Zahl der Arbeitslosen sinkt im Oktober, immer weniger Azubis.

Arbeitsmarkt : Nachwuchssorgen der regionalen Betriebe immer größer

Elf Prozent mehr offene Lehrstellen: Noch immer sind 735 Plätze in der Region Trier nicht besetzt. Doch Arbeitsagentur und Kammern geben nicht auf, Jugendliche für die Duale Ausbildung zu begeistern.

Der Weckruf des Handwerks könnte nicht deutlicher sein: „Fehlende Azubis von heute sind fehlende Fachkräfte von morgen. Und wenn die Ausbildungsmisere nicht mehr Beachtung findet, wird daraus ein Problem für die Gesellschaft.“ Wovor Axel Bettendorf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Trier, warnt, zeigen seine Zahlen: ein Rückgang der Lehrverträge in diesem Jahr um elf Prozent, bei den Metallbauern um 19 Prozent, bei den Frisören gar um 32 Prozent – „das ist ein Absturz“, klagt er. Die Gründe: demografischer Wandel und massiv weniger Verträge mit Geflüchteten. „Die Betriebe selbst müssen aber auch attraktiver werden“, sagt der HWK-Chef selbstkritisch. „Wer ein schlechtes Praktikum gemacht hat, erzählt das in der Klasse, und Beruf und Betrieb sind verbrannt.“

Qualität, frühere Berufsorientierung, digitale Angebote: Arbeitsagentur, HWK und Industrie- und Handelskammer (IHK) wissen, dass sie aktiv sein müssen, um mehr junge Leute in die Duale Ausbildung zu bringen. „Die Ausbildungsbereitschaft ist mit 4639 gemeldeten Lehrstellen so hoch wie nie zuvor“, sagt Heribert Wilhelmi, Chef der Arbeitsagentur zur Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt und zu den Arbeitslosenzahlen im Oktober (siehe Grafik). Aber die Nachwuchssorgen würden immer größer. 735 Lehrstellen sind noch nicht vergeben, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Deshalb versucht die Agentur mit der lebensbegleitenden Berufsberatung „junge Leute fit zu machen, um das gesamte Erwerbsleben zu meistern“, sagt Stefanie Adam, Agentur-Geschäftsführerin. Auch bei der IHK hat ein Drittel der Betriebe nicht alle Lehrstellen besetzen können. „Ob digitaler Ausbildungsatlas, Azubi-Ticket oder Ausbildungsmarketing: Über allem steht der wachsende Bedarf an Fachkräften“, sagt IHK-Geschäftsführer Ausbildung, Ulrich Schneider.