Neuer Chef: Ulrich Eggert ist Geschäftsführer von CC Pharma

Neuer Chef: Ulrich Eggert ist Geschäftsführer von CC Pharma

CC Pharma, Arzneimittelimporteur mit Sitz in Densborn (Vulkaneifelkreis) und mit 450 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber im Kreis Vulkaneifel, hat einen neuen Geschäftsführer. Es ist Ulrich Eggert (57), der zuvor die Geschäfte einer Pharmafirma in München leitete.

Densborn. "Die Sicherheit der Patientenversorgung hat für mich oberste Priorität und steht vor allen anderen Interessen." Mit diesen Worten bezieht Ulrich Eggert (57), seit 1. Oktober neuer Geschäftsführer von CC Pharma, konkret Stellung zu den Negativschlagzeilen der jüngeren Vergangenheit.
Denn der erfolgreiche Arzneimittelimporteur aus dem Kylltal war zwischen 2009 und 2011 gemeinsam mit anderen Firmen wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug und dem illegalen Vertrieb von Arzneien aus dem Nicht-EU-Ausland ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.Umzug noch kein Thema


Und auch aktuell ist das Unternehmen wieder von einem Skandal betroffen: Nachdem bekannt wurde, dass auch CC Pharma Arzneimittel in Italien eingekauft und in Deutschland vertrieben hat, die gestohlen waren, folgte eine große Rückrufaktion - noch unter dem früheren Geschäftsführer.
Der neue Chef Eggert beziffert den Verlust auf fünf Millionen Euro, "falls der schlimmste Fall eintritt". Das wäre, wenn alle Italien-Importe vernichtet werden müssten. Denn CC Pharma hat laut Eggert nicht nur die von den Behörden bislang geforderten, sondern vorsorglich alle Arzneien aus dem südeuropäischen Land kassiert und auf Quarantäne gelegt.
Zudem wurden im Unternehmen strengere Sicherheitsvorkehrungen verankert, die Lieferanten nochmals selektiert. Diesen Kurs will Eggert konsequent fortführen. "Ab sofort beziehen wir nur noch Medikamente von solchen Lieferanten, mit denen wir bereits jahrelang zusammenarbeiten und die darüber hinaus rasch und lückenlos ihre Lieferkette darlegen können. Ich brauche und will keine negativen Schlagzeilen." Dazu gehöre auch, dass die Lieferanten besucht und im eigenen Labor Stichprobentests gemacht würden. Eggert sagt: "Bei Zweifeln lassen wir das Geschäft liegen."
Doch der 57-Jährige, der nach eigenem Bekunden seit 25 Jahren in der Pharmaindustrie arbeitet, ist auch angetreten, um das Unternehmen deutschlandweit an die Spitze zu führen. "Derzeit sind wir unter den Top-Dreien, ich möchte gerne weiter nach oben", gibt er als Ziel an. Große Ziele sind für den ambitionierten Sportschützen (Großkaliber) ohnehin nichts Fremdes.
In Deutschland gibt es derzeit rund 50 Unternehmen, die Arzneimittel innerhalb der EU importieren und in Deutschland weiterverkaufen. 2013 wurden rund 35 Millionen Packungen importierter Präparate verkauft und so Einsparungen von rund 300 Millionen Euro gegenüber Apothekenverkaufspreisen erzielt.
Das Geschäftsmodell war es letztlich auch, das den gebürtigen Heidelberger, der zuletzt in Rosenheim wohnte, in die Eifel gelockt hat. "Der Re-Importmarkt ist ein hochinteressantes Geschäft, das Unternehmen steht gut da. Wenn die Re-Importe weiter politisch gewollt sind, wovon ich ausgehe, haben wir gute Chancen, weiter zu wachsen."
Reizvoll findet er auch die Eifel - vor allem wegen der schönen Natur und der vielen Erholungsmöglichkeiten, sagt der Vater dreier erwachsender Kinder, "der seit 32 Jahren verheiratet ist - und zwar am Stück", wie er betont. Für die Entscheidung, ob er mit seiner Frau in die Eifel zieht, will sich das Paar "ein- bis eineinhalb Jahre Zeit lassen".Extra

Die Firma CC Pharma kauft im europäischen Ausland günstig Medikamente ein, etikettiert sie für den deutschen Markt um und verkauft sie hier weiter. Bei diesen Re-Importen handelt es sich um Originalprodukte, wie sie auch in Deutschland angeboten werden. Deutsche Pharmakonzerne vertreiben ihre Präparate in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Preisen. Eine 20er-Packung Aspirin kostet etwa in Griechenland rund 70 Cent, in Frankreich 1,30 Euro und bei uns mehr als fünf Euro. Grund: Die Hersteller richten die Preise an der Kaufkraft und der finanziellen Ausstattung des Gesundheitssystems des jeweiligen Landes aus. Der Markt der Arzneimittel-Re-Importe boomt. Und er ist politisch gewollt, da dadurch die Kosten der Arzneimittelausgaben deutlich reduziert werden. mhExtra

CC Pharma hat 2006 seinen Firmensitz von Grevenbroich ins Kylltal verlegt und ist mit 53 Beschäftigten gestartet. 2010 hat die Firma mit 360 Beschäftigten rund 270 Millionen Euro Umsatz gemacht, 2013 waren es bereits 350 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt CC Pharma 450 Mitarbeiter, davon zwei Drittel Frauen. Ende 2010 entließ das Unternehmen auf einen Schlag fast 40 über eine Zeitarbeitsfirma angestellte Mitarbeiterinnen - später wurden viele wieder eingestellt. mh