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Westfalen-Blatt: WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zur Maskenpflicht

Westfalen-Blatt : WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zur Maskenpflicht

Ja, so eine Maske im Gesicht sieht komisch aus, man bekommt nicht so gut Luft und ist schwer zu verstehen. Aber auf der Intensivstation bewusstlos auf dem Bauch liegen und beatmet zu werden, das sieht auch komisch aus und endet in vielen Fällen mit dem Tod.

Wenn wir die schon beschlossenen und weitere Lockerungen wollen, weil selbst das reiche Deutschland dieses Virus wirtschaftlich nicht wird aussitzen können, dann werden wir die durch mehr Kontakte entstehende größere Infektionsgefahr irgendwie kompensieren müssen, damit die Zahl der Neuansteckungen nicht wieder steigt.

Wo es Erfolge im Kampf gegen das Virus gibt, spielen Gesichtsmasken eine Rolle. In Asien ebenso wie in Jena. Es ist zu erwarten, dass sich die Maskenpflicht in Sachsen, Bayern oder anderen Bundesländern ebenso positiv auswirken wird. NRW sollte sich flächendeckend anschließen. Nimmt man die bestätigten Infektionen pro 100.000 Einwohner, liegt NRW nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Dienstag auf Platz fünf der 16 Bundesländer. Bei den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen (Geschäfte, Schulen) ist NRW aber ebenfalls vorne mit dabei. Dieses durchaus riskante Vorgehen ließe sich mit Masken zumindest etwas absichern.

Doch das Tragen von Gesichtsmasken ist bei uns kulturell nicht eingeübt. Die Mehrheit fremdelt weiterhin mit dem Gedanken. Der Schutz der anderen? Der Eigenschutz, wenn das eigene Vorbild mit dazu führt, dass auch das Gegenüber Maske trägt? Reichen als Argumente offenbar nicht. Daran hat auch die dringende Empfehlung von Kanzlerin und Landesregierungen nichts geändert: Im Supermarkt trifft man weiterhin eher Kunden ohne Maske. Zwar werden Maskenträger nun seltener angestarrt wie Außerirdische, aber darauf zu hoffen, dass alle freiwillig Masken aufsetzen, ist unrealistisches Wunschdenken.

In zehn von 16 Landesregierungen ist der Gedanke bereits gereift, dass man keine Zeit hat, auf eine Verhaltensänderung der Bevölkerung zu warten. In NRW leider noch nicht.

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