| 20:19 Uhr

London
Schach-WM: Rettungsanker nach Remis-Marathon

Bei der Marathon-Schach-WM zwischen Magnus Carlsen (links) und Herausforderer Fabio Caruana naht eine Entscheidung.
Bei der Marathon-Schach-WM zwischen Magnus Carlsen (links) und Herausforderer Fabio Caruana naht eine Entscheidung. FOTO: dpa / Matt Dunham
London. Wer ist der beste Schachspieler der Welt? Die Antwort darauf liefert das letzte Kapitel der Schach-WM in London zwischen dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen und seinem Herausforderer Fabiano Caruana.

Nachdem die zwölf regulären Partien mit klassischer Bedenkzeit alle mit einem Remis endeten, entscheidet an diesem Mittwoch der Tiebreak darüber, wer den Titel tragen darf.

Rückblende auf die zwölfte Partie am Montag. Carlsen ist mit Schwarz von Beginn an am Drücker und hat Caruanas Armee auf dem Brett zurückgedrängt. Außerdem hat er einen großen Vorsprung bei der verbleibenden Bedenkzeit, die auf der Schachuhr gemessen wird. Während der 27-jährige Norweger noch fast 40 Minuten bis zur Zeitkontrolle im 40. Zug übrig hat, muss der ein Jahr jüngere Amerikaner mit italienischen Wurzeln in heikler Stellung mit 16 Minuten auskommen. Alle Zuschauer im Saal und Hunderttausende Fans, die weltweit die Live-Ticker verfolgen, rechnen mit einer dramatischen Schlussphase. Dann aber die große Überraschung: Mit seinem 31. Zug bietet Carlsen ein Unentschieden an. Caruana denkt kurz nach, kann aber unmöglich ablehnen. Das bedeutet: Tiebreak.

Diese Verlängerung bei der WM, die eine Entscheidung erzwingen soll, besteht aus mehreren Schritten. Zuerst werden vier Schnellschach-Partien gespielt. Dabei hat jeder Spieler eine Bedenkzeit von 25 Minuten, plus zehn Sekunden Zeitgutschrift pro Zug. Falls danach immer noch kein Sieger feststeht, folgen fünf Blitz-Mini-Matches à zwei Partien, mit fünf Minuten Bedenkzeit pro Spieler und drei Sekunden Zeitgutschrift pro Zug. Falls nach keinem der Mini-Matches ein Sieger feststeht – was recht unwahrscheinlich ist -–, folgt dann eine finale sogenannte Armageddon-Partie. Hier hat Weiß fünf Minuten Bedenkzeit und Schwarz nur vier Minuten plus jeweils drei Sekunden Zeitgutschrift ab dem Zug 61. Weiß muss die Partie gewinnen, Schwarz reicht dann ein Remis.

Kurzum: Es kann ein langer Nervenkrieg werden.