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Schilddrüse
Die Crux mit Kropf und kalten Knoten

Die Crux mit Kropf und kalten Knoten
Die Crux mit Kropf und kalten Knoten FOTO: Brüderkrankenhaus
Wie krankhafte Veränderungen der Schilddrüse therapiert werden können

Die Schilddrüse reguliert den Stoffwechsel von den Haaren bis zu den Knochen, betonte Professor Dr. med. Stefan Weiner die große Bedeutung des kleinen Organs. Doch Erkrankungen der Schilddrüse seien keine Seltenheit, führte der Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin II weiter aus – bis zu 20 Prozent der Bevölkerung seien betroffen. Zahlreiche Menschen waren ins Brüderkrankenhaus gekommen, um sich über Fehlfunktionen der Schilddrüse und deren Behandlung zu informieren. Bei der von Professor Dr. med. Detlef Ockert, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie moderierten Veranstaltung wurde einmal mehr deutlich, wie groß der Informationsbedarf ist.

Studien hätten gezeigt, dass bei rund einem Drittel der Menschen, die zuvor noch nicht an der Schilddrüse behandelt worden waren, eine Vergrößerung oder Knoten vorlägen, berichtete Dr. med. Kim Biermann, einer der beiden Ärztlichen Leiter der Sektion Nuklearmedizin im Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin. „Knoten sind ein alltäglicher Befund“, folgerte der Experte. Ob Handlungsbedarf besteht, lässt sich mittels Szintigrafie abklären. Hierbei wird eine schwach radioaktive Substanz in die Vene injiziert, um aussagekräftige Aufnahmen der Schilddrüse zu machen.

Auf diesen lässt sich erkennen, ob ein heißer oder kalter Knoten vorliegt. Bei letzteren handelt es sich um Bereiche der Schilddrüse, in denen kaum oder gar keine Hormone mehr gebildet werden. Umgekehrt werden in heißen Knoten mehr Hormone als üblich produziert. Bei heißen Knoten bieten sich zwei Verfahren an: eine Radiojodtherapie oder eine OP. In der großen Mehrzahl sind die Knoten gutartig. Während 95 Prozent der kalten Knoten unbedenklich seien, liege bei den restlichen 5 Prozent eine bösartige Veränderung vor – „und diese 5 Prozent gilt es durch eine weitere Abklärung herauszufischen“, erläuterte Dr. Biermann.

Dass der Chirurgie bei der Behandlung von Wucherungen und Knoten eine Schlüsselrolle zukommt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Jedes Jahr werden hierzulande 120.000 Schilddrüsen-OPs durchgeführt, berichtete Dr. med. Fadie El Odeh. Der Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie weiß, dass nicht wenige Menschen Angst vor einer Operation haben. Tatsächlich handelt es sich aber um einen komplikationsarmen Eingriff, auch weil bestimmte Risiken minimiert werden konnten. Der Chirurg nennt beispielhaft den Schutz des Stimmbandnervs, dessen Funktion während des Eingriffs ständig überprüft werde. Dauerhafte Schädigungen des Nervs seien sehr selten. Durch die „Schlüsselloch-Chirurgie“ lasse sich ein Teil der Eingriffe schonend durchführen, auch verlaufe die OP dank spezieller Clips und Verschweißungsgeräte fast blutungsfrei, obwohl es sich bei der Schilddrüse um ein stark durchblutetes Organ handelt.

Die Frage ist, wann die Schilddrüse operiert werden muss? Wenn ein Kropf (medizinisch ‚Struma‘), sprich eine gutartige Vergrößerung des Schilddrüsengewebes im Alltag zu spürbaren Beeinträchtigungen wie Schluck- oder Atembeschwerden führe, antwortete Dr. El Odeh. Auch bei den sehr selten vorkommenden bösartigen Veränderungen in der Schilddrüse ist eine OP unumgänglich, da trotz verschiedener Untersuchungsschritte eine endgültige Diagnose häufig nur im Zuge einer teilweisen oder vollständigen Entfernung des Organs gestellt werden könne, ergänzte der Chirurg.