Trier/Horath: Belegschaft der Firma Riva tritt in unbefristeten Streik

Gewerkschaften : „Wir sind noch frisch, Riva an den Tisch“

Rund 120 Mitarbeiter der Riva-Firmenstandorte in Trier und Horath (Kreis Bernkastel-Wittlich) haben am Donnerstagvormittag vor der Porta Nigra gestreikt. Damit hat nach Angaben der IG Metall die komplette Belegschaft die Arbeit niedergelegt.

Nach Warnstreiks und geplatzten Verhandlungen über den Einstieg in den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall zum unbefristeten Streik aufgerufen. „Ihr erarbeitet den Gewinn, den die Riva einfährt, Tarifverträge sind euer gutes Recht“, rief Christian Z. Schmitz, Bevollmächtigter der IG Metall Trier, den Streikenden zu. Um ihre Bereitschaft für einen notfalls wochenlangen Streik zu bekunden, skandierten die Abeiter zurück: „Wir sind noch frisch, Riva an den Tisch!“

Laut Hans-Jürgen Urban vom geschäftsführenden Vorstand der IG Metall Deutschland liegen die im Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie vorgesehenen Löhne um bis zu 20 Prozent über den Gehältern, die die Riva an den Standorten Trier und Horath zahle. An allen anderen Riva-Standorten seien bereits Tariflöhne eingeführt – jeweils nach Streiks der Belegschaften. Die internationale Riva-Gruppe, an deren Spitze eine italienische Familie steht, habe allerdings durchblicken lassen, die anstehende Fortschreibung des Tarifvertrages in Zukunft auch dort nicht weiter mitzutragen.

Der unbefristete Streik in Trier sei daher „der Anfang einer Bewegung, die Riva dazu zwingen wird, Tarifverträge dauerhaft einzuhalten“, sagte Urban. Laut Urban haben am Donnerstag auch Arbeiter der polnischen Riva-Standorte gestreikt, um ihre Solidarität mit den Kollegen aus Horath und Trier zu bekunden. Am heutigen Freitag reist eine Delegation aus Trier und Horath wiederum nach Brandenburg, um die Kollegen dort bei ihrem Arbeitskampf zu unterstützen. Auch die Mitarbeiter aller italienischen Riva-Werke hätten Solidar-Streiks angekündigt. „Auch die gesamte IG Metall in der Region steht hinter euch“, rief Schmitz. Tatsächlich waren zu der Kundgebung vor der Porta unter anderem Betriebsräte der regionalen Niederlassungen von Volo, Ideal Standard und Bilstein gekommen. Auch ein Vertreter der IG Metall Neuwied war zur Unterstützung vor Ort.

Nach Berechnungen der IG-Metall mache die Firma Riva mit jeder Tonne produzierter Stahl-Ware 40 Euro Gewinn. Die Anhebung der Löhne in den Werken Trier und Horath auf das Niveau des Flächentarifvertrags würde die Firma laut Gewerkschaftsvorstand Urban vier Euro pro Tonne produzierter Ware kosten. „Die Erhöhung wäre nach unseren Berechnungen also durchaus zu stemmen“, sagte er.

Die Verhandlungen von Belegschaft und IG Metall mit der Riva-Geschäftsführung über die Lohnerhöhung laufen seit Ende 2018. Laut IG-Metall-Chef Urban habe die Firma zwar Lohnerhöhungen „von etwas über zwei Prozent“ angeboten. Im Gegenzug sollten die Mitarbeiter aber jedes weitere Drängen auf die Einführung eines Tarifvertrags unterlassen. Belegschaft und Gewerkschaft waren auf dieses Angebot nicht eingegangen. Der Trierer Gewerkschaftsführer Christian Z. Schmitz: „Die Firma Riva denkt wohl, mit uns aus der Provinz können sie es machen, aber da hat sie sich getäuscht – wir wehren uns.“

Wie lange der Streik andauern wird, sei nicht absehbar. Die Streikkasse – mit gefüllt von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) Trier – sei gut gefüllt. „Ein Unternehmen ist nur so gut, wie es seine Mitarbeiter behandelt“, rief KAB-Diözesansekretärin Ruth Mareien de Bueno am Donnerstag von der Streikbühne vor der Porta Nigra.

Die Firma Riva war am Donnerstag für eine Stellungnahme an den Standorten Trier, Horath und Hennigsdorf nicht für den TV zu erreichen.

Nach Angaben auf der Unternehmensseite gehört die Riva Stahl GmbH zu den führenden deutschen Stahlkonzernen. Die Firma produziere rund 20 Prozent der gesamten deutschen Elektrostahlproduktion und stehe damit an Platz 1 in dieser Sparte. Zum Riva Stahl Konzern, der seit Beginn der 1990er mit eigenen Werken in Deutschland vertreten ist und etwa 1700 Mitarbeiter beschäftigt, gehören fünf Produktionsstandorte: zwei in Brandenburg, eine in Lampertheim in Hessen und zwei weitere Standorte in Horath und in Trier. Die Jahresstahlproduktion 2016 hat laut Firma bei fast 1,9 Millionen Tonnen gelegen, was rund fünf Prozent der gesamten deutschen Stahlproduktion entspricht.

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