Unser erstes Mal : Belgien im 4-Tonner

TV-Mitarbeiterin Regina Lüders hat mit zunächst klopfendem Herzen, Mann, drei Kindern und Hund an Bord ein Wohnmobil von Niesmann Caravaning quer durch Belgien gesteuert - ein besonderer Familienurlaub.

Es gibt Dinge, die man eigentlich unheimlich gerne möchte, aber irgendwie traut man sich nicht. Bei mir gehörte dazu bis vor kurzem ein Urlaub im Caravan. Hätten die Wohnmobil-Experten von Niemann Caravaning nicht in diesem Herbst einen unbedarften Redakteur auf die Reise mit einem ihrer rollenden Häuser schicken wollen, ich wäre sicher noch immer um die Erfahrung und eine Gewissheit ärmer.

Tag 1

Auf dem riesigen Firmengelände von Niesmann Caravaning in Polch gibt es schier alles für den Urlaub auf vier Rädern: Service, Wartung, Reparatur, Ausstattung, Verkauf und Vermietung. Ein sympathischer Techniker führt mich vorbei an zahllosen Caravans, die scheinbar immer größer werden. Vor dem Größten bleibt er stehen: “Das ist es.” Schluck! Gut zwei Stunden später sitze ich am Steuer des vier Tonnen schweren Kolosses – gewappnet mit reichlich Wissen zur praktischen Handhabung von der Rückfahrkamera über die Digitalschüssel bis zur Warmwasserversorgung. Erstaunlich zugstark geht es hoch über den Köpfen der meisten anderen Fahrer zur ladebereiten Familie nach Konz. Nur nichts vergessen: der leere Lyseo Time A will mit allem für seine sechs Passagiere inklusive Familienhund gefüttert werden. Es hätte auch die bequeme Variante mit Küchen- und Draußen-Ausstattung gegeben. Aber so ist es ganz unseres. Die Kinder sind schon mal begeistert.

Tag 2

Unsicher ob dass mit dem “wild” stehen wirklich so problemlos funktioniert, hatten wir uns für eine letzte Nacht im eigenen Bett entschieden. Dabei ist Belgien, wie sich herausstellt, zumindest in der Nebensaison trotz Herbstferien in dem Punkt ein absolut stressfreier Traum für freiheitsliebende Caravan-Touristen. In Han-sur-Lesse stellen wir uns einfach an den Rand einer wenig befahrenen Straße und nutzen noch die öffentlichen sanitären Einrichtungen um die Ecke. Wie gut und geruchsneutral die interne Toilette funktioniert, entdecken wir erst später. Im Städtchen in der Provinz Namur haben wir per Volksfreund-Deal ermäßigten Eintritt in die beeindruckend weit verzweigte Tropfsteinhöhle ergattert. Selbst der Hund darf hier mit wandern und danach ins Steinzeitmuseum. Als wir unsere ersten Nudeln auf dem caravaneigenen Gasherd köcheln, geiert der ewig hungrige Labrador wider Erwarten nicht zwischen unseren Beinen herum, sondern schläft seelig nach dem aufregenden Tag im neuen Heim auf Rädern. Die Kinder machen es ihm nach dem Essen auf der gemeinsamen Lagerstatt im Fond des Caravans gleich, während Mama und Papa in aller Ferienruhe endlich einmal wieder einen Erwachsenenfilm zusammen gucken, bevor sie sich in die großzügige Koje im Alkoven über dem Fahrerbereich zurückziehen.

Tag 3

Die Nacht war angenehm - dank guter Matratzen, Wohlfühl-Temperatur, die nicht mal, der caravaneigenen Heizung bedurfte und ausreichender Länge (mit Sichtschutz- und Verdunkelungsrollos allenthalben). Einen frisch gebrühten Kaffee, Tee und Müsli mit Joghurt aus dem Kühlschrank später, lösen wir den zweiten Teil des Volksfreund-Deals ein: Wildpark per Bimmelbahn im Sonnenschein mit viel Ah und Oh von unserer Vierjährigen. Ein Museum mit lebensgroßen Puppen, die die Zeit um 1900 auferstehen lassen, beeindruckt besonders die Achtjährige, bevor wir uns auf nach Gent machen. Die gute Nachricht für alle Eltern mit reiseüblen Kindern: Im Caravan ist es unserer Erfahrung nach nur halb so schlimm. Und Schupfnudeln mit Tomatensalat vor einem Spieleabend lassen ohnehin alles vergessen.

