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Leverkusen/Glasgow/Nikosia
Hütter lässt die Hütte brennen

Der sonst eher introvertierte Frankfurter Trainer Adi Hütter ließ in Limassol seinen Emotionen freien Lauf.
Der sonst eher introvertierte Frankfurter Trainer Adi Hütter ließ in Limassol seinen Emotionen freien Lauf. FOTO: dpa / Angelos Tzortzinis
Leverkusen/Glasgow/Nikosia. Fußball-Europa-League: Nach dem Desaster im Vorjahr sind mit Frankfurt und Leverkusen diesmal schon zwei deutsche Vereine sicher für die K.o.-Runde qualifiziert. Leipzig muss dagegen noch bangen.

  Adi Hütter startete vor 5000 begeisterten Fans auf Zypern die La Ola, Heiko Herrlich reckte beide Fäuste in die Luft, Ralf Rangnick war dagegen sichtlich angefressen: Die Gefühlswelt der Trainer der drei deutschen Europa-League-Teilnehmer war nach dem vierten Spieltag unterschiedlich.

Während sich Eintracht Frankfurt mit Hütter durch das 3:2 (1:0) bei Apollon Limassol ebenso schon am drittletzten Gruppen-Spieltag den Einzug in die K.o.-Runde sicherte wie Bayer Leverkusen mit Herrlich durch das 1:0 (0:0) gegen den FC Zürich, hat sich Rangnicks RB Leipzig unnötig in Zugzwang gebracht. Und der ohnehin schon viel diskutierten Partie am 29. November bei den ebenfalls von Red Bull unterstützten Salzburgern wird durch das 1:2 (0:1) bei Celtic Glasgow zusätzliche Brisanz verliehen.

Die 60 000 fanatischen Celtic-Fans hätten sein Team nicht eingeschüchtert, versicherte Trainer und Sportchef Rangnick, sprach aber von „einer unterirdischen Abwehr bei den Gegentoren“. Vor allem das 1:2 durch Odsonne Edouard (79.) nur 65 Sekunden nach dem Ausgleich durch Jean-Kevin Augustin (78.) ärgerte den Perfektionisten Rangnick. Da habe man „fahrlässig verteidigt“ und sich „um den Lohn der zweiten Halbzeit gebracht“, schimpfte er. Eine Krise wollten sie bei RB aber nach zuvor zehn Spielen ohne Niederlage nicht ausrufen.

Die Frankfurter nahmen dagegen ihren Schwung aus der Liga einfach mit in den Europacup und haben in der schwierigen Gruppe mit Vorjahres-Finalist Olympique Marseille und Lazio Rom mit zwölf Punkten eine makellose Bilanz. Die Eintracht ist erst der dritte Bundesligist nach dem VfB Stuttgart (2010/11) und dem FC Schalke 04 (2016/17), der mit vier Siegen in der Europa League startete.

Da legte auch der introvertierte Hütter seine übliche Zurückhaltung ab und ließ den Emotionen freien Lauf. „Das war ein unglaublich toller Moment“, schilderte der 48 Jahre alte Österreicher die ungewohnte Szene vor der imposanten Fankurve der hessischen Gäste. „Ich wollte mich bei den Fans bedanken, denn ich habe das Gefühl, dass ich in Frankfurt mehr und mehr ankomme und die Fans mich schätzen.“

Die Fans träumen schon von Baku – dem Endspielort am 29. Mai. So weit denkt Sportdirektor Bruno Hübner aber noch nicht: „Wir versuchen, die Gruppe als Erster zu beenden, und hoffen dann auf einen attraktiven Gegner.“ Hütter deutete zumindest an, dass die Eintracht noch einiges vorhat. „Es ist nur ein Etappenziel, weil wir länger in Europa unterwegs sein wollen“, sagte er über das Weiterkommen.

Das wollen auch die Leverkusener, die zwar beim Hinspiel in Zürich eine Niederlage kassierten (2:3), mit nun neun Punkten aber trotzdem schon weiter sind. Und damit in einer Hinsicht in dieser holprigen Saison plötzlich die Nummer eins im deutschen Fußball: Als erster Bundesligist stehen die Rheinländer als Überwinterer in den beiden Pokal-Wettbewerben fest, in denen sie auch gestartet sind. Nun gilt für den Tabellen-13. bis Jahresende endgültig nur noch die Bundesliga.

„Da hängen wir etwas hinterher. Und deshalb wollen wir uns da nun ranpirschen“, sagte Sportchef Rudi Völler und kündigte die dringend nötige Aufholjagd an: „Wir wollen uns am Sonntag in Leipzig und nach der Länderspiel-Pause nach vorne arbeiten.“