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Facebook
Zuckerberg stellt sich dem Kongress

Washington . Von Frank Herrmann

Facebook-Konzernchef Mark Zuckerberg wird am 11. April im US-Kongress aussagen. Seit bekannt wurde, dass die Politikberatungsfirma Cambridge Analytica die Daten von rund 50 Millionen Facebook-Nutzern missbrauchte, um sie für den Wahlkampf Donald Trumps auszuwerten, wächst der politische Druck. Demokraten wie Republikaner fordern den 33-Jährigen auf, zu einer Anhörung im Kongress zu erscheinen. Was ihn dort an Fragen erwartet, hat der Senator Ron Wyden in einem offenen Brief an den Konzernchef bereits angedeutet.

Ob Facebook irgendetwas getan habe, um jene 50 Millionen Nutzer zu identifizieren und sie zu informieren, will der Politiker aus dem Pazifikstaat Oregon wissen. Und ob es im Laufe der vergangenen Dekade ähnliche Fälle gegeben habe. Falls ja, möge Zuckerberg sie lückenlos auflisten und erklären, was er gegen Regelverstöße unternommen habe.

Dass der Druck steigt, lässt sich auch daran erkennen, dass sich ­Pioniere der sozialen Netzwerke nicht länger scheuen, den Finger in die Wunde zu legen.

Chris Hughes, der sich in Harvard eine Studentenwohnung mit Zuckerberg teilte und mit an der Wiege von Facebook stand, spricht von einem echten Wendepunkt.

Der Skandal um Cambridge Analytica, sagte Hughes dem Radiosender NPR, sei nur die Spitze des Eisbergs. Wenn ausländische Mächte Wahlen manipulierten, wenn digitale Nachrichtenströme so organisiert würden, dass man die schrillsten Stimmen belohne, habe Facebook in mehrfacher Hinsicht versagt. Es sei höchste Zeit, die Defizite ehrlich zu benennen. Brian Acton, Mitgründer des von Zuckerberg übernommenen Dienstes WhatsApp, unterstützt gar eine Kampagne, die unter #deletefacebook dazu aufruft, das eigene Konto bei dem Netzwerk zu löschen. Tim Cook, Steve Jobs’ Nachfolger an der Spitze von Apple, charakterisiert das Recht auf Privatsphäre als fundamentales Menschenrecht. „Ich habe keine eigenen Kinder, aber einen Neffen. Ich will nicht, dass er soziale Netzwerke nutzt.“ Nicht nur Cook drängt auf mehr Transparenz bei den Anzeigen, damit Nutzer erkennen, wer diese Annoncen bezahlt und an welche Zielgruppen sie sich richten. Facebook will das bis zu den amerikanischen Kongresswahlen im Herbst erledigt haben. Und um der Kritik die Spitze zu nehmen, übt sich Zuckerberg in demonstrativer Bescheidenheit.

Sein Geschäftsmodell aber, dies ist die Crux, gedenkt er nicht ernsthaft auf den Prüfstand zu stellen. Ein Modell, das auf drei Säulen ruht.

Erstens, so formuliert es Hughes, sein College-Kumpel, sollen die Leute so oft es nur geht zu ihren Smartphones greifen und sich bei Facebook einloggen.

Zweitens hilft intensive Nutzung, Daten über ihr Verhalten zu sammeln.

Drittens sollen Werbekunden Milliarden ausgeben, um sie mit gezielter Reklame zu erreichen. Es gibt Anzeichen dafür, dass das Modell nicht für alle Ewigkeit trägt. Seit Juni 2017 stagniert die Zahl der amerikanischen Facebook-Nutzer. In diesem Jahr, prophezeien Experten, dürfte der Anteil des Unternehmens am digitalen Werbeaufkommen zum ersten Mal zurückgehen.