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Wichtige Auszeichnung für das Ulmener Maar

Umwelt : Ulmener Maar gehört zu Top-Geo-Stätten weltweit

Eine internationale Geologen-Organisation hat das Maar in Ulmen (Kreis Cochem-Zell) in die Liste der Top-100- Geoerbestätten der Welt aufgenommen. Was dahintersteckt und was noch dazugehört.

Das Unesco-Welterbe Grube Messel und das Ulmener Maar im Unesco-Geopark Vulkaneifel gehören nach Einschätzung einer internationalen Geologen-Organisation zu den 100 wissenschaftlich bedeutendsten geologischen Orten der Welt. Die International Union of Geological Science (IUGS) habe diese beiden Stätten auf eine aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens erstellte Liste gesetzt, teilte das hessische Wissenschaftsministerium gestern mit. Der Entscheidung dieser internationalen Expertenjury seien Jahrzehnte wissenschaftlicher Forschung vorausgegangen. Die 1961 in Paris gegründete Organisation sei mit 121 nationalen Mitgliedern eine der größten wissenschaftlichen Organisationen der Welt.

Ein geologisches Erbe der IUGS ist ein wichtiger Ort mit geologischen Elementen und Prozessen von internationaler wissenschaftlicher Bedeutung, die als Referenz dienen und einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Geowissenschaften leisten. Dazu zählen beispielhaft einige der besten fossilen Überreste von Dinosauriern aus Kanada, die ersten Beweise für die frühe Entwicklung von Hominiden aus Tansania, der Maarvulkanismus der Vulkaneifel oder auch ikonische Stätten, wie der beeindruckende Grand Canyon (USA).

Mehr als 200 Fachleute aus fast 40 Ländern haben sich an der Auswahl der Standorte beteiligt. 181 Kandidaten aus 56 Ländern wurden vorgeschlagen und von 33 internationalen Expertinnen und Experten bewertet. Das Ergebnis ist die Liste der ersten 100 IUGS Geoerbestätten, die in der baskischen Stadt Zumaya von den Autorinnen und Autoren vorgestellt wurde.

Das Ulmener Maar liegt im Geopark Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Maare seien durch vulkanische Wasserdampfexplosionen geschaffene Krater. „Sie entstehen, wenn aufsteigendes Magma mit wasserführenden Schichten in Kontakt gelangt und dadurch schlagartig große Mengen Wasserdampf erzeugt werden“, heißt es bei der Unesco. Die meisten der heute mit Wasser gefüllten Maare seien vor rund 20.000 bis 40.000 Jahren entstanden. Das Ulmener Maar sei vor rund 11.000 Jahren ausgebrochen und damit Deutschlands jüngster Vulkan.

„Es besteht immer eine gewisse Unsicherheit, ob ein Vorschlag erfolgreich sein wird. Mit der wissenschaftlichen Unterstützung durch die Professoren Georg Büchel und Volker Lorenz ist uns aber eine überzeugende Darstellung des Ulmener Maares und des Maarvulkanismus gelungen. Auf die internationale Auszeichnung dürfen wir, darf Ulmen und die ganze Vulkaneifel stolz sein”, so Dr. Andreas Schüller, Geschäftsführer des Naturparks und Unesco Global Geoparks Vulkan­eifel.

Ausgezeichnet wurde außerdem die Grube Messel in Südhessen. Sie dokumentiere die Entwicklungsgeschichte der Erde vor 48 Millionen Jahren, heißt es bei der Unesco auf der Homepage. „Sie stellt eine detaillierte geologische Aufzeichnung des mittleren Eozäns dar und ist von herausragender Bedeutung für die Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt dieses Zeitalters.“ Der Zustand, die Menge und die Vielfalt der dort gefundenen Fossilien sei einzigartig. Das beweise auch der Fund des Urpferdchens.

Viele der „First 100“ sind in Nationalparks, Geoparks und Naturschutzgebieten gut geschützt, viele aber auch nicht. Die Anerkennung und Sichtbarkeit der „First 100“ Geoerbestätten kann zur Wertschätzung, zur Nutzung als Bildungsorte und vor allem zur Erhaltung derer führen.

Neben dem Ulmener Maar in der Vulkaneifel und der Grube Messel ist die Fundstätte des Archaeopteryx aus dem Jura von Solnhofen-Eichstätt (Bayern) als dritte internationale Geoerbestätten in Deutschland ausgewählt worden.

Die vollständige Liste und das Buch „The First 100“ können auf der Website der IUGS International Geological Heritage Commission heruntergeladen werden: www.iugs-geoheritage.org

(dpa)