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Behandlung und Vorbeugung von Leberkrankungen

Doctor with stethoscope and liver on the hands in a hospital. High resolution.
Doctor with stethoscope and liver on the hands in a hospital. High resolution. FOTO: (82789719)
Die Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ist eine von 15 medizinischen Fachabteilungen am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Die Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ist eine von 15 medizinischen Fachabteilungen am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier.

Behandlungsschwerpunkte der Allgemein - und Viszeralchirurgie sind gutartige und bösartige Erkrankungen im Bauchraum, an Darm, Magen, Leber und Bauchspeicheldrüse sowie der Schilddrüse. Die Abteilung ist chirurgischer Partner in den verschiedenen Kompetenzzentren des Krankenhauses, wie z.B. dem Onkologischen Zentrum. Hier arbeiten die Spezialisten der Abteilung für Innere Medizin I unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Christian Kölbel und das chirurgische Ärzteteam der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Detlef M. Ockert mit weiteren Fachabteilungen sowie externen Partnern interdisziplinär zusammen.
Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund im Nachgang zum 2. Trierer Lebertag beantworten die beiden Chefärzte Professor Ockert und Professor Kölbel ausgewählte Fragen rund um das Thema "Lebererkrankungen", deren Behandlung und Vorbeugung.

Schätzungen zufolge leiden sechs bis sieben Millionen Menschen in Deutschland an einer Lebererkrankung; allein von einer Fettleber sind rund fünf Millionen Deutsche betroffen. Diese wird durch übermäßiges Essen sowie einen erhöhten Alkoholkonsum verursacht. Aber auch die verschiedenen Formen von Virushepatitis stellen für Hunderttausende Deutsche ein Problem dar.

Wie viele Patienten mit Leberproblemen haben Sie jährlich, und welche Probleme sind es vor allem?

Prof. Dr. Kölbel: Stationär behandeln wir in der Inneren Medizin etwa 300 Patienten mit fortgeschrittenen Lebererkrankungen. Es handelt sich dabei meist um Patienten mit Leberzirrhose aufgrund von Alkoholschäden oder chronischen Viruserkrankungen der Leber, etwa der Hepatitis C. Die Symptome, die zur Aufnahme führen sind zum Beispiel Bauchwassersucht, Hirnleistungsstörungen und Blutungen aus Magen und Speiseröhre.
15 Patienten stellen wir jährlich mit der Frage nach einer Lebertransplantation in der Universitätsklinik Mainz vor; effektiv transplantiert werden aber nur einzelne, auch weil nicht jeder Patient dafür in Frage kommt und weil Organe knapp sind.

Was genau bedeutet die Diagnose "Fettleber"?

Prof. Dr. Kölbel: Von einer Fettleber sprechen wir, wenn in der Leber 50% und mehr der Leberzellen Fettablagerungen aufweisen. Sie entsteht durch die übermäßige Speicherung von Nahrungsfett in der Leber. Ursache hierfür sind Überernährung ("zu fett, zu süß, zu viel"). Aber auch überhöhter Alkoholkonsum kann zu einer Fettleber führen, weil Alkohol in der Leber zum Teil in Fett umgewandelt wird. Die verstärkte Fetteinlagerung kann zu einer chronischen Entzündung der Leber ("Fettleberhepatitis") und über Jahre oder Jahrzehnte zu einer Leberzirrhose führen.

Wie kann man einer Fettleber vorbeugen?

Prof. Dr. Kölbel: Eine Fettleber lässt sich durch eine ausgewogene Ernährung vermeiden. Die "großen Sünden", gerade bei Jugendlichen, sind der übermäßige Konsum von zuckerhaltigen Getränken; aber auch fette und kalorienreiche Schnellgerichte ("Fast Food") oder der schnelle Snack zwischendurch. Wenn mehr Menschen ihre Nahrung selbst zubereiten würden, würde auch die Fettleber deutlich seltener entstehen. Alkohol sollte nur in Maßen genossen werden. Regelmäßiger Sport unterstützt eine ausgewogene Ernährung. Es ist zu befürchten, dass die Fälle von Fettleber in unserer Gesellschaft zunehmen werden, da auch schon Kinder und junge Erwachsene übergewichtig sind und sich sehr wenig bewegen.

Wie kommt es zu einer Lebervergrößerung?

Prof. Dr. Kölbel: Die häufigste Ursache der Lebervergrößerung ist die Fettleber. Aber auch jede Entzündung der Leber, jede Hepatitis, kann zu einer entzündungsbedingten Schwellung des Organs führen. Seltener sind Blutstauungen in der Leber, etwa wenn die Herzkraft nachlässt und damit Blut nur erschwert aus der Leber ins Herz abfließen kann.

Kann man einer Viruserkrankung der Leber vorbeugen?

Prof. Dr. Kölbel: Gegen Hepatitis A ("Reisehepatitis") und B (bei uns meist sexuell übertragbar) stehen gut verträgliche und hoch wirksame Schutzimpfungen zur Verfügung. Die Hepatitis B-Impfung schützt auch vor der sehr seltenen Hepatitis D. Gegen Hepatitis C, die bei uns heutzutage meistens durch Austausch verunreinigter Nadeln im Drogenmilieu übertragen wird, gibt es keinen Impfstoff. Die gute Nachricht ist jedoch, dass diese Erkrankung seit einem Jahr durch gut verträgliche Medikamente ausgeheilt werden kann. Es bleibt jedoch noch viel zu tun: Etwa jeweils 250.000 Menschen leiden in Deutschland an einer chronischen Hepatitis B und C. Nicht wenigen droht unbehandelt eine Leberzirrhose oder gar Leberkrebs.

Wie merkt man, dass man leberkrank ist?

Prof. Dr. Kölbel: Die Leber ist ein sehr gutmütiges Organ, das viel aushält. "Der Schmerz der Leber ist die Müdigkeit", heißt es. Gemeint ist chronische Müdigkeit und Erschöpfung. Gelbsucht ist bereits Ausdruck einer schweren Leberschädigung, bedeutet aber nicht, dass der Betroffene nicht wieder vollkommen gesund werden kann. Heilt eine über Jahre chronische Leberentzündung aus, dann verfügt die Leber über eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit.

Was geschieht, wenn jemand einen Lebertumor hat?

Prof. Dr. Kölbel: Die meisten "Lebertumore", die etwa bei einem Routine-Ultraschall entdeckt werden, sind gutartig und oft harmlos. Dies zu beurteilen setzt große Erfahrung beim untersuchenden Arzt voraus. Häufig wird er dann auch einen Kontrastmittel-Ultraschall durchführen. In vielen Fällen kann allein damit die Entscheidung "gut- oder bösartig" getroffen werden. Manchmal sind weitere Untersuchungen (CT oder Kernspin) notwendig. Gutartige Tumoren (etwa kleine Blutschwämmchen oder kleine Zysten) bedürfen meist keiner Therapie. Sie rasch zu erkennen, ist ganz wichtig, auch um gesunde Menschen nicht unnötig mit Krebsangst zu belasten.

Ergeben sich Anhaltspunkte für Bösartigkeit wird im Ärzteteam, etwa im Rahmen einer Tumorkonferenz entschieden, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu ergreifen sind. Besiegelte früher die Diagnose "bösartiger Lebertumor" das Schicksal des Patienten, so können heutzutage auch größere Tumoren aus der Leber entfernt und der Patient geheilt werden.

Wie gefährlich sind Lebermetastasen und Leberkrebs?

Prof. Dr. Ockert: Lebermetastasen und Leberkrebs sind unbehandelt tödlich. Heute jedoch können Lebermetasen sehr gut chirurgisch, oder kombiniert chirurgisch und onkologisch, behandelt werden. In der Regel sind das Lebermetastasen von Dickdarm- und Enddarmkrebs. Patienten mit einem Leberkrebs, der sich in eine Leberzirrhose entwickelt hat, werden heute lebergewebsschonend, d.h. ohne einen größeren "gesunden" Lebergewebesaum operiert. Bei einer Radiofrequenzablation wird der Tumor durch Stromanwendung über eine Sonde "verkocht". Das kann man unter Ultraschallführung sehr genau platzieren. Dieses Verfahren lässt sich auch durch Punktion von außen durchführen. Die Chemoembolisation ist ein weiteres schonendes Verfahren, welches durch einen Katheter, der durch die Leistenarterie eingeführt wird, ein Chemotherapeutikum in den Tumor spritzt. Dabei werden zusätzlich durch ein Harz die ernährenden Tumorgefäße verstopft, so dass das Chemotherapeutikum möglichst lange wirkt. Alle diese Methoden können auch mit der Operation kombiniert werden.

Kommen Leberoperationen häufig vor?

Prof. Dr. Ockert: Wir haben etwa 60 Leberoperationen im Jahr, die Hälfte davon wegen Metastasen in der Leber. In vielen Fällen kommen andere Behandlungsformen dazu: Bestrahlung, Chemo- und Immuntherapie. Bei Metastasen gilt, dass die Hälfte der Patienten längerfristig überlebt, je nach Ausbreitung des ursprünglichen Tumors.

Wie gefährlich sind Leberschäden durch den Fuchsbandwurm?

Prof. Dr. Ockert: Je nach Region kommt der Fuchsbandwurm relativ häufig vor. Er kann schnell wachsende Zysten verursachen, die dann operiert werden müssen. Oft wird vor und nach der Operation ein Wurmmedikament gegeben. In vielen Fällen kann der Patient geheilt werden.
Prof. Dr. Kölbel: Das Problem ist, dass man lange nichts merkt, höchstens ein Druckgefühl im Bauch. Ich habe jedes Jahr drei bis vier Patienten mit Fuchsbandwurm. Diese haben zum Beispiel einen Garten am Waldrand, der von Füchsen "besucht wird" oder der Bandwurm wurde durch Hund oder Katze übertragen.

Was ist, wenn ein Patient neben der Lebererkrankung auch weitere Begleiterkrankungen hat?

Prof. Dr. Ockert: Das Brüderkrankenhaus Trier ist ein Haus der Schwerpunktversorgung. Patienten mit Begleiterkrankungen, z.B. Herz- oder Nierenerkrankungen, neurologische oder rheumatologische Erkrankungen, werden hier interdisziplinär betreut. Im Bereich der Inneren Medizin ist das Haus sehr gut aufgestellt. Wenn notwendig, kommen verschiedene Ärzte gemeinsam zur Visite. Es spielt dann keine große Rolle, in welcher Abteilung der Patient liegt.