Perspektive: ja, Armutszeugnis: nein

Perspektive: ja, Armutszeugnis: nein

TRIER. Neues Jahr, neuer Geschäftsführer: Thomas du Buy (40) ist der vierte Karstadt-Chef in Trier binnen 18 Monaten. Sein Auftrag: "Für Kontinuität sorgen und eine langfristige Perspektive entwickeln."

Das Personalkarussell bei Karstadt erinnert an das eines kriselnden Bundesliga-Clubs, der sein Heil in häufigen Trainerwechseln sucht. Thomas du Buy, seit Jahresbeginn neuer Geschäftsführer, kontert gelassen und mit einem passenden Vergleich: "Wir bleiben erstklassig und spielen weiterhin ganz oben mit."Wer den Direktoren-Verschleiß im Hause Simeonstraße 46 als Indiz für eine bevorstehenden Rückzug von Karstadt aus Trier interpretiert, liegt laut du Buy völlig falsch. "Das ist absoluter Quatsch. Und ich bin kein Nachlassverwalter.""Verstehen uns als Teil der City"

Freilich räumt er ein, dass die Trierer Filiale mit dem Bäumchen-Wechsel-Spiel an der Spitze zwangsläufig für Gesprächsstoff sorgte: "Es ist insbesondere für Karstadt nicht üblich, wenn binnen kurzer Zeit in einem Warenhaus zwei Geschäftsführer von Bord gehen."Den beiden Gegangenen (Otti Büsching im Juli 2002, Thomas Schöbel im August 2003) folgte Karl-Heinz Göttert, der, ohnehin als Übergangslösung in der Sim eingesetzt, nun die Filiale in Darmstadt leitet.Die Ära du Buy soll nach den Vorstellungen der Konzern-Zentrale weitaus länger dauern als die seiner Vorgänger. Der 40-Jährige bringt als Praktiker und Theoretiker das Rüstzeug und den Ehrgeiz mit, "die Szene in Trier aufzumischen - im positive Sinne wohlgemerkt, denn wir verstehen uns als Teil der City und wollen mit den Mitbewerbern an einem Strang ziehen".Der Mann mit dem hugenottischen Namen stammt aus Mönchengladbach-Rheydt. Als frisch gebackener Diplom-Kaufmann (Studium in Aachen) heuerte er 1990 bei Karstadt an; Stationen seiner Geschäftsführer-Karriere (seit 1995) sind Duisburg-Walsum, Goslar, Düsseldorf und Wiesbaden. Zuletzt verdiente er sich Meriten als Projekt-Entwickler in der Hauptverwaltung in Essen.Ein Musterknabe also? "Nein, so würde ich das nicht sagen, aber der Vorstand weiß, dass ich sein Vertrauen rechtfertigen will."Du Buys Auftrag: "Mit mir soll wieder Kontinuität Einzug halten, damit wir Trierer Karstädter durch Festigung und Ausbau unserer Marktposition eine langfristige Perspektive erreichen."Das soll zunächst durch "Optimierungsmaßnahmen in den Sortimenten" geschehen: "Wir wollen unser Waren-Angebot stimmiger, logischer präsentieren. Wir schaffen eine Warenwelt, die dem Bedarf unserer Kunden mehr entspricht als bisher."Das alles mit der bislang "schlanksten" Mannschaft. Vor Jahresfrist zählte Karstadt Trier (12 000 Quadratmeter Verkaufsfläche) 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - heute sind es 260.Neue Kollegen kommen demnächst: Anfang Februar eröffnet neben dem Eingang Treviris-Passage (wo sich die kürzlich ins ehemalige Spielzeugmuseum umgezogene Ticket-Verkaufsstelle "Kartenhaus" befand) ein "Super Cut"-Friseur-Salon. "Mit diesem Partner arbeiten wir in vielen unserer 200 Filialen zusammen."Und im zweiten Untergeschoss bietet Karstadt ab Frühjahr und passend zur Landesgartenschau in Trier eine dreimonatige Verkaufsausstellung rund um den Garten.Spätestens bis dahin will sich Thomas de Buy den notwendigen Überblick verschafft haben. Dass die Fastnachtszeit vor der Tür steht, empfindet der derzeit noch im Hotel lebende "Karnevals-Sympathisant", dessen ältester von zwei Söhnen als Wiesbadener Kinderprinz das Narrenzepter schwang, durchaus als förderlich beim Kennenlernen "dieser sehr interessanten Stadt". Trier kannte er, wie er freimütig einräumt, bis zu seiner Entsendung "nur vom Hörensagen". Und das auch nicht etwa als Deutschlands älteste Stadt, sondern wegen der bundesweiten Sonderstellung als gutes Einzelhandels-Pflaster mit internationalem Kunden-Einzugsgebiet: "In unserer Zentrale heißt es immer: Wenn wir nicht in Trier vertreten wären, dann wäre das ein Armutszeugnis für uns."