RADSPORT: Hart an der Grenze

RADSPORT: Hart an der Grenze

GEROLSTEIN. Extreme Wetterbedingungen haben die Premiere des Gerolsteiner Tourfestivals auf eine harte Probe gestellt. Trotzdem sind erstklassige sportliche Ergebnisse erzielt worden.

Trotz der Wetterkapriolen zogen die Organisatoren eine positive Bilanz. Rennleiter Uli Stanciu: "Ich bin bundesweit seit 14 Jahren dabei und habe so eine perfekte Organisation noch nie erlebt." Für die drei Strecken, die den 209 Kilometer langen Marathon bildeten, mussten Straßen in sechs Verbandsgemeinden gesperrt werden. Eine Herausforderung für 220 Streckenposten, 30 Marshalls auf Motorrädern und viele Polizeibeamte. Am Samstag öffnete der Himmel alle Schleusen. Etliche der 869 Marathon-Teilnehmer gaben auf. Die erste Runde (97,36 bei 1648 Höhenmetern) führte über den "Schwarzen Mann", wo gerade mal Temperaturen von sieben Grad Celius herrschten. Über 50 Fahrer mussten vom Roten Kreuz behandelt werden. Tamara Bleier (31) aus Aachen sagte nach der ersten Runde mit Blick auf ihren Partner: "Eigentlich wollten wir alle drei Runden fahren, aber es ist uns zu gefährlich und zu kalt." Siggi Perings und Martin Funker (27) aus Meckel schlossen sich an: "Strecke und Ausschilderung sind klasse, aber es ist zu rutschig." Senior Ferdi Steffen (73) aus Speicher fühlte sich nach der ersten Runde "ziemlich kaput". Horst Fassing (61) aus Iserlohn, Senior-Sieger, bilanzierte: "Die Strecke liegt wunderbar. Ich werde die Vulkaneifel in mein Trainingsgebiet aufnehmen." Rad-Profi Udo Bölts fuhr (ohne Wertung) die erste Runde mit. Er sagte: "Die Strecke war klasse, aber leider verscheuchte der Regen die Zuschauer." 141 Radfahrer überwanden den "inneren Schweinehund" und fuhren weiter. 118 stiegen nach der 55,82 Kilometer langen zweiten Runde aus. 23 fuhren bis zum Ende, wie Winnie Gietzen (40) aus Bullay, Dritter der Herren-Masters bilanzierte. Nur sieben Sekunden hinter ihm landete Adam Henning aus Bausendorf auf Rang vier (7:55 Stunden). Fast eine Stunde schneller waren die Erstplatzierten der Herren-Klasse. Markus Fachbach (23) aus Montabaur schaffte den Marathon in sieben Stunden. Das Wetter war ihm gleichgültig: "Ich wäre auch bei Schnee gefahren." Allerdings gestand er ein, dass "die letzte halbe Stunde extrem war, weil die Finger so eiskalt waren, dass man kaum noch schalten konnte". Voll ins Zeug legte sich auch Johannes Fröhlinger aus Seiwerath vom RSC Prüm. Der 22-Jährige unterbot die Zeit, die der deutsche Meister im Bergrennen, Robert Retschke (Team Wiesenhof), beim Einzelzeitfahren vorlegte, nur um drei Sekunden. Fröhlinger fuhr die als "sehr anspruchvoll" eingestufte Strecke von 20,18 Kilometer (563 Höhenmeter bergauf, bergab 297) in 35:20 Minuten mit einem Mittel von 34,26 Stundenkilometer. Markus Beck gewann den 2,54 Kilometer langen Sprint durch Gerolsteins Innenstadt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,87 Stundenkilometer. Über den gleichen Parcours traten die Nachwuchs-Radfahrer in die Pedale. "Lokalmatador" Michael Schenten (17), Jugend-Rheinland-Pfalz-Meister 2005, gewann den Jugendwettkampf. Daniel Strecker (16) aus Luxemburg wurde Zweiter. Jüngster Teilnehmer bei den Rennen des Gerolsteiner Tourfestivals war Jan Perings. Der Sechsjährige aus Pelm erstrampelte sich eine Teilnehmer-Medaille. Stolz erklärte er: "Die hänge ich in meinem Zimmer auf." Nächstes Jahr bekommt er erneut eine Chance. Uwe Geißler, Chefredakteur des Tour-Magazins, versprach: "Wir haben eine Drei-Jahres-Vereinbarung. Immerhin hat Gerolstein bundesweit große Sympathien."