Peter Doherty

Die einstige Skandalnudel scheint angekommen. Doherty glänzt mit stimmigen Indie-Stücken, die den erwachsenen Rocker ebenso durchscheinen lassen wie den einstigen Vorzeige-Rebellen.

Drogen, Kate-Moss-Boyfriend, Abstürze, aber auch rauschende Alben mit The Libertines, das ganz große Indie-Versprechen aus Rebellion und Todessehnsucht. Es scheint vorbei, man mag es dem Menschen Doherty gönnen. Doch ganz egoistisch wünscht man sich weiterhin große Kunst, die sich so oft aus den Qualen des Künstlers presst. Peter Doherty gelingt der Spagat. Mittlerweile wohnt er in Hamburg und ist dort so etwas wie das heimliche Maskottchen der Stadt. Man sieht ihn in Trikots von unterklassigen Fußballvereinen oder freundlich interessiert an Wahlständen abhängen. Musik macht er auch, in den Clouds-Hill-Studios. Hier hat er "Hamburg Demonstrations" aufgenommen, sein erster Soloschlag seit 2009, und ein Album geschaffen, das in seiner runden Brillanz qualitativ nahtlos an sein Frühwerk anschließt und in einer Reihe mit den besten Clash-Alben stehen darf. Es fehlen die torkelnden Absturznummern, dafür gibt es viele ruhige Momente, die ihren Zauber in Schönheit und nicht in blutenden Füßen in einem Scherbenmeer beziehen. "Flags From The Old Regime" ist so ein Song, "Kolly Kibber" beinhaltet die große britische Songwriterschule, "I Don‘t Love Anyone" ist ein zeitloser Love-Song. Doherty schmiedet weiterhin fleißig an seinem Denkmal, dem des Genies unter Wahnsinnsverdacht, des Chronisten einer Welt, in der Poeten Pubs zertrümmern.

ANSPIELTIPPS
"The Whole World Is Our Playground", "Kolly Kibber" und "I Don‘t Love Anymore"

FAZIT
Auch ohne Leid ist Doherty einer, der nach den Sternen greift.