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Freizeit
Ohne sie läuft nichts

Die Wegewarte Gerhard Schwarz, Dietger Härtel  und Helmut Lauströer (von links) inspizieren den Eifelsteig bei Trier. Alles soll für die Wandersaison perfekt sein.
Die Wegewarte Gerhard Schwarz, Dietger Härtel  und Helmut Lauströer (von links) inspizieren den Eifelsteig bei Trier. Alles soll für die Wandersaison perfekt sein. FOTO: Albert Follmann / TV
Trier/Schweich/Zemmer. Wie die Wegewarte die Premiumsteige für die Wandersaison vorbereiten. Die Beschilderung sollte so sein, dass keine Karten oder Navis nötig sind.

Die Region Trier ist ein Wanderparadies. Gleich drei Premiumsteige führen in die Römerstadt: Eifelsteig, Moselsteig und Saar-Hunsrück-Steig.

Premiumsteig – diese Auszeichnung des Deutschen Wanderinstituts ist kein Selbstläufer. Der hohe Qualitätsstandard muss immer wieder aufs Neue bestätigt  werden, es gibt regelmäßige Neuzertifizierungen. Beim Thema Qualität spielen die Wegewarte eine besondere Rolle. Die Woch hat drei von ihnen  getroffen und sie nach ihren Aufgaben und Eindrücken befragt. Gerade jetzt, wenn die Wandersaison beginnt, haben die Ehrenamtler viel zu tun.

Klaus Lauströer ist Bezirkswegewart des Eifelvereins und Wegepate für den Moselsteig im Abschnitt von Trier bis Schweich. Er und seine Kollegen müssen zweimal im Jahr, im März und im September, ihren Zuständigkeitsbereich abgehen. Lauströer: „Wir schauen, ob der Weg nach dem Winter begehbar ist und alle Markierungen vorhanden sind. Wenn Bäume beseitigt werden müssen, melden wir das; kleinere Arbeiten wie das Freischneiden von zugewachsenen Schildern übernehmen wir selbst.” Auch das Überprüfen von Brücken und Geländern gehört zu den Aufgaben der Wegepaten.

Alles müsse stabil sein, um möglichen Unfällen vorzubeugen, sagt Dietgar Härtel. Er betreut den Eifelsteig-Abschnitt von Zemmer-Daufenbach bis zum Weishaus in Trier. Über die Begegung werde ein Protokoll angefertigt. Je nach Zuständigkeit übernehme entweder die Kommune, das Forstamt oder ein Planungsbüro die Schadensregulierung.

Doch nicht nur das Wetter ist für Schäden verantwortlich. Laut Wegewart Gerhard Schwarz, der für den Eifelsteig im Raum Zemmer zuständig ist, nimmt der Vandalismus auf Wanderwegen zu. „Markierungspfosten werden umgelegt und Schilder abgerissen, und das sind  beileibe nicht nur Kinderscherze.”

Um die Bäume zu schonen, haben sich die Wegewarte weitgehend davon verabschiedet, Hinweisschilder in die Bäume zu nageln. Auch das Sprühen, eigentlich umweltschonend, wird nicht mehr so oft angewandt, weil es sehr aufwendig ist und die Farbe nicht lange hält. Stattdessen wird immer mehr geklebt. Der Baukleber, sagt Bezirkswegewart Lauströer, gehöre mittlerweile zur Standartwerkzeugausrüstung der Wegepaten des Moselsteigs. Zunächst werde die Baumrinde geglättet, dann das Silikon aufgebracht und das Schild angeklebt.

Um den Wanderern frühzeitig zu signalisieren, wo es langgeht, werden die Hinweisschilder seit einigen Jahren „auf Sicht” angebracht – das heißt frontal und nicht mehr parallel zum Weg, wie es früher üblich war.

Falls sich Wanderwege kreuzen und Schilder an einem Pfosten angebracht werden, gibt es sogar eine hierarchische Vorgabe: Je höherwertig ein Weg ist, desto höher sollen die Markierungen angebracht sein. Ganz oben die Embleme der Fernwanderwege wie Eifel- und Moselsteig, darunter die Hauptwanderwege und zum Schluss die regionalen Wege.

Etwa alle 200 Meter sollen Markierungen angebracht sein. Wegewart Gerhard Schwarz nennt das Beruhigungszeichen. „Die Wanderer sollen immer das Gefühl haben, auf dem richtigen Weg zu sein. Premiumwanderwege soll man ohne Karte und Navi bewältigen können.”

Der Wandertourismus boomt und es sind zunehmend auch jüngere Semester, die sich auf den Fernwanderwegen tummeln.  Das bestätigen auch unsere Wegewarte. Viele Urlauber nähmen sich vor, nach und nach alle Etappen abzuarbeiten.

Der Eifelsteig führt von Aachen nach Trier, er ist 313 Kilometer lang und ist in 15 Tagesetappen zwischen 14 und 28 Kilometern Länge eingeteilt. Der Moselsteig ist 365 Kilometer lang und führt von Perl an der deutsch-luxemburgischen Grenze bis zur Moselmündung nach Koblenz. Er hat 24 Etappen. Der Saar-Hunsrück-Steig verläuft über 410 Kilometer von Perl über Idar-Oberstein bis nach Trier oder Boppard.

Der Eifeler Wegewart Gerhard Schwarz sieht insbesondere beim Eifelsteig noch ein strukturelles Defizit. Die Beherbergungsmöglichkeiten und der öffentliche Personennahverkehr ließen vielerorts zu wünschen übrig. Was die Infrastruktur angehe, da habe die Mosel eindeutig die Nase vorne.

Zur Ausrüstung der Wegewarte gehört neben Astschere und Säge ein Silikonkleber zum Anbringen der Schilder an Bäumen.
Zur Ausrüstung der Wegewarte gehört neben Astschere und Säge ein Silikonkleber zum Anbringen der Schilder an Bäumen. FOTO: Albert Follmann / TV
Eine gut sichtbare und eindeutige Beschilderung ist das A und O fürs Wandervergnügen. 
Eine gut sichtbare und eindeutige Beschilderung ist das A und O fürs Wandervergnügen.  FOTO: Albert Follmann / TV