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Das Herzzentrum Trier
Gebündelte Herzkompetenz für die Region

FOTO: Brüderkrankenhaus Trier
Trier. Im Rahmen einer Gründungsveranstaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier wurde am Mittwoch, 28. November 2018 vor mehr als 150 geladenen Gästen das überregionale Herzzentrum Trier vorgestellt. Dieses besteht aus den drei Kernabteilungen Kardiologie, Herzchirurgie und Rhythmologie des Brüderkrankenhauses sowie internen und externen Kooperationspartnern. Es versteht sich als Anlaufstelle und Referenzzentrum für alle Therapieformen von Herzerkrankungen in der Region.

Den kardiologischen Schwerpunkt hat das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier schon seit Ende der 80er Jahre. Anfang der 90er Jahre wurde hier die dritte Herz- und Thoraxchirurgie in Rheinland-Pfalz etabliert. Kürzlich wurde das Brüderkrankenhaus als einziges überregionales Herzinsuffizienzzentrum (HFU-Zentrum) in der Region und eines von deutschlandweit nur 21 überregionalen HFU-Zentren zertifiziert. In der Region ist es das einzige Krankenhaus mit einer Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie.

„Die erste Herzkatheteruntersuchung wurde vor fast drei Jahrzehnten durchgeführt, und zwar am 16. Januar 1989“, erinnert sich Dr. med. Karl Eugen Hauptmann, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin III / Kardiologie, an seine erste Herzkatheteruntersuchung im Brüderkrankenhaus Trier, die er an einer Zwei-Ebenen-Coronar-Angiographie-Anlage durchführte. Schon im ersten Jahr erfolgten 1.000 Herzkatheteruntersuchungen, im zweiten gar 2.000. Umfassende Erfahrungen auf diesem Gebiet hatte Dr. Hauptmann im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern und in einer großen Katheterambulanz der Rot-Kreuz-Kliniken Frankfurt in den 1980er Jahren sammeln können. Im Zuge der Modernisierung der Kardiologie wurde 1994 ein zweiter Herzkathetermessplatz in Betrieb genommen.

Am 1. Juli 1991 eröffnete dann die Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie im Brüderkrankenhaus Trier, als dritte Klinik in Rheinland-Pfalz nach dem Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern (1982) und der Klinik und Poliklinik für HTG der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die erste Operation am offenen Herzen wurde Ende August 1991 durchgeführt. Ende Juni 1997 bezog die Abteilung einen vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen des Programms „Ausbau der Herzchirurgie“ geförderten Neubau. Dort standen fortan zwei OP-Säle mit entsprechenden Nebenräumen sowie 16 Intensivpflegebetten (davon acht für Herz- und Thoraxchirurgie sowie weitere acht für kardiologische Intensivmedizin), mit einer unmittelbaren Anbindung der OPs an die zugehörige Intensivstation. Heute gibt es in Rheinland-Pfalz fünf herzchirurgische Abteilungen, mit dem Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz und dem Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein GmbH. Die Trierer Herzchirurgen sind für das nördliche Rheinland-Pfalz und den gesamten Moselraum der zentrale Versorger.

2006 wurde im Brüderkrankenhaus ein Labor für elektropyhsiologische Untersuchungen eingerichtet, Anfang 2010 die Sektion Elektrophysiologie als rhythmologische Spezialabteilung der Kardiologie. Im Oktober 2016
bezog die Rhythmologie dann eigene Räumlichkeiten. Die Abteilung Rhythmologie der Inneren Medizin III ist eine Spezialabteilung, die sich mit der Diagnostik und Therapie sämtlicher Formen von Herzrhythmusstörungen beschäftigt und diese in der gesamten Großregion sicherstellt. So lässt sich heute eine Vielzahl von Herzrhythmusstörungen im Herzkatheterlabor minimalinvasiv diagnostizieren und erfolgreich behandeln. Ein weiterer Schwerpunkt der Rhythmologie liegt in der Behandlung der Herzinsuffizienz, bei der unter anderem spezielle Herzschrittmacher- und Defibrillatorsysteme implantiert werden. In regelmäßigen Abständen müssen die Patienten sich und die implantierten Systeme von den Experten der Rhythmologie ambulant untersuchen lassen.

In der Abteilung Innere Medizin III / Kardiologie werden heute als überregionales Zentrum für Herzerkrankungen rund um die Uhr vier moderne Herzkatheteranlagen vorgehalten. Ohne Zeitverlust für die Patienten können somit notwendige Herzkatheteruntersuchungen zur Diagnostik und Therapie bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen und der großen Arterie im Thoraxraum durchgeführt werden. In dem 2011 eröffneten Hybrid-/Herzkatheterlabor führen Herzchirurgen und Kardiologen zusammen im Team komplexe interventionelle Eingriffe durch.

