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Wellness im Hotel ist derzeit noch verboten. Betroffene Hotels und die IHKen wehren sich.

Kostenpflichtiger Inhalt: Hotellerie : Noch müssen Sauna- und Wellnessgäste draußen bleiben

Bei der Landesverordnung zur Corona-Bekämpfung steckt der Teufel im Detail. Ärgerlich für Wohlfühlhotels, deren Gäste reihenweise absagen.

Wenn Hubert Drayer heute nach acht Wochen wieder die ersten 23 Hotelgäste begrüßen kann, endet für den Hotelier aus Schalkenmehren eine noch nie dagewesene Phase der Ruhe. Um 6.30 Uhr saß er zwar bereits mit einem Kaffee in der Hotellobby seines Hauses, doch nicht, um Gäste zu begrüßen, sondern um die Bauarbeiter einzulassen. Denn seine Familie hat in das 130 Jahre als Michels Wohlfühlhotel in der Vulkaneifel in 30 zusätzliche Betten und den Wellnesstrakt etwa fünf Millionen Euro investiert.

Und hier wird die Komplexität der Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz sichtbar: Auch wenn Hotels ihre Türen seit heute wieder öffnen, Restaurants seit Mittwoch Gäste bewirten dürfen, so dürfen die Gäste das hoteleigene Schwimmbad und die Saunen derzeit immer noch nicht benutzen. „Wir haben normalerweise einen Mitarbeiter an der Rezeption, aktuell sind es drei, weil E-Mails beantwortet und Anrufe angenommen werden müssen“, sagt Junior-Chefin Julia Drayer. „Unsere Gäste sagen zwar nicht alle ihren Besuch ab, aber die Mitarbeiter haben schwere Tage“, gesteht Vater Hubert, der 1986 als Küchenmeister aus dem Schwarzwald im Betrieb seiner Patentante in Schalkenmehren einstiegt und den Betrieb 1996 übernommen hat. Denn der Besuch des Wellnessbereichs sei derzeit aus Infektionsschutzgründen nicht gestattet.

Ein Teil von Drayers 100 Mitarbeitern von Vollzeit über Teilzeit bis zu Aushilfen war komplett in Kurzarbeit, ein Teil hat Arbeiten wie Fensterputzen und Teppichreinigung selbst übernommen, die sonst an Fremdfirmen übergeben worden wären. „Alles glänzt und wartet auf Kunden“, sagt Drayer, der mit etwa 30 von 160 möglichen Gästen zunächst das Restaurantgeschehen unter Corona-Bedingungen „übt“, wie er sagt. 

Immerhin gilt das Vier-Sterne-Superior-Haus neben dem den Hotels Zum Kurfürsten (Bernkastel-Kues) und Molitos Mühle (Eisenschmitt) als eines von rund gut 40 Aushängeschildern der deutschen Wellness-Branche, und so wie den Drayers geht es laut Schätzungen der Industrie- und Handelskammer Trier zusätzlich weiteren gut drei Dutzend Hotels mit Sauna, Pool und Wellnessanlage in der Region Trier. „Wir brauchen eine Perspektive. Denn wir sprechen eine Gästegruppe an, die gezielt Ruhe, Abstand und Erholung sucht“, sagt Hubert Drayer, der sein Haus nicht zuletzt wegen seiner Auslastung von 94 Prozent und jährlich 32 000 Übernachtungen erweitert hat.

Ideal für Hygiene- und Abstandsregeln, sollte man meinen. Und hier setzen die Industrie- und Handelskammern (IHK) von Trier und Koblenz an, die gern in die politischen Vorgaben „die Praxis miteinfließen lassen“ wollen, sagt Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der IHK Trier. In der letzten Handreichung des Landes für Gast- und Beherbergungsbetriebe seien hoteleigene Angebote noch nicht gelockert. Nun gibt es eine Perspektive für den 10. Juni, an dem Saunen und Wellnessbereiche wieder öffmen könnten: „Es geht darum, wie wir es hinbekommen, dass der Betrieb aufgenommen werden kann, ohne dass Vorgaben verletzt werden.“ Und in einer 90-Grad-Sauna, die das Coronavirus aufgrund der Hitze abtötet, oder einem Außenpool, der sich täglich mehrfach automatisch reinigt, sehen Kammern und Hoteliers durchaus genügend Spielraum für Lockerungen.

Ob es um Zeitkorridore für die Sauna-Nutzung, eine Zugangszählung, reservierte Ruhe-Liegen oder eigene Saunatücher geht: Hubert Drayer kann sich vieles vorstellen. „Wir müssen den Gast auf unsere Seite bekommen und brauchen sein Verständnis für alle Vorkehrungen“, sagt er. Und hier kann der Branchenverband der Wellness-Hotels & Resorts helfen: „Es gibt den Gleichzeitigkeitsfaktor für Wellnessbereiche, der besagt wie viele Menschen bei welchem Wetter maximal gleichzeitig und wie lange den Bereich nutzen“, sagt Geschäftsführer Michael Altewischer. Und da dieser Faktor im Sommer geringer sei als im Herbst und Winter, ließen sich Vorgaben aktuell schnell umsetzen. „Wir wollen ins Gespräch kommen und sind auch bereit.“

Auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt will den Wellness-Betrieben der Region eine „Perspektive geben. Es ist derzeit schwer, die Vorgaben von Branche zu Branche zu lockern“, sagt sie. Folglich wolle die Landesregierung zu qualitativen Entscheidungen kommen.

Hubert Drayer und seine 100 Mitarbeiter jedenfalls wären „in Stunden“ in der Lage, das Hauptzugpferd seines Hotels, die Wellnessanlage, in Betrieb zu setzen. „Die Wasser- und Filteranlage läuft ohnehin, alles andere sind Kleinigkeiten“, sagt er. „Wenn wir wissen, wann wir wieder komplett für den Gast da sein können, kann ich Buchungen zusagen und muss die Gäste nicht hinhalten.“