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Urlaub im Kopf: Saarburger Agentur Euresa hat neues Internetportal entwickelt

Tourismus : Einfach mal wegträumen

Obwohl Corona den Tourismus völlig lahmgelegt hat, halten sie bei einem der größten deutschen Vermittler von Kreuzfahrten nichts von Wehklagen. Mit einer kreativen Idee steuert die in Saarburg ansässige Agentur Euresa dagegen. Durch ein neues Internetportal soll zumindest  Urlaub im Kopf entstehen.

Sie sehen in der Krise eine Chance und sind sogar davon überzeugt, gestärkt aus der Corona-Phase gehen zu können. Dabei können sie beim Saarburger Reisevermittler Euresa wohl noch monatelang keine Kreuzfahrten namhafter Reedereien wie Aida, Costa, Tui Cruises oder MSC verkaufen. Durch das neu aufgelegte Internetportal www.wegträumen.de sollen User aber zumindest virtuell zu ihren Sehnsuchtsorten quer über den Globus verteilt gelangen – sei es zum Sonnenuntergang in Bali, zur Golden Gate Bridge in San Francisco, dem Tower in London oder den norwegischen Fjorden.

„Dem Tourismus wurde durch die Pandemie und den damit einhergehenden Reisewarnungen der Stecker gezogen“, weiß Gregor Demmer. Gemeinsam mit seinem heutigen Geschäftsführerkollegen Johannes Nicknig gründete er 2011 noch als Trierer BWL-Student die Agentur, mit der sie eigentlich vor allem Webseiten und die dazugehörenden Grafiken entwickeln wollten. „Meine Mutter meinte dann mal, dass es kaum vernünftige Buchungsplattformen für Kreuzfahrten gibt“, erinnert sich Nicknig. Weil er schon lange selbst von dieser maritimen Form des Reisens angetan ist, war der Funke gezündet.

Im harten Wettbewerb der Reisevermittler lockt auch Euresa mit günstigen Preisen, will aber noch mehr bieten und setzt zudem auf jede Menge Service. Über verschiedene Wege hält man zahlreiche Informationen bereit (wie etwa eine eigene Zeitung, die zwei mal jährlich erscheinende Kreuzfahrt-Post oder Blog-Einträge) und den engen Kundenkontakt: So hat es das mittlerweile auf 32 Mitarbeiter angewachsenen Euresa-Team zu den führenden Vermittlern von Kreuzfahrten im deutschsprachigen Raum geschafft.

Das Klima im jungen Team mit einem Durchschnittsalter von knapp 30 Jahren stimme, wie der für redaktionelle Inhalte verantwortliche Patrick Hausen betont: „Es ist ein Arbeiten mit Freunden. Wir unternehmen auch nach Feierabend immer wieder mal was zusammen.“

Die Corona-Krise hat indes die beiden Geschäftsführer zum Handeln gezwungen – weil der Reisemarkt auf absehbare Zeit zum Erliegen gekommen ist, musste man die Belegschaft in Kurzarbeit schicken.

Doch von existenziellen Ängsten sind Demmer und Nicknig weit entfernt: „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Unser Unternehmen steht auf gesunden Füßen und würde es selbst dann noch sein, wenn die Auswirkungen der Corona-Krise bis Anfang nächsten Jahres spürbar wären.“

Die Tourismus-Branche werde sich neu aufstellen, sind sie überzeugt. Durch die dank vieler Beiträge organisch geschaffene (also nicht bezahlte) Reichweite bei Suchmaschinen wie Google und durch ihr proaktives Vorgehen sehen sie realistische Chancen, sogar gut bestehen zu können: Während andere Vermittler derzeit telefonisch etwa nicht mehr erreichbar seien, würde man bei Euresa sogar die Kunden von sich aus anrufen und mit ihnen die Lage besprechen. „Einige wollen ihre ausgefallene Reise stornieren, andere möchten einen Gutschein. Das Verhältnis liegt etwa bei 50:50“, berichtet Demmer.

Mit dem Portal wegträumen.de will man nicht nur Kunden, sondern allen Reisefreudigen eine Anlaufstelle schaffen, um gerade jetzt Sehnsüchte zu entwickeln. „Die Leute sollen sich einfach mal wegträumen“, sagt Demmer. „Urlaub beginnt im Kopf.“ Aus eigener Erfahrung weiß er nur allzu genau: „Nach jedem Urlaub schlummern oft Hunderte von tollen Erinnerungsfotos auf einem Handy.“ Durch die neue Plattform ließen sich nun eigene Erlebnisse und Momente mit anderen teilen – anhand der Bilder und zudem durch kurze Texte.

Demmer und Nicknig hoffen, dass die virtuelle Weltkarte möglichst schnell mit zahlreichen Sehnsuchtsorten der User gefüllt ist, damit das Fernweh möglichst vieler gelindert wird.

Und noch eins ist den beiden Geschäftsführern wichtig: Die eigenen Mitarbeiter sollen sehen, dass es weitergeht und Kreativität wichtiger denn je ist. Schließlich – da sind sich die Euresa-Macher einig – „steckt auch in der aktuellen Situation jede Menge Energie“.