Ohne Strömung, mit Zuschuss

Ohne Strömung, mit Zuschuss

TRIER. Um Landeszuschüsse zu sichern, sind die Sanierungspläne für das Südbad um 2,4 Millionen auf rund sechs Millionen Euro abgespeckt worden. Die Wasserfläche wird um rund 1000 Quadratmeter reduziert.

Gut, dass es Google-Earth gibt. Denn ohne das Computer-Programm, mit dem man virtuell um die Welt fliegen und hochauflösende Satellitenaufnahmen von Städten, Straßenzügen und einzelnen Bauwerken per Mausklick heranzoomen kann, wäre das Schwimmerbecken des Trierer Südbads wahrscheinlich um die Hälfte verkürzt worden. Denn erst nachdem Innenminister Karl-Peter Bruch vor einigen Tagen an seinem Mainzer Schreibtisch einen Flug mit Google-Earth über das Südbad gemacht hatte, legte er diese radikalen Pläne, die er für die Sanierung des Südbads vorgesehen hatte, ad acta. "Ich war doch überrascht, welche schönen Formen das Südbad hat und wie gut es sich in dieses Tal einpasst", erklärte der Minister beim Ortstermin in Trier seinen Sinneswandel. Vorangegangen waren intensive Gespräche zwischen Stadtverwaltung und Ministerium. Es ging darum, sich auf eine Sanierungsversion zu einigen, die im finanziellen Rahmen bleibt. Schon im Frühjahr hatte das Land siganlisiert, dass bei zu hohen Baukosten keine Zuschüsse aus dem Sporthilfe-Topf fließen würden. Den Rat ließ das größtenteils unberührt: Er beschloss eine Sanierung für 8,4 Millionen Euro. Ohne Landeszuschüsse müsse Trier die Kosten eben vollständig übernehmen. Erst in einem letzten Gespräch am Dienstag haben Stadtverwaltung und Innenministerium zu einander gefunden: Die Stadtverwaltung speckt ihre Pläne ab, reduziert die Wasserfläche stärker als vorgesehen und verzichtet auf "Attraktivierungen" wie Strömungskanal und Massageliegen. Die Sanierung des Eingangsgebäudes wird verschoben. Dadurch sinken die Baukosten von 8,4 auf rund sechs Millionen Euro. Im Gegenzug hat das Land fest zugesagt, bei der Finanzierung zuzusteigen. Wie hoch die Landeszuschüsse ausfallen werden, steht allerdings noch nicht fest. Dafür muss die Detailplanung und die genaue Kostenanalyse abgewartet werden. Die neuen Umbaupläne sehen eine Reduzierung von derzeit acht auf fünf Schwimmerbahnen vor. Drei Bahnen sollen mit Sonneninseln zugebaut werden. Zwischen Sprung- und Schwimmerbecken entsteht ebenfalls eine wasserverdrängende Sonneninsel. Im Nichtschwimmerbecken ist es bei der geplanten Insel im kreisförmigen Becken geblieben. Weiter soll der Beckenrand - unter Beibehaltung des denkmalgeschützten Beckenform - um etwa einen halben Meter nach innen verlegt und so weitere 300 Quadratmeter Wasserfläche eingespart werden. Der Sprungturm wird renoviert. Strömungskanal, Massageliegen und Wasserschwaller, wie sie in den ursprünglichen Plänen vorgesehen waren, haben dagegen in der neuen Planung keinen Platz. Dafür ist das Kinderbecken, das laut Stadtratsbeschluss erst in einem späteren Bauabschnitt in den vorderen Bereich verlegt werden sollte, vom Land als zuschussfähig anerkannt worden. Allerdings fällt das Becken wohl eher schlicht aus, die angekündigte "Wasserspiellandschaft" ist Opfer des Rotstifts geworden. Das Eingangsgebäude wird erst in einem zweiten, zeitnahen Bauabschnitt renoviert. Landeszuschüsse dafür sollen laut Karl-Peter Bruch nicht aus der Sporthilfe, sondern aus dem Investitionsstock fließen. "Diese deutliche Reduzierung ist absolut notwendig und senkt die Betriebskosten enorm", sagte Bruch, "wir haben eine vernünftige, betriebswirtschaftliche Lösung gefunden." Insgesamt wird die Wasserfläche des Freibads um rund 1000 Quadratmeter auf knapp 2500 Quadratmeter reduziert. "Ich bin sehr zufrieden und freue mich, dass wir uns einig geworden sind", sagte Sportdezernent Georg Bernarding. Auch Oberbürgermeister Helmut Schröer zeigte sich vom Verhandlungsergebnis angetan: "Es ist ein abgespeckter Plan, aber ich habe Verständnis für die Vorschläge des Landes." Schröer rechnet spätesten für November mit dem Beschluss der neuen Pläne im Stadtrat. Mit der Sanierung begonnen werde voraussichtlich nach der Badesaison 2007. "Zum Sommer 2008 werden die Trierer ihr Südbad zurück bekommen!"

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