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Von harmlosen Zysten und bösartigen Tumoren

Gefragte Mediziner bei Veranstaltung zu Galle und Bauchspeicheldrüse im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier

Manchen läuft mal was "über die Leber", anderen kommt sprichwörtlich die Galle hoch - solcherart Redewendungen beschreiben mentale und meist rasch wieder abklingende Verstimmungen. Kommt es jedoch zu organischen Beschwerden im Bereich von Leber, Gallengang- und -blase sowie der für den menschlichen Körper nicht minder wichtigen Bauchspeicheldrüse, sind die Leiden oft langwieriger und bisweilen auch gravierend. Von der harmlosen Leberzyste über den gut zu behandelnden Gallenstein bis hin zum bösartigen Bauchspeicheldrüsenkrebs reichte das Themenspektrum einer Patienten-Informationsveranstaltung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier. Derart groß waren Resonanz und Wissbegierde der rund 200 Besucher, dass die gefragten Mediziner im Anschluss an ihre Vorträge in persönlichen Gesprächen noch länger Rede und Antwort standen.

Zum Auftakt konnten sich die Besucher ein Bild von der Bedeutung und Funktionsweise der wichtigsten Verdauungsdrüsen des menschlichen Körpers machen. Professor Dr. Christian Kölbel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin I des Brüderkrankenhauses, führte anschaulich in das Thema ein und ging sodann auf weitverbreitete Leiden ein. Während zwei Drittel der Menschen mit einem oder mehreren Gallensteinen von diesen ein Leben lang unbehelligt bleiben, verursachen sie beim anderen Drittel über kurz oder lang schmerzhafte Koliken oder andere Beschwerden. Zwar handele es sich um "Erkrankungen des höheren Lebensalters", erklärte Kölbel, doch behandle er immer häufiger auch schon junge Menschen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, eine sitzende Lebensweise und starkes Bauchfett besondere Risikofaktoren.

Doch ob sich ein Stein bildet, hängt häufig auch von der individuellen chemischen Zusammensetzung des Gallensaftes zusammen, erklärte Kölbel, weshalb Gallensteine in manchen Familien gehäuft und bei manchen Menschen immer wieder auftreten. Mache sich ein Stein auf die Reise und setze sich im Gallengang oder gar im Übergang von der Bauchspeicheldrüse in den Gallengang fest, nehme die Erkrankung unter Umständen einen bedrohlichen und in jedem Falle schmerzhaften Verlauf, so Kölbel weiter. Dann sei keine Zeit mehr zu verlieren, warnte er. Kliniken in der Größenordnung des Trierer Brüderkrankenhauses halten deshalb eine Notfallendoskopie bereit, die an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr besetzt ist.

Wurde der Gallenstein erfolgreich entfernt, klingen die Schmerzen rasch ab. Dennoch muss sich der Patient einem weiteren minimalinvasiven Eingriff unterziehen - der Entfernung der Gallenblase per Laparoskopie. Diese Schlüssellochtechnik wird heute bei 95 Prozent aller Gallen-OPs angewandt, erläuterte Professor Dr. Detlef Ockert. Überhaupt handele es sich um einen Routineeingriff ohne höheres OP-Risiko, dem sich hierzulande jährlich über 190000 Menschen unterzögen, berichtete der Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Nach einem stationären Aufenthalt von zwei bis drei Tagen könnten die meisten Patienten das Krankenhaus wieder verlassen. Meist erinnern kurze Zeit später nur noch winzige Narben an Nabel und Oberbauch an den Eingriff.

Wie beim Gallenstein bleiben auch Zysten meist zunächst unentdeckt, da sie beim Gros der Betroffenen anfangs keinerlei Beschwerden verursachen. Bei einer Zyste handelt es sich um eine Blase oder einen Hohlraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist, erklärte Dr. Stefan Franzen. Rund 5 Prozent der Menschen hätten eine oder mehrere Zysten in der Leber, so der Chirurg und Leitende Oberarzt. Bei manchen ist die Ansammlung der Blasen in der Drüse derart ausgeprägt, dass von einer "Zystenleber" gesprochen wird. Doch in den weitaus meisten Fällen handelt es sich hierbei um sehr harmlose Befunde, die häufig angeboren und gutartig seien, konnte Franzen beruhigen. Eine OP sei deshalb nur dann angezeigt, wenn Zysten aufgrund ihrer Größe Schmerzen und Beschwerden bewirkten, etwa indem sie auf andere Organe drückten, erklärte der Chirurg. Entfernt wird die Blase auch dann nicht, vielmehr wird eine sogenannte Leberzystenentdeckelung vorgenommen. Hierbei wird auf minimalinvasivem Wege ein größeres Loch in die Zyste geschnitten und möglichst viel Flüssigkeit abgesaugt. Anschließend fällt die Blase, einem Luftballon gleich, in sich zusammen. Aufwendiger stellt sich das Verfahren bei Zysten da, die auf eine parasitäre Infektion wie den dreigliedrigen Hundebandwurm zurückzuführen sind. Hier müssen die Zysten vollständig aus dem Körper entfernt werden. Die Patienten werden vor und nach der OP zusätzlich medikamentös behandelt.

Verglichen mit Leber und Gallenblase führt die Bauchspeicheldrüse anatomisch gesehen ein eher verborgenes Dasein. Verdeckt von Magen und Dickdarm ist ihre Bedeutung für die Verdauung jedoch erheblich. So liefert die Drüse täglich rund 1,5 Liter Sekret, das dem Darm wichtige Enzyme für die Verdauung von Eiweißen, Fetten und Zuckern zuführt. Hinzu kommt, dass in der Bauchspeicheldrüse das immens wichtige Hormon Insulin gebildet wird, erklärte Dr. Michael Knoll. Laut dem Leitenden Oberarzt der Inneren Medizin I des Brüderkrankenhauses leiden rund 60 von 100.000 Menschen an einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese wiederum ist häufig auf exzessiven Alkoholkonsum zurückzuführen. Wie in der Leber können auch in der Bauchspeicheldrüse Zysten auftreten, doch anders als bei den in aller Regel unbedenklichen Leberzysten können sich hinter ihnen häufiger auch schwerwiegende oder sogar bösartige Erkrankungen verbergen. All das lasse sich heute aber mithilfe von Ultraschall und Endosonographie abklären, so Knoll.

Entzündet sich die Bauchspeicheldrüse, handelt es sich bis heute um eine lebensbedrohliche Erkrankung, an der nach wie vor bis zu 20 Prozent der Menschen versterben, erklärte derweil Ockert. Der Chirurg widmete sich zum Abschluss der Veranstaltung den bösartigen Tumoren der Gallenwege und Bauchspeicheldrüse. Diese sind zwar sehr selten, aber in ihrem Verlauf besonders schwerwiegend, berichtete Ockert. Besonders heimtückisch: Die Erkrankung wird meist erst in einem relativ fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, da auch die Symptome in der Regel erst spät auftreten und häufig noch derart unspezifisch sind, dass sie nicht sofort auf einen bösartigen Tumor schließen lassen. Sind bereits Metastasen aufgetreten, werde in aller Regel nicht mehr operiert. Auch eine Chemotherapie vermag diesen Krebs meist nicht mehr zu heilen. "Was wir aber erreichen können, ist, dass den Betroffenen noch zwei bis drei Jahre bleiben, die sie mit einer relativ guten Lebensqualität erleben können", so Ockert.

FOTO: Willy Speicher