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Stuttgart
Männergrippe: Was nun?

Nichts kann Männer umhauen – außer einer Erkältung: Schlägt die Männergrippe zu, ist guter Rat teuer.
Nichts kann Männer umhauen – außer einer Erkältung: Schlägt die Männergrippe zu, ist guter Rat teuer. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Stuttgart. Im Winter wird wieder gewitzelt – über eine von den Betroffenen als schwerwiegend empfundene Erkrankung: die Männergrippe. Eine Autorin erklärt, wie Frauen und Männer den Ausnahmezustand überleben. dpa

() Es ist das Grauen vieler Frauen: Der Mann bleibt zu Hause und ist erkrankt. Nicht etwa an einem grippalen Infekt. Nein, er brütet etwas aus, das im Volksmund als Männergrippe bezeichnet und verulkt wird. Tagelang ist der Herr des Hauses außer Gefecht gesetzt. Er will betüddelt werden, aber nicht bevormundet. Und auf keinen Fall möchte er einen Arzt aufsuchen. Alles Quatsch? Lucinde Hutzenlaub und Anna Herzog haben ein Buch über den Mythos „Männergrippe“ geschrieben. In diesem – nicht immer hundertprozentig ernst gemeinten  Interview erklärt Lucinde Hutzenlaub, was hinter der Erkrankung stecken könnte und wie Frauen und Männer am besten mit dem Ausnahmezustand umgehen.

Warum braucht es ein Buch über Schnupfen speziell für Männer?

Antwort: Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen. Wir reden hier von Männergrippe, einer sehr speziellen Ausprägung der schnöden Erkältung. Bei der Recherche zu unserem Buch hat mir ein Mann gesagt, er würde lieber täglich eine Wurzelbehandlung ohne Narkose durchführen lassen, als nur einen Tag erkältet zu sein.

Woran könnte es liegen, dass Männer damit nicht so gut umgehen können?

Antwort: Zumindest was die Anfälligkeit für schlimme Erkältungen angeht, gibt es einen Erklärungsansatz. Frauen haben bekanntlich zwei X-Chromosomen, Männer ein X und ein Y. Da fällt schon beim Hinschauen auf: Das Y steht nicht so sicher wie das X. Klar also, dass Männer anfälliger sind für die gefährliche Männergrippe, oder? Spaß beiseite, tatsächlich haben Genetiker herausgefunden, dass sich auf den X-Chromosomen mehr Gene befinden, die fürs Immunsystem zuständig sind. Das könnte Frauen weniger anfällig machen. Hinzu kommt: Männer neigen nicht unbedingt zu exzessivem Händewaschen, Gemüseessen und Spazierengehen.

Unterscheidet sich auch der Infekt?

Antwort: Die Viren sind die gleichen, und die Nase funktioniert auch nicht anders als bei Frauen. Eine Männergrippe fühlt sich aber anders an. Eine laufende Nase kann den Mann durchaus auf die Couch werfen. Er empfindet das als höchst bedrohlich.

Was raten Sie Frauen – was tun?

Antwort: Einfach in Ruhe lassen. Keine gut gemeinten Ratschläge geben. Das ist für beide Seiten das Beste.

Ärzte kritisieren mitunter, dass die Menschen eher zu Medikamenten greifen anstatt sich auszukurieren. Machen es Männergrippe-Kranke richtig?

Antwort: Klar, da können sich die Frauen etwas abschauen. Aus einer harmlosen Erkältung kann auch eine ernsthafte Erkrankung werden, allein schon weil das Immunsystem geschwächt ist. Andererseits: Einer laufenden Nase oder leichtem Halskratzen muss man nicht so viel Raum geben. Aus meiner Sicht ein ganz guter Anhaltspunkt ist, wenn man denkt: „Ich müsste jetzt so ein Kombipräparat einwerfen, um den Tag bei der Arbeit zu überstehen.“ Da ist es gut, sich eine Pause zu gönnen – für Männer wie für Frauen.

Und was können sich Männer von Frauen abschauen?

Antwort: Vorbeugende Maßnahmen wie Händewaschen: vor dem Essen, nach dem Heimkommen, nach dem Toilettengang. Mehr Gemüse essen. Und anders Sport treiben: Statt sich auszupowern und dann ein Bier zu trinken, hilft es dem Körper mehr, sich kontinuierlich zu bewegen.

Wie unterscheidet man eine Männergrippe von einer tatsächlich gefährlichen Erkrankung?

Antwort: Durch hohes Fieber. Erwachsene neigen nicht zu hohem Fieber. Da wird es brenzlig, und ein Arztbesuch ist unbedingt ratsam. Das Problem ist nur: Wenn es wirklich ernst wird, wollen Männer nicht zum Arzt. Dann wollen sie lieber allein in ihrem Bett sterben ... (lacht)