| 20:19 Uhr

München
Tiefstapeln mit Kalkül

Demut statt Getöse: Bayern-Präsident Uli Hoeneß setzt vor dem Duell mit Borussia Dortmund auf eine neue Strategie.
Demut statt Getöse: Bayern-Präsident Uli Hoeneß setzt vor dem Duell mit Borussia Dortmund auf eine neue Strategie. FOTO: dpa / Marc Müller
München. Fußball: Der sonst so wortgewaltige Bayern-Boss Uli Hoeneß erklärt Dortmund zum Favoriten.

Mit einem rot-weißen Fanschal stand Uli Hoeneß zur Geisterstunde in der Allianz Arena und wählte eine ungewöhnliche Bayern-Taktik: Demut statt Getöse! Tiefstapeln mit Kalkül hieß die Marschroute des wortgewaltigen Präsidenten nach dem glanzlosen Münchner 2:0 (1:0) gegen das schwarz-gelbe Fußball-Leichtgewicht AEK Athen in der Champions League. Denn wegweisend ist das Spiel der Spiele gegen das schwarz-gelbe Schwergewicht Borussia Dortmund am Samstag.

„Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt“, flötete Hoeneß, der die Rollen im Bundesliga-Clásico entsprechend der Tabelle und dem bisherigen Saisonverlauf verteilte. „Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren. Dortmund hat bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt. Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter zum ersten Mal seit langer Zeit.“

Bei den vergangenen zwölf Ligaduellen war jeweils der FC Bayern Tabellenführer und Dortmund in der schwierigeren Jäger-Rolle.

Fast gönnerhaft ergänzte Hoeneß mit dem Hinweis auf die dominanten Münchner Meisterjahre seit 2012: „Die Dortmunder haben jetzt sechs Jahre lang diese Distanz zu uns gehabt, da dürfen sie jetzt auch mal vorne sein.“ Nun könnte der Rückstand des FC Bayern von vier auf sieben Punkte emporschnellen, was vorerst eine Wachablösung im deutschen Fußball bedeuten würde.

„Wir dürfen auf keinen Fall verlieren“, sagte Torwart Manuel Neuer. Hoeneß baute schon mal vor: „Die Meisterschaft würden wir immer gerne haben, aber wenn es mal nicht so ist, wird der FC Bayern auch nicht untergehen.“ Der Präsident spürte nach dem Königsklassensieg dank Tor-Doppelpacker Robert Lewandowski, dass es sinnvoller erschien, die Kraftprobe mit dem jungen, frischen BVB-Express nicht noch zusätzlich aufzuladen. Der Druck auf die weiterhin um spielerische Lösungen ringende Mannschaft und Trainer Niko Kovac ist ohnehin am Limit.

Hoeneß nahm Dampf raus. Auch der Trainer darf weiterhin mit seiner schützenden Hand rechnen. An seiner Aussage, er werde bis aufs Blut für Kovac kämpfen, habe sich „nichts geändert“.

Dieses Gelöbnis wird Kovac freuen, der sich nach dem zu 99 Prozent gelösten Achtelfinalticket in der Champions League kämpferisch gab: „Jetzt fahren wir nach Dortmund und werden zeigen, was wir können.“

Gegen den limitierten griechischen Meister (null Punkte, 1:15 Tore), der nur in den Trikotfarben dem BVB ähnelte, waren erneut keine „super Bayern“ zu sehen gesehen, wie Neuer zugab. „Aber die Tendenz zeigt nach oben“, sagte der Torwart.