1. PR

SWR - Das Erste: "Report Mainz": Bundesregierung bestellt 660 Millionen Dosen Impfstoff - Nur ein Viertel davon bisher verimpft

SWR - Das Erste : "Report Mainz": Bundesregierung bestellt 660 Millionen Dosen Impfstoff - Nur ein Viertel davon bisher verimpft

Die Linke kritisiert fehlende Transparenz bei Impfstoffbeschaffung / "Report Mainz" am Dienstag, 1. Februar 2022, 21:45 Uhr im Ersten

Mainz. Die Bundesregierung hat seit Beginn der Pandemie insgesamt mehr als 660 Millionen Dosen Corona-Impfstoff bestellt, die bis 2023 ausgeliefert werden sollen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler hervor, die dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" vorab vorliegt. Darunter sind rund 367 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, 120 Millionen Dosen von Moderna, aber auch mehrere Millionen Dosen der Impfstoffe Novavax, Valneva und des Herstellers Sanofi. Die bestellten Vakzine haben nach Angaben der Bundesregierung einen Gesamtwert von rund 12,5 Milliarden Euro.

Großteil der Impfstoffdosen noch nicht verimpft

Von den rund 660 Millionen Dosen wurden in Deutschland seit Beginn der Pandemie etwa ein Viertel verimpft. Knapp 16 Prozent des Impfstoffes wurden an andere Länder, überwiegend an Entwicklungsländer, abgegeben. Übrig bleiben also rund 400 Millionen Dosen für die nächsten zwei Jahre. Sollten die Hersteller in der Zwischenzeit neue Impfstoffe entwickeln, die an Virusvarianten wie Omikron angepasst sind, müssen diese nicht zusätzlich bestellt werden. Die Verträge sehen vor, dass die angepassten Impfstoffe anstelle der alten Vakzine ausgeliefert werden können.

Bundesgesundheitsministerium: "Wollen ausreichende Versorgung sicherstellen"

Wie viele der übrigen rund 400 Millionen Impfdosen tatsächlich in Deutschland verimpft werden sollen, ließ das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf Nachfrage von "Report Mainz" offen. Die hohen Bestellmengen begründet das Ministerium mit dem Ziel, zu jeder Zeit die ausreichende Versorgung der Bevölkerung in Deutschland sicherstellen zu wollen. Man wolle Entwicklungs- und Produktionsrisiken minimieren, indem man auf ein breites Portfolio mit verschiedenen Herstellern und Technologien setze, so das BMG. Laut den Lieferverträgen ist Deutschland verpflichtet, die gesamte bestellte Menge Impfstoff abzunehmen. Überschüssige Impfdosen könnten jedoch an andere Länder abgegeben werden, etwa über die Initiative COVAX. Diese setzt sich für eine weltweit gleichmäßige Verteilung von Impfstoffen ein. Eine Reduktion von Bestellmengen sei hingegen "nur im Einvernehmen mit den Herstellern möglich", schreibt das BMG. Auf Nachfrage von "Report Mainz" bei der Mainzer Firma Biontech heißt es, Anfragen für eine solche Reduktion von Bestellmengen lägen weder Biontech noch seinem Partner Pfizer vor.

Mehr Transparenz bei Impfstoff-Management gefordert

Angesichts der hohen Bestellmenge fordert die Linke mehr Transparenz beim Impfstoff-Management. "Die insgesamt bestellten Dosen entsprechen pro Kopf der Bevölkerung, vom Baby bis zum Greis, fast 8 Dosen Corona-Impfstoff", so Kathrin Vogler gegenüber "Report Mainz". Reiche Länder wie Deutschland leisteten sich Verschwendung und Verderb, während in den Ländern Afrikas gravierender Impfstoffmangel herrsche. Dies sei verantwortungslos, vor allem vor dem Hintergrund, dass Länder wie zuletzt Nigeria gespendeten Impfstoff vernichten mussten, weil er erst kurz vor dem Verfallsdatum abgegeben wurde.

Zitate gegen Quellenangabe "Report Mainz" frei.

Rückfragen bitte an die Redaktion "Report Mainz", Tel.: 06131 929 33351

Newsletter "SWR vernetzt":http://x.swr.de/s/vernetztnewsletter

Original-Content von: SWR - Das Erste, übermittelt durch news aktuell