Aquakultur: Nun kommt die deutsche Zuchtgarnele

Aquakultur : Nun kommt die deutsche Zuchtgarnele

Noch werden Garnelen fast ausschließlich importiert. Wie müsste eine optimale Zucht in Deutschland aussehen? Es gibt erste Erkenntnisse.

(dpa) Garnele gegrillt, Garnelen in Knoblauchsauce oder Möhren-Ingwersuppe mit Garnelen: Die kleinen Krebstiere sind in Deutschland eine beliebte Delikatesse. In den allermeisten Fällen bekommt man allerdings importierte Ware auf den Teller. Garnelen aus deutscher Zucht gibt es bislang kaum. Könnte sich das bald ändern? Am Institut für Fischerei der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern versuchen Wissenschaftler herauszufinden, unter welchen Bedingungen Garnelen in sogenannten Kreislaufanlagen optimal heranwachsen. In Born auf dem Darß stehen Wasserbecken neben Wasserbecken, jedes fasst rund 1000 Liter. Darin sind jeweils Hunderte Garnelen, getrennt in unterschiedliche Altersstufen.

Ausgewachsene Exemplare messen um die zwölf Zentimeter, die kleinsten sind nur stecknadelkopfgroß. „Die sind gerade eingetroffen und brauchen jetzt vor allem Mineralien“, erklärt Alexandra Segelken-Voigt, die an dem Garnelen-Projekt mitarbeitet. In sechs Monaten werden die Tiere ihr Idealgewicht erreicht haben. Noch sei die marine Aquakultur in Deutschland und Europa ein sehr junger Industriezweig, es fehlten noch fundierte Erkenntnisse, sagt der Leiter der Versuchsanlage, Ralf Bochert. Weltweit gibt es mehr als 3000 Garnelenarten. „Längst nicht alle eignen sich für die Aufzucht in Aquakulturanlagen. Wir haben uns für Weißfußgarnelen entschieden“, erklärt Bochert.

Neben den Inhaltsstoffen im Wasser und dessen Temperatur gehe es bei den Untersuchungen vor allem um optimale Lichtverhältnisse. So fördere grünes Licht direkt über den Becken das Wachstum der Garnelen. „Je dunkler, desto besser. Das wirkt sich zugleich positiv auf das Tierwohl aus. Die Garnelen zeigen das durch ihre typisch rötliche Färbung“, ergänzt Segelken-Voigt. Die Farbe sei zugleich ein Qualitätsmerkmal bei der Vermarktung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Futterzusammensetzung. Hier habe sich gezeigt, dass sich ein vergleichsweise geringer Proteingehalt positiv auf die Gewichtszunahme auswirkt und eine geringe Sterblichkeit bringe, sagen die Forscher. Die Ergebnisse interessieren auch York Dyckerhoff. Er hat 2014 in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg) eine von nur ganz wenigen Garnelenzuchten in Deutschland errichtet. Produziert wird in geschlossenen Meerwasserkreislaufanlagen bei 28 Grad Wassertemperatur und 70 Prozent Luftfeuchte. Zwischen dem Investor und den Wissenschaftlern hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt. „Ich bekomme die neuesten Forschungsergebnisse, sie meine praktischen Erfahrungen“, sagt Dyckerhoff. „Beides zusammen führt letztlich zu einer optimalen Produktion. Und begeistert vielleicht neue Investoren.“ Dyckerhoff zufolge seien im vergangenen Jahr 42 000 Tonnen tiefgefrorene Garnelen vorwiegend aus Asien und Südamerika importiert worden.

In Grevesmühlen wird hingegen in vergleichsweise kleinen Anlagen produziert. 15 Tonnen sollen es einmal pro Jahr sein. Ein verschwindend geringer Anteil am Gesamtaufkommen. Die Nachfrage sei hoch. „Frische Garnelen sind eine Delikatesse“, sagt Versuchsleiter Bochert. „Anhand unserer Forschungsergebnisse werden wir eine Technologie für eine ökologisch wie ökonomisch optimale Produktion liefern.“

(dpa)