digitalisierter Form bearbeitet werden (der TV berichtete), arbeitet auch das Service Center des Finanzamts nun anders: Dort werden Belege nicht mehr geprüft und auch keine Steuererklärungen bei Abgabe mehr direkt bearbeitet. Alle Erklärungen werden erst gescannt und dann bearbeitet.

Für Grenzgänger bleibt’s beim Alten:

Die Finanzverwaltung wechselt seit Beginn des Jahres für deutsche Arbeitnehmer in Deutschland im Rahmen des „Steuerverfahrensmodernisierungsgesetzes“ auf die sogenannte Belegvorhaltepflicht. Heißt, der Steuerbürger muss Belege nicht mehr komplett vorlegen, sondern kann sie zu Hause bewahren und muss sie nur punktuell und auf Anfrage einreichen. Die luxemburgische Lohnbescheinigung für die tausenden Grenzgänger in der Region Trier sind jedoch weiterhin vorzulegen. Für ausländische Einkünfte gilt der Verzicht auf die Belegvorlage nicht. Ist die Bescheinigung nicht dabei, gibt es in jedem Fall eine Nachforderung. Die Bearbeitung der Steuerklärung dauert wesentlich länger.