| 20:14 Uhr

Gelsenkirchen
19 Punkte Unterschied – im Derby völlig egal!

Beim 93. Revierderby zwischen Dortmund und Schalke wird’s wohl wieder temperamentvoll zugehen – wie in diesem Zweikampf zwischen Marco Reus (links) und Nabil Bentaleb.
Beim 93. Revierderby zwischen Dortmund und Schalke wird’s wohl wieder temperamentvoll zugehen – wie in diesem Zweikampf zwischen Marco Reus (links) und Nabil Bentaleb. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Gelsenkirchen. Fußball: Trotz des enormen Vorsprungs von Dortmund hofft Schalke mit einem Sieg im Revier-Klassiker auf den Stimmungs-umschwung.

In der Tabelle trennen die Erzrivalen derzeit Welten. Doch selbst der enorme Vorsprung und die bisherige Dominanz kann den enteilten Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund vor dem Kräftemessen beim FC Schalke 04 nicht zu markigen Sprüchen verleiten. „Es wird ein ganz enges Spiel, da muss man kein Prophet sein“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem 153. Pflichtspielderby am heutigen Samstag in der Veltins-Arena (15.30 Uhr/Sky).

Dabei ist die Ausgangslage so klar wie selten zuvor. Die nach 13 Spieltagen noch ungeschlagene Borussia geht mit 19 Punkten Vorsprung auf den abgestürzten Vizemeister in die prestigeträchtige Partie. So groß war der Abstand zwischen den Teams vor einem Hinrundenduell noch nie. Gleichwohl verweist BVB-Profi Marcel Schmelzer darauf, was wirklich über Sieg oder Niederlage entscheidet. „Es ist im Derby egal, welchen Platz die Mannschaften belegen. Es kommt in erster Linie darauf an, wie sehr man dieses Spiel gewinnen will.“

Nicht zuletzt deshalb warnt Sportdirektor Michael Zorc: „Schalke hat die Möglichkeit, mit einem Spiel sehr viel wieder zurechtzurücken.“ Noch frisch ist die Erinnerung an das letzte Duell Mitte April, als sich der BVB mit einem leidenschaftslosen Auftritt auf Schalke mit 0:2 abfertigen ließ. Auch die gefühlte Niederlage beim legendären 4:4 zu Hause nach einer 4:0-Halbzeitführung ist der Borussia noch eine Mahnung.

Schalkes Trainer Domenico Tedesco ist in seinen beiden Begegnungen mit den Nachbarn noch unbesiegt. „Die Bilanz gefällt mir. Die würde ich gern nach Samstag noch mal so ziehen“, sagte der 33-Jährige. Immerhin hat sich seine Elf nach dem deprimierenden Saisonstart mit fünf Niederlagen zurückgekämpft, wenn auch mit wenig glanzvollen Auftritten: Seit dem sechsten Spieltag holten nur vier Teams mehr Zähler als die Königsblauen (14).

Nicht zuletzt deshalb sieht Tedesco seine Elf keineswegs chancenlos: „Wenn wir darauf schauen, wie überwiegend stabil wir zuletzt waren, macht das Mut.“

Anders als in früheren Zeiten halten sich die Protagonisten mit Sticheleien und Kampfansagen zurück. Die einst oft feindselige Atmosphäre ist geprägt von gegenseitigem Respekt. „Die Dortmunder machen das richtig gut“, sagte Tedesco, der sogar die Einkaufspolitik des Rivalen lobte. „Man muss neidlos anerkennen, dass ihre Transfers top funktioniert haben.“ Auch Sportvorstand Christian Heidel akzeptiert die derzeitige Dominanz des Gegners vor dem 93. Bundesliga-Duell und traut der Borussia den Titelgewinn zu.

Nichtsdestotrotz wäre es für Schalke eine Genugtuung, ausgerechnet im Derby den Siegeszug des BVB zu stoppen, ihm die mögliche Herbstmeisterschaft zu verderben und im eigenen Lager endgültig für einen Stimmungswandel zu sorgen.

BVB-Coach Lucien Favre kann im Revierderby wohl sein bestes Team aufbieten, nur der Einsatz von Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou (Fußstauchung) ist fraglich. Sein Kollege Tedesco muss hingegen die vier Offensivkräfte Mark Uth, Breel Embolo, Franco Di Santo und Cedric Teuchert ersetzen.