Tag 4

In Gent haben wir einen tollen gebührenfreien Parkplatz direkt am Fluss ergattert. Direkt daneben: Ein eingezäunter Hunde-Spiel- und Schwimmplatz. Optimal. Mama nutzt dann auch mal die mobileigene Dusche: Klein aber fein und die Sauberkeit in der eigenen Hand. Noch trauen wir uns nicht, unser Stromkabel einfach in die überall vorhandenen Stromkästen zu hängen, wie die anderen Wohnmobiltouristen hier. Wozu auch? Der interne Akku spendet mühelos das warme indirekte Licht in allen Winkeln des Caravans. Die Handys laden während der Fahrt oder über den Fernseher. Entlang an zahllosen Ruderern und Kanuten gelangen wir fußläufig ins wunderschöne Zentrum von Gent voller mittelalterlicher Bauten, die uns den ganzen Tag in Beschlag nehmen, bis zum abendlichen Koch- und Spielritual.

Tag 5

Jetzt geht es ans Meer. Direkt nach dem Frühstück lenke ich den 4-Tonner in Richtung Bredene. Mit gewonnener Sicherheit auf dem Bock schlängeln wir uns auch durch die engeren Küstenstraßen. Als der ausgeguckte Campingplatz wegen Umbau geschlossen ist, beschließen wir, keinen der zahllosen Alternativplätze anzusteuern, sondern uns einfach in eine Sackgasse direkt hinter den Dünen neben einen kleinen Park zu stellen. Diese tolle Art von Freiheit “rettet” sicher auch so manchen Sponti unter den Wohnmobilisten in der Hochsaison, denke ich. Einen kurzen Marsch später stehen wir am Strand. Die Kinder vergnügen sich mit Wasser treten, Muscheln sammeln und Sandburgen bauen und wir halten die Nase in den Wind und das Gesicht in die Sonne. Gut, dass wir immer Picknick an Bord haben. Am Abend fällt das Spielen etwas kürzer aus, denn Papa und Mama gehen mit Weinflasche “bewaffnet” an den Strand wie früher. Es hat schon Vorteile einen 14-jährigen “Babysitter” mit an Bord zu haben. Ganz so romantisch wie erwartet ist es zwar nicht, weil Partybässe aus einer Strandhütte dröhnen, so weit man auch marschiert. Aber tanzen im Dunkeln hat ja auch was...

Tag 6

Heute muss eingekauft werden und als größere Stadt nebenan hoffen wir, dass Oostende vielleicht irgendwas zu bieten hat. Hat es nicht. Also machen wir uns mit aufgeladenen Vorräten auf den Weg nach Brügge. Hier beziehen wir den ersten und einzigen gebührenpflichtigen Parkplatz unseres Urlaubs. Der liegt citynah und erlaubt uns neues Wasser ein- und verbrauchtes Wasser abzulassen. Auch die Toilettenbox muss nun mal geleert und gespült werden und mit dem Stromanschluss laden die Handys plötzlich rasend schnell. Brügge selbst ist schön mit seinen malerischen Kanälen und alten Bauwerken. Aber - zumindest am Wochenende – ist die Stadt so überlaufen, dass es uns gehörig stresst. Mit Waffeln und Fritten versuchen wir die Stimmung zu heben. Aber erst die belgischen Pralinen, die wir als Anreiz für die abendliche Spielrunde ausloben, bringen uns wieder auf Kuschelkurs.

Tag 7

Nach einer warmen Dusche, ausgiebigem Frühstücksritual und Gassigang treten wir dem Heimweg an. Die Handgriffe zum Verstauen alles Krimskrams für die Fahrt ist schon Routine. Mittlerweile genieße ich selbst drei Stunden am Stück auf dem “Bock” regelrecht. Der Sound aus dem Radio ist toll, der Überblick über die Landschaft auch. Noch eine Pause in einem Naturpark und dann zu Hause auspacken und das Mobil wieder frisch machen. Die abendliche Erkenntnis: Im eigenen Bett schläft es sich nicht besser. Im Caravan war es viel wärmer und gemütlicher als in unserem zugigen großen alten Haus.

Tag 8

Zeit Abschied zu nehmen von unserem neu gewonnenen Freund auf Rädern bei Niesmann Caravaning in Polch. Die Erfahrung war stark: Wohnmobilurlaub verbindet den Komfort einer Ferienwohnung mit der Freiheit, wie man sie vom Zelten kennt – nur besser. Die Gewissheit bleibt, dass Belgien das erste, aber sicher nicht das letzte Land ist, das wir irgendwann im Caravan erobern werden.