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Eine große Chemiefabrik im menschlichen Körper

Die Leber ist das zentrale Organ unseres Stoffwechsels, sie ist mit etwa 1,5 Kilo Gewicht die größte Drüse im menschlichen Körper. Sie liegt im rechten Oberbauch, regelt den Fett- und Zuckerhaushalt, produziert Galle zum Fettabbau, lebenswichtige Eiweißstoffe, Gerinnungsfaktoren und speichert Vitamine.

Die Leber ist das zentrale Organ unseres Stoffwechsels, sie ist mit etwa 1,5 Kilo Gewicht die größte Drüse im menschlichen Körper. Sie liegt im rechten Oberbauch, regelt den Fett- und Zuckerhaushalt, produziert Galle zum Fettabbau, lebenswichtige Eiweißstoffe, Gerinnungsfaktoren und speichert Vitamine.

Pro Minute fließen 1,5 Liter Blut durch die Leber, das sind etwa 2000 Liter pro Tag. "Die Leber ist unsere chemische Fabrik, die Stoffwechselprodukte, Medikamente und Giftstoffe abbaut und ausscheidet", erklärte Prof. Dr. med. Detlef Ockert, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier den etwa 40 interessierten TV-Lesern, die den Expertenvortrag am 2. Dezember 2015 im Albertus-Magnus-Saal besuchten.
In den weiteren Vorträgen von Prof. Dr. med. Christian Kölbel, Hepatologe und Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I sowie Dr. med. Stefan Franzen, Leitender Oberarzt und Experte für Leberchirurgie, wurden verschiedene Erkrankungen der Leber und ihre Behandlung anschaulich geschildert.

Hepatitis ernst nehmen

Die Leber ist sehr widerstandsfähig und kann auch dann noch ihre Aufgaben erfüllen, wenn sie teilweise geschädigt ist. Werden Leberschäden jedoch zu spät erkannt, kann dies zu ernsten Komplikationen, letztlich zu einer Leberzirrhose (das ist eine Verhärtung der Leber) führen. Alle chronischen Lebererkrankungen können prinzipiell, wenn sie nicht behandelt werden, zu dieser Komplikation führen. Eine Entzündung der Leber oder Hepatitis kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Hier sind z.B. die Virushepatitiden A, B, C, D und E zu nennen. Alkohol oder Überernährung können zu einer Verfettung der Leber führen. Stoffwechselerkrankungen (z.B. eine krankhafte Eisenspeicherung) sind seltener Ursache einer Leberentzündung. Lebererkrankungen gehen häufig mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit einher. Kommt es zu Gelbsucht oder dunklen Urinverfärbungen, ist von einer ernsthaften Leberschädigung auszugehen. " In jedem Fall muss zunächst die Ursache identifiziert werden", erklärte Prof. Dr. med. Christian Kölbel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I. Dies erfolgt zunächst durch eine Blutuntersuchung und im Falle erhöhter Leberwerte einem Ultraschall der Leber, den meist der Hausarzt durchführen kann. Erhärtet sich der Verdacht, zeigen Kernspin oder Computertomographie Genaueres. "Bei Hepatitis kann der Gallenfarbstoff nicht mehr in den Darm transportiert werden und geht daher ins Blut über", erklärte der Chefarzt. Dies ist ein Symptom, das als Gelbsucht bezeichnet wird. Prinzipiell kann jede entzündliche Lebererkrankung, wie etwa die Virushepatitiden, mit einer Gelbsucht einhergehen. Die Hepatitis A, die sogenannte Reisehepatitis, wird häufig durch verunreinigte Lebensmittel übertragen (sog. Schmierinfektion). Früher trat sie häufig bei Kindern auf, verbesserte Hygienebedingungen haben diese Erkrankung bei uns selten gemacht. Bisweilen erkranken die Menschen auf Reisen in Ländern mit niedrigerem Hygienestandard. Glücklicherweise steht eine gut verträgliche Schutzimpfung zur Verfügung. Auch gegen Hepatitis B, die häufig in Asien und dem pazifischen Raum auftritt, gibt es einen Impfstoff. Im Gegensatz zur Hepatitis A kann die Hepatitis B chronisch verlaufen. Etwa 250.000 Menschen in Deutschland leiden an dieser Erkrankung. Viele Menschen wissen nichts von ihrer Erkrankung.
Die Hepatitis B wird durch Blut und ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen, heilt in 85 Prozent der Fälle aus. Chronische Erkrankungen können heute mit gut verträglichen Medikamenten behandelt werden. Gegen die Hepatitis C steht leider keine Impfung zur Verfügung. Diese Erkrankung wurde früher vor allem über verunreinigte Blutprodukte übertragen. Inzwischen sind unsere Blutprodukte aber sicher. Ein hohes Risiko für diese Erkrankung haben Drogenabhängige, die ihre verunreinigten Nadeln austauschen. Sexuell wird diese Erkrankung nur ganz selten übertragen. Bis zu 400.000 Menschen in Deutschland leiden an der Hepatitis C, die in 2/3 der Fälle chronisch verläuft. Neue nebenwirkungsarme Medikamente ermöglichen seit kurzem eine Ausheilung dieser Erkrankung, freute sich Kölbel.

Fettleber durch westlichen Lebensstil

Die häufigste Lebererkrankung ist mittlerweile die Fettleber. Dazu trägt unser Lebenstil mit reichhaltigem Essen und wenig Bewegung bei. Alkohol spielt eine große Rolle bei der Entstehung der Fettleber. Frauen vertragen in der Regel weniger Alkohol als Männer. Die empfohlene Menge liegt bei 1/8 Liter Wein bei Frauen und einem ¼ Liter bei Männer pro Tag. Eine Alkoholpause ist in jedem Falle günstig. Langfristig kann die Fettleber auch zu einer Leberzirrhose führen. Dabei kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen, sie wird härter und schrumpft. Moderne Leberchirurgie "Aufgrund von deutlich verbesserten Operationstechniken und Weiterentwicklungen von diagnostischen und anästhesiologischen Verfahren ist die Leberchirurgie in geübten chirurgischen Händen heute eine sichere und blutarme Operation", erklärte Dr. med. Stefan Franzen, Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. "Grundsätzlich kann die Leber nachwachsen, so dass bis zu 75 Prozent einer gesunden Leber operativ entfernt werden dürfen. Insbesondere bei der operativen Entfernung von bösartigen Lebertumoren wird heutzutage jedoch besonderes Augenmerk auf die sparsame Entfernung des Lebergewebes gelegt", erläuterte der Experte für Leberchirurgie. Da die Leber keine Nerven hat und Schmerzen eher selten auftreten, werden Lebertumore oft nur zufällig entdeckt. Gutartige Lebertumore und Zysten müssen oft nicht operiert werden, im Gegensatz zu Cysten von Fuchs- und Hunde-Bandwürmern. Leber- und Gallenkrebs sowie Lebermetastasen sind - falls möglich - immer ein Grund zur Operation. "15 bis 25 Prozent der Metastasen können operativ entfernt werden, weitere 20 bis 25 Prozent sind in Kombination mit anderen Verfahren, z.B. Chemotherapie und Immuntherapie operabel. Der Rest muss onkologisch behandelt werden", sagte Dr. Franzen. Er schilderte die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen im Brüderkrankenhaus und zeigte anschaulich die Entfernung von Tumoren, etwa durch keilförmige Schnitte, Laser, Radiofrequenztherapie und fokussierten Ultraschall. Auch wiederholtes Entfernen von Lebermetastasen sei erfolgreich und sinnvoll, betonte er. "Heute können Metastasen entfernt werden, die früher als inoperabel galten." Während der Operation wird Ultraschall zur Kontrolle eingesetzt. "Unser Grundsatz ist: so viel Gewebe wie nötig und so wenig wie möglich entfernen."