| 21:23 Uhr

Kasan/Krasnodar
Wenn der Sohne mit dem Vater

Kasan/Krasnodar. Thiagos Traum vom zweiten WM-Pokal. Sein Vater gewann bereits mit Brasilien den Titel.

(dpa) Einen WM-Pokal hat Thiagos Familie bereits. Es gibt ein Foto von dem Bayern-Profi mit seinem Söhnchen Gabriel vor einem großen Poster an der Wand: Da reckt ihr Vater und Großvater Mazinho im brasilianischen Trikot die Trophäe 1994 in die Höhe. „Ich arbeite dran“, schrieb Thiago darunter. Seinem Traum, auch in der nächsten Generation einen WM-Titel nach Hause zu bringen, kann der 27-Jährige an diesem Mittwoch wieder ein Stückchen näher kommen, wenn Spaniens Nationalteam sein zweites Vorrundenspiel bestreitet.

Denn der Mittelfeldspieler ist gegen den Iran ein heißer Kandidat für die Startelf. Trainer Fernando Hierro wird wohl in Kasan (20 Uhr/ARD) eine offensivere Variante wählen als beim 3:3 gegen Portugal. Da hatte er im Mittelfeld den als gesetzt geltenden Andrés Iniesta, David Silva, Sergio Busquets und Isco sowie Koke vertraut. Thiago oder nix! So forderte es einst Pep Guardiola in München. So weit ist es in der Selección noch nicht, aber der Münchner hat unter Hierros Vorgänger Julen Lopetegui viel an Reputation gewonnen. Thiago Alcântara do Nascimento, geboren in Italien, als Mazinho gerade in Lecce kickte, und Bruder des zweifachen brasilianischen Nationalspielers Rafinha. Als der Papa Weltmeister wurde, „war ich gerade einmal drei Jahre alt und erinnere mich nicht an die Spiele“, sagte Thiago in einem Interview. „Aber ich erinnere mich noch daran, wie er nach Hause zurückgekehrt ist, an die Feier, die Familie.“ Seine erste WM-Chance 2014 verpasste der frühere Profi des FC Barcelona wegen einer Knieverletzung. Bei der EM 2016 wurde Thiago nur zweimal eingewechselt, aber in der WM-Qualifikation für Russland wurde er zum Stammspieler. Zum Auftakt gegen Portugal kam er nach 70 Minuten für Iniesta – ein zukunftsträchtiger Wechsel? Thiago, seit 2013 in München, steht nach einem Bericht des Sportblatts Marca ganz oben auf der Wunschliste des FC Barcelona. Der FC Bayern soll eine Ablösesumme von 70 Millionen Euro aufgerufen haben, schrieb die Zeitung. Thiagos Vertrag beim deutschen Meister läuft bis 2021. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte vergangene Woche seinen Abgang nicht ausgeschlossen.