Interdisziplinäre Strukturen für eine optimale Patientenversorgung

Die Zahl der Eingriffe, die von Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam durchgeführt werden, ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Im Brüderkrankenhaus ist die Abteilung für Innere Medizin III auch verantwortlich für die Patienten auf der herzchirurgischen und internistischen Intensivstation. Die Zusammenarbeit mit den Herzchirurgen auf der Intensivstation sei der Einstieg in das Herzzentrum gewesen, erklärt Dr. Hauptmann und ergänzt: „Der demographische Wandel auf der einen und die technischen Entwicklungen in Kardiologie und Herzchirurgie auf der anderen Seite bedingen neue Strukturen, um den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen und Chancen ergreifen zu können.“ Es sei notwendig, Strukturen zu schaffen, die die weitergehende Kooperation der Fachabteilungen unterstützen. Dazu sei ein interdisziplinärer Ansatz notwendig, der die verschiedenen Arbeitsbereiche (konservativ, interventionell, rhythmologisch, chirurgisch, hybrid) zusammenführt und damit eine individualisierte Therapie ermögliche, die auf die besonderen Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnitten ist.

Die Organisationsstruktur des neuen Herzzentrums mit drei Kernabteilungen sowie internen und externen Kooperationspartnern führt einerseits zu einer verbesserten Patientenversorgung und erreicht andererseits durch kurze Wege, definierte Behandlungspfade und Ressourcenteilung sowie Vermeidung von Doppeluntersuchungen eine hohe Effizienz. Für die integrale Behandlung von Herzerkrankungen bietet das Herzzentrum Trier beste Voraussetzungen und Rahmenbedingungen auf dem neuesten Stand der Medizintechnik.

Das überregionale Herzzentrum Trier besteht aus den Fachabteilungen Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Dr. med. Karl Eugen Hauptmann, der Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie unter Leitung von Chefarzt
Professor Dr. med. Ivar Friedrich sowie der Rhythmologie unter Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. med. habil. Frederik Voss. Zu den internen Kooperationspartnern gehören die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, die Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und Neurologische Frührehabilitation mit
Schlaganfalleinheit, das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin, die Pneumologie der Abteilung für Innere Medizin III, die Abteilung für Innere Medizin II (Nephrologie und Dialyse, Hochdruckerkrankungen, Rheumatologie/Immunologie, Endokrinologie / Diabetologie /Angiologie) und das Zentrum für Notaufnahme. Extern arbeitet das Herzzentrum im Bereich der Kunstherzen mit dem Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen zusammen.

„Ziel des Herzzentrums Trier ist es, sämtliche Patienten mit Erkrankungen des Herzens strukturiert und nach dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft im Herz-Team zu behandeln“, erklärt Professor Dr. Ivar Friedrich, Chefarzt der Herz- und Thoraxchirurgie.

Diagnostik und Therapie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft

Als überregionales Versorgungszentrum für alle kardiovaskulären Erkrankungen im Erwachsenenalter sowie für Erkrankungen der thorakalen Gefäße bietet es Diagnostik und Therapien, die dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen. „Das Herzzentrum Trier steht mit seinen Angeboten allen Patienten als direkter Ansprechpartner zur Verfügung, versteht sich als Kooperationspartner niedergelassener Ärzte und bietet seine Kompetenz und seine technische Ausstattung als Referenzzentrum für alle umliegenden Kliniken an“, sagt Privatdozent Dr. Frederik Voss, Chefarzt der Rhythmologie.

Im Herzzentrum Trier werden Patienten mit sämtlichen kardiovaskulären Erkrankungen behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf invasiven Therapieverfahren von angeborenen und erworbenen Herzklappenfehlern, Herzrhythmusstörungen, arteriosklerotischen Herzkranzgefäßerkrankungen, Herzmuskelerkrankungen sowie Erkrankungen der thorakalen Aorta.

Durch die Etablierung eines Herzzentrums sollen Behandlungspfade sowie Prozesse und Strukturen definiert werden. Generell erfolgt die Therapieentscheidung in einem interdisziplinären Herz-Team. Das Herz-Team setzt sich aus den Chef- und Oberärzten sowie Fachärzten der Kernabteilungen zusammen.

„Ziel des Herz-Teams ist es, die Therapie des Patienten auf eine breite Basis zu stellen und damit die unterschiedlichen Kompetenzen in die Entscheidungen zur Behandlung mit einfließen zu lassen“, ergänzt Dr. Hauptmann. Die Enscheidungen werden mit Hilfe strukturierter Abläufe erleichtert. Diese werden als standardisierte Verfahrensanweisungen, sogenannte SOPs (Standard Operation Procedures) an- hand vorliegender Leitlinien der Fachgesellschaften schriftlich abgelegt.

Zusätzlich werden qualitätssichernde Maßnahmen im Herzzentrum für alle Abteilungen verpflichtend umgesetzt. Dazu zählen u.a. regelmäßige Mortalitäts- und Morbiditätskonferenzen und ein jährlicher Qualitätsbericht. Neben der gemeinsamen Betreibung von Intensivstation und Intermediate Care Station verpflichten sich die Abteilungen im Herzzentrum zum gemeinsamen Aufnahme- und Entlassmanagement sowie einem gemeinsamen Konzept für die Ambulanzen.