Offensive gegen Schwarzarbeit

TRIER. (red) Dass Schwarzarbeit vielfach als Kavaliersdelikt verharmlost wird, fördert Schwarzarbeit ebenso wie das Preisgefälle zwischen legaler und illegaler Arbeit, sagt die Handwerkskammer Trier (HWK). Mit einer Offensive gegen Schwarzarbeit wollen HWK und Kreishandwerkerschaften verstärkt über die Gefahren der Schwarzarbeit informieren.

"Wer seine Wohnung in Schwarzarbeit renovieren lässt, ist sich offenbar nicht darüber im Klaren, dass er damit vielleicht gerade diejenige Lehrstelle vernichtet, die er morgen für seinen Sohn sucht." So kommentierte Rudi Müller, HWK-Präsident, die Aktion gegen Schwarzarbeit. Denn jede Arbeit, die illegal ausgeführt werde, gehe gerade den Betrieben verloren, die neben sicheren Arbeitsplätzen auch Lehrstellen zum Abbau der drohenden Jugendarbeitslosigkeit bereitstellen sollten. Aber nicht nur im Malerhandwerk sei die Situation in den letzten Jahren immer prekärer geworden. Sowohl in sämtlichen Bauberufen, bei den Friseuren, im Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk und in zahlreichen anderen Berufen des Handwerks greift die Schattenwirtschaft um sich, so die Kammer. Auf rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird der Wert der jährlich illegal erbrachten Leistungen geschätzt. Für die Region Trier bedeute dies bezogen auf 2004 die Summe von 1,43 Milliarden Euro - mindestens 356 Millionen Euro im Bereich des Handwerks. Damit könnten allein im Kammerbezirk Trier knapp 5000 Arbeits- und Ausbildungsplätze finanziert werden. Die Kreishandwerkerschaften Trier-Saarburg, Westeifel und Bernkastel-Wittlich hätten deshalb vereinbart, gemeinsam mit der Handwerkskammer regelmäßig über die Schäden und Gefahren der Schwarzarbeit zu berichten. Hierzu gehörten auch Mängel in der Ausführung durch illegale Unternehmer. Immer wieder müssen Bauherren, die sich von Schwarzarbeit preiswerte Leistungen erhofften, hinterher die böse Erfahrung machen, dass die Beseitigung dieser Mängel mehr Kosten verschlinge als die vermeintliche Einsparung, sagt die HWK. Sparen am falschen Platz sei bisweilen sogar lebensgefährlich. Das gelte besonders, wenn es ums Auto gehe. Kreishandwerkerschaften und Handwerkskammer warnen deshalb nachdrücklich vor Schwarzarbeit. Sie nehmen Hinweise auf Verdachtsfälle entgegen, wobei die Diskretion bezüglich des Informanten garantiert wird. Der Außendienstmitarbeiter der Kammer ermittelt vor Ort und steht im Ordnungswidrigkeitenverfahren als Zeuge zur Verfügung.